On Primitive Roots

Satz über die Anzahl der Primitivwurzeln

Theorem 1: Primitivwurzelsatz von Euler

Wenn für einen Modul nn Primitivwurzeln existieren (d.h., wenn (Z/nZ)(\mathbb{Z}/n\mathbb{Z})^\ast eine zyklische Gruppe ist), dann gibt es genau φ(φ(n))\varphi(\varphi(n)) inkongruente Primitivwurzeln modulo nn.

Ist ferner gg eine Primitivwurzel modulo nn, so ist die Menge aller (inkongruenten) Primitivwurzeln modulo nn gegeben durch die Menge:

{gk(modn)1k<φ(n) und ggT(k,φ(n))=1}\{ g^k \pmod{n} \mid 1 \le k < \varphi(n) \text{ und } \text{ggT}(k, \varphi(n)) = 1 \}
Proof

Sei nn eine ganze Zahl, für die eine Primitivwurzel existiert. Die Gruppe G=(Z/nZ)G=(\mathbb{Z}/n\mathbb{Z})^\ast ist demnach eine zyklische Gruppe der Ordnung m=φ(n)m=\varphi(n).

Sei gg eine Primitivwurzel modulo nn. Per Definition ist gg ein Erzeuger von GG, und es gilt ordn(g)=φ(n)\text{ord}_n(g)=\varphi(n). Jedes Element aGa \in G kann somit eindeutig als eine Potenz von gg dargestellt werden, d.h., es existiert ein eindeutiger Exponent k{1,2,,φ(n)}k \in \{1, 2, \dots, \varphi(n)\}, sodass agk(modn)a \equiv g^k \pmod{n}.

Ein zentrales Resultat der Gruppentheorie besagt: Ist hh ein Element der Ordnung mm in einer endlichen Gruppe, so ist die Ordnung seiner Potenz hkh^k gegeben durch die Formel:

ord(hk)=mggT(k,m)\text{ord}(h^k) = \frac{m}{\text{ggT}(k,m)}

Ein Element a=gka=g^k ist genau dann ebenfalls eine Primitivwurzel (also ein Erzeuger von GG), wenn seine Ordnung gleich der Gruppenordnung φ(n)\varphi(n) ist. Wir wenden die Formel auf das Element gg an, dessen Ordnung ordn(g)=φ(n)\text{ord}_n(g)=\varphi(n) ist:

ordn(gk)=ordn(g)ggT(k,ordn(g))=φ(n)ggT(k,φ(n))\text{ord}_n(g^k) = \frac{\text{ord}_n(g)}{\text{ggT}(k, \text{ord}_n(g))} = \frac{\varphi(n)}{\text{ggT}(k, \varphi(n))}

Damit die Gleichung ordn(gk)=φ(n)\text{ord}_n(g^k)=\varphi(n) erfüllt ist, muss der Nenner des Bruchs auf der rechten Seite gleich 1 sein. Dies führt zu der notwendigen und hinreichenden Bedingung:

ggT(k,φ(n))=1\text{ggT}(k,\varphi(n))=1

Die Frage nach der Anzahl der Primitivwurzeln ist nun auf ein reines Zählproblem zurückgeführt: Wie viele Exponenten kk im Bereich 1kφ(n)1 \le k \le \varphi(n) sind teilerfremd zu φ(n)\varphi(n)? Nach der Definition der Eulerschen phi-Funktion ist diese Anzahl exakt φ(φ(n))\varphi(\varphi(n)).

Zur zweiten Aussage:
Da gg eine Primitivwurzel ist, erzeugen seine Potenzen die gesamte Gruppe (Z/nZ)(\mathbb{Z}/n\mathbb{Z})^\ast. Folglich muss jede andere Primitivwurzel hh die Form hgk(modn)h \equiv g^k \pmod{n} für einen Exponenten kk im Bereich 1kφ(n)1 \le k \le \varphi(n) haben. Wie vorher gezeigt wurde, ist ein Element der Form gkg^k genau dann wieder eine Primitivwurzel (d.h., hat die Ordnung φ(n)\varphi(n)), wenn der Exponent kk teilerfremd zur Gruppenordnung φ(n)\varphi(n) ist.

Zusammengenommen bedeutet dies, dass die Menge aller Primitivwurzeln genau die Menge der Potenzen gkg^k ist, deren Exponenten kk die Bedingung ggT(k,φ(n))=1\text{ggT}(k, \varphi(n)) = 1 erfüllen.

Theorem 2: Satz von Gauss über die Existenz von Primitivwurzeln

Die prime Restklassengruppe G=(Z/nZ)G = (\mathbb{Z}/n\mathbb{Z})^\ast ist genau dann zyklisch, wenn für nn einer der folgenden Werte gilt: n=1,2,4,pk oder 2pkn = 1, 2, 4, p^k \text{ oder } 2p^k wobei pp eine ungerade Primzahl und k1k \ge 1 eine ganze Zahl ist.

Eine Primitivwurzel modulo nn existiert genau dann, wenn die Gruppe (Z/nZ)(\mathbb{Z}/n\mathbb{Z})^\ast zyklisch ist.

Proof

Wir zeigen zuerst, dass wenn GG zyklisch ist, nn eine der angegebenen Formen haben muss. Danach zeigen wir, dass für diese Formen von nn die Gruppe GG tatsächlich zyklisch ist.

\Rightarrow

Angenommen, (Z/nZ)(\mathbb{Z}/n\mathbb{Z})^\ast ist zyklisch. Sei die Primfaktorzerlegung von nn gegeben durch n=2kp1k1p2k2prkrn = 2^k p_1^{k_1} p_2^{k_2} \cdots p_r^{k_r}.

Nach dem Chinesischen Restsatz gilt für die Gruppe:

(Z/nZ)(Z/2kZ)×(Z/p1k1Z)××(Z/prkrZ)(\mathbb{Z}/n\mathbb{Z})^\ast \cong (\mathbb{Z}/2^k\mathbb{Z})^\ast \times (\mathbb{Z}/p_1^{k_1}\mathbb{Z})^\ast\times \cdots\times(\mathbb{Z}/p_r^{k_r}\mathbb{Z})^\ast

Ein direktes Produkt von endlichen Gruppen ist genau dann zyklisch, wenn alle Faktorgruppen zyklisch sind und ihre Ordnungen paarweise teilerfremd sind.

Die Ordnungen der Faktorgruppen sind:

  • (Z/pikiZ)=φ(piki)=piki1(pi1)|\,(\mathbb{Z}/p_i^{k_i}\mathbb{Z})^\ast\,| = \varphi(p_i^{k_i}) = p_i^{k_i-1}(p_i-1). Da pip_i eine ungerade Primzahl ist, ist pi1p_i-1 eine gerade Zahl. Die Ordnung ist also gerade.
  • (Z/2kZ)=φ(2k)=2k1|\,(\mathbb{Z}/2^k\mathbb{Z})^\ast\,| = \varphi(2^k) = 2^{k-1} (für k1k \ge 1).

Analysieren wir nun die Bedingungen für die Zyklizität:

  1. Anzahl der ungeraden Primfaktoren (rr): Wenn r2r \ge 2 (d.h., nn hat mindestens zwei verschiedene ungerade Primfaktoren), dann gibt es mindