On Primitive Roots
Satz über die Anzahl der Primitivwurzeln
Wenn für einen Modul Primitivwurzeln existieren (d.h., wenn eine zyklische Gruppe ist), dann gibt es genau inkongruente Primitivwurzeln modulo .
Ist ferner eine Primitivwurzel modulo , so ist die Menge aller (inkongruenten) Primitivwurzeln modulo gegeben durch die Menge:
Proof
Sei eine ganze Zahl, für die eine Primitivwurzel existiert. Die Gruppe ist demnach eine zyklische Gruppe der Ordnung .
Sei eine Primitivwurzel modulo . Per Definition ist ein Erzeuger von , und es gilt . Jedes Element kann somit eindeutig als eine Potenz von dargestellt werden, d.h., es existiert ein eindeutiger Exponent , sodass .
Ein zentrales Resultat der Gruppentheorie besagt: Ist ein Element der Ordnung in einer endlichen Gruppe, so ist die Ordnung seiner Potenz gegeben durch die Formel:
Ein Element ist genau dann ebenfalls eine Primitivwurzel (also ein Erzeuger von ), wenn seine Ordnung gleich der Gruppenordnung ist. Wir wenden die Formel auf das Element an, dessen Ordnung ist:
Damit die Gleichung erfüllt ist, muss der Nenner des Bruchs auf der rechten Seite gleich 1 sein. Dies führt zu der notwendigen und hinreichenden Bedingung:
Die Frage nach der Anzahl der Primitivwurzeln ist nun auf ein reines Zählproblem zurückgeführt: Wie viele Exponenten im Bereich sind teilerfremd zu ? Nach der Definition der Eulerschen phi-Funktion ist diese Anzahl exakt .
Zur zweiten Aussage:
Da eine Primitivwurzel ist, erzeugen seine Potenzen die gesamte Gruppe . Folglich muss jede andere Primitivwurzel die Form für einen Exponenten im Bereich haben. Wie vorher gezeigt wurde, ist ein Element der Form genau dann wieder eine Primitivwurzel (d.h., hat die Ordnung ), wenn der Exponent teilerfremd zur Gruppenordnung ist.
Zusammengenommen bedeutet dies, dass die Menge aller Primitivwurzeln genau die Menge der Potenzen ist, deren Exponenten die Bedingung erfüllen.
Die prime Restklassengruppe ist genau dann zyklisch, wenn für einer der folgenden Werte gilt: wobei eine ungerade Primzahl und eine ganze Zahl ist.
Eine Primitivwurzel modulo existiert genau dann, wenn die Gruppe zyklisch ist.
Proof
Wir zeigen zuerst, dass wenn zyklisch ist, eine der angegebenen Formen haben muss. Danach zeigen wir, dass für diese Formen von die Gruppe tatsächlich zyklisch ist.
Angenommen, ist zyklisch. Sei die Primfaktorzerlegung von gegeben durch .
Nach dem Chinesischen Restsatz gilt für die Gruppe:
Ein direktes Produkt von endlichen Gruppen ist genau dann zyklisch, wenn alle Faktorgruppen zyklisch sind und ihre Ordnungen paarweise teilerfremd sind.
Die Ordnungen der Faktorgruppen sind:
- . Da eine ungerade Primzahl ist, ist eine gerade Zahl. Die Ordnung ist also gerade.
- (für ).
Analysieren wir nun die Bedingungen für die Zyklizität:
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Anzahl der ungeraden Primfaktoren (): Wenn (d.h., hat mindestens zwei verschiedene ungerade Primfaktoren), dann gibt es mindestens zwei Faktorgruppen (z.B. und ), deren Ordnungen beide gerade sind. Da ihre Ordnungen nicht teilerfremd sind, kann die Gesamtgruppe nicht zyklisch sein. Folgerung: kann höchstens einen ungeraden Primfaktor haben, also . Somit muss die Form haben.
-
Analyse der Form : Die Gruppe ist . Die Ordnungen sind (für ) und . Wenn , ist gerade. Da ebenfalls gerade ist, sind die Ordnungen nicht teilerfremd. In diesem Fall kann die Gruppe nicht zyklisch sein. Folgerung: Wenn einen ungeraden Primfaktor hat (), dann darf nicht größer oder gleich 2 sein. Es bleiben nur (ergibt ) und (ergibt ).
-
Analyse des Falles ohne ungerade Primfaktoren (): Wir müssen prüfen, für welche die Gruppe selbst zyklisch ist.
- : , zyklisch.
- : , zyklisch.
- : . Mit Erzeuger 3, zyklisch.
- : Die Gruppe ist isomorph zu . Da sie das direkte Produkt zweier Gruppen mit gerader Ordnung ist, ist sie nicht zyklisch. Man kann zeigen, dass für jedes Element gilt: . Es gibt also kein Element der Ordnung .
Damit zyklisch ist, muss eine der Formen oder haben.
Wir müssen zeigen, dass für die angegebenen Formen von die Gruppe zyklisch ist.
-
Fälle : Wie oben gesehen, sind die Gruppen , und zyklisch.
-
Fall ( ungerade Primzahl, ): Man zeigt, dass es eine Primitivwurzel modulo gibt. Der Beweis verläuft in zwei Schritten:
- Existenz für : Es ist ein zentraler Satz der Algebra, dass die multiplikative Gruppe eines endlichen Körpers zyklisch ist. Da ein endlicher Körper ist, ist die Gruppe zyklisch. Es gibt also eine Primitivwurzel modulo .
- "Hochheben" von auf : Man kann zeigen, dass eine Primitivwurzel modulo (mit einer kleinen Modifikation, falls nötig) auch eine Primitivwurzel modulo für alle ist. Genauer gesagt: Wenn eine Primitivwurzel modulo ist, dann ist entweder oder eine Primitivwurzel modulo und damit auch für alle höheren Potenzen . Da es einen Erzeuger (eine Primitivwurzel) gibt, ist die Gruppe zyklisch.
-
Fall ( ungerade Primzahl, ): Wir verwenden wieder den Chinesischen Restsatz: Die Gruppe ist die triviale Gruppe mit Ordnung 1. Das direkte Produkt mit einer trivialen Gruppe ändert die Struktur nicht, d.h.: Da wir im vorherigen Schritt gezeigt haben, dass zyklisch ist, muss auch zyklisch sein.
Seien paarweise teilerfremde ganze Zahlen (d.h. für alle ) und seien beliebige ganze Zahlen.
Das System von Kongruenzen:
besitzt eine Lösung . Diese Lösung ist eindeutig modulo .
Proof
Der Beweis ist konstruktiv, das heisst, wir zeigen nicht nur die Existenz einer Lösung, sondern geben auch ein Verfahren an, um sie zu finden. Der Beweis besteht aus zwei Teilen: Existenz und Eindeutigkeit.
Teil 1: Existenz einer Lösung
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Definition der Hilfsgrössen: Sei das Produkt aller Moduln. Für jedes definieren wir . ist also das Produkt aller Moduln ausser .
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Teilerfremdheit: Da alle paarweise teilerfremd sind, ist teilerfremd zu jedem der Faktoren in . Folglich gilt:
-
Existenz des modularen Inversen: Weil und teilerfremd sind, existiert nach dem erweiterten Euklidischen Algorithmus ein modulares Inverses von bezüglich des Moduls . Wir nennen dieses Inverse . Es gilt also:
-
Konstruktion der Lösung: Wir konstruieren nun eine Lösung als eine Summe von Termen, die geschickt so gebaut sind, dass sie die meisten Kongruenzen trivial erfüllen. Sei:
-
Verifikation der Lösung: Wir müssen zeigen, dass dieses tatsächlich alle Kongruenzen erfüllt. Betrachten wir die -te Kongruenz : Wir teilen die Summe in zwei Teile auf: den Term für und alle anderen Terme für .
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Fall : Per Definition ist das Produkt aller ausser . Da , ist der Faktor in diesem Produkt enthalten. Also ist ein Vielfaches von , was bedeutet: Daher fallen alle Terme für in der Kongruenz modulo weg.
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Fall : Der einzige verbleibende Term ist . Wir wissen aus Schritt 3, dass .
Setzen wir dies zusammen, erhalten wir: Da dies für jedes beliebige gilt, erfüllt unser konstruiertes alle Kongruenzen. Damit ist die Existenz einer Lösung bewiesen.
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Teil 2: Eindeutigkeit der Lösung (modulo N)
Angenommen, wir haben zwei Lösungen, und . Wir müssen zeigen, dass sie kongruent modulo sind. Für jede der beiden Lösungen gilt per Definition für jedes : Daraus folgt durch Subtraktion: Das bedeutet, ist ein Vielfaches von für jedes . Mit anderen Worten: , , ..., .
Da die Zahlen paarweise teilerfremd sind, muss auch ihr Produkt die Differenz teilen. Also gilt: Dies ist äquivalent zu der Aussage: Die Lösung ist also eindeutig bis auf Vielfache von . Damit ist der Beweis vollständig.
Sei ein endlicher Körper. Dann ist die multiplikative Gruppe der Einheiten, , eine zyklische Gruppe.
Proof
Dieser Beweis ist ein klassisches und elegantes Resultat der Algebra.
Sei ein endlicher Körper und sei die Ordnung der multiplikativen Gruppe. Wir wollen zeigen, dass es ein Element gibt, dessen Ordnung ist. Ein solches Element ist per Definition ein Erzeuger, und seine Existenz beweist, dass die Gruppe zyklisch ist.
Der Beweis stützt sich auf zwei Hauptpfeiler:
- Die Anzahl der Wurzeln eines Polynoms über einem Körper.
- Eine Eigenschaft der Eulerschen Phi-Funktion.
Beweisschritte:
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Definition der Zählfunktionen: Für jeden Teiler von , definieren wir zwei Mengen:
- Sei die Anzahl der Elemente in mit der exakten Ordnung .
- Sei der Wert der Eulerschen Phi-Funktion, der die Anzahl der ganzen Zahlen mit und angibt.
Unser Ziel ist es zu zeigen, dass ist, denn das bedeutet, es gibt mindestens ein Element der Ordnung .
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Grundlegende Summenidentitäten: Jedes Element in der Gruppe hat eine Ordnung, die ein Teiler der Gruppenordnung ist (Satz von Lagrange). Wenn wir also die Anzahlen der Elemente für jede mögliche Ordnung summieren, erhalten wir die Gesamtanzahl der Elemente: Aus der Zahlentheorie ist eine fundamentale Eigenschaft der Phi-Funktion bekannt (Satz von Gauss für die Phi-Funktion):
-
Vergleich von und : Der Kern des Beweises ist zu zeigen, dass für jeden Teiler von gilt: .
- Fall 1: Es gibt kein Element der Ordnung . In diesem Fall ist . Da für ist, gilt trivialerweise .
- Fall 2: Es gibt mindestens ein Element der Ordnung . Sei ein solches Element mit . Die Potenzen von , also die Menge , bilden eine zyklische Untergruppe der Ordnung . Jedes dieser Elemente erfüllt die Gleichung . Über einem Körper kann ein Polynom vom Grad höchstens verschiedene Wurzeln haben. Das bedeutet, die Elemente von sind alle Wurzeln von in . Jedes andere Element mit der Ordnung muss ebenfalls die Gleichung erfüllen und somit eine Wurzel von sein. Daraus folgt, dass in der Untergruppe liegen muss. Die Frage "Wie viele Elemente haben die Ordnung ?" ist also gleichbedeutend mit "Wie viele Elemente in der zyklischen Gruppe haben die Ordnung ?" Ein Element hat genau dann die Ordnung , wenn . Die Anzahl dieser Elemente ist per Definition genau . Also, wenn , dann muss sein.
In beiden Fällen gilt also die Ungleichung für alle Teiler von .
-
Schlussfolgerung: Wir haben zwei Summen, die beide über alle Teiler von laufen und beide denselben Wert ergeben: Zudem wissen wir, dass für jeden einzelnen Summanden gilt. Wenn in zwei Summen mit lauter nicht-negativen Termen jeder Term der einen Summe kleiner oder gleich dem entsprechenden Term der anderen ist, die Summen aber gleich sind, dann müssen alle Terme paarweise gleich sein. Es muss also für alle gelten: Insbesondere gilt dies für : Da ist (für ), ist . Somit ist , was bedeutet, dass es mindestens ein Element mit der Ordnung in gibt. Die Gruppe ist also zyklisch.
Sei eine Gruppe und sei ein Element der endlichen Ordnung . Für jede ganze Zahl ist die Ordnung der Potenz gegeben durch die Formel:
Proof
Um zu beweisen, dass die Ordnung von einem bestimmten Wert entspricht, müssen wir zwei Dinge zeigen:
- (wobei das neutrale Element der Gruppe ist).
- ist die kleinste positive ganze Zahl mit dieser Eigenschaft.
1. Definition der Hilfsgrössen
Sei . Per Definition des ggT können wir und schreiben als:
- wobei und teilerfremd sind, d.h. .
Unser Ziel ist es zu zeigen, dass die Ordnung von genau ist.
2. Nachweis, dass ist
Wir potenzieren das Element mit :
Nun setzen wir die oben definierten Hilfsgrössen ein: und .
Wir können den Exponenten umformen zu:
Da die Ordnung von per Voraussetzung ist, gilt . Also:
Damit haben wir gezeigt, dass die Ordnung von ein Teiler von sein muss. .
3. Nachweis, dass die kleinste positive Potenz ist
Sei eine beliebige positive ganze Zahl, für die gilt. Wir müssen zeigen, dass ein Teiler von ist. Dies beweist, dass der kleinstmögliche Wert ist.
Aus folgt . Da die Ordnung von genau ist, muss der Exponent ein Vielfaches von sein. Es gilt also:
Wir setzen wieder unsere Hilfsgrössen und ein:
Wir können auf beiden Seiten durch kürzen:
Nun kommt die entscheidende Eigenschaft der Teilerfremdheit ins Spiel. Wir wissen, dass . Da das Produkt teilt und zu teilerfremd ist, muss den anderen Faktor teilen (dies ist eine Folgerung aus dem Lemma von Euklid).
Dies zeigt, dass jede Potenz , die zum neutralen Element macht, ein Vielfaches von sein muss. Die kleinste positive solche Zahl ist daher selbst.
Schlussfolgerung
Aus den Schritten 2 und 3 folgt, dass die Ordnung von exakt ist: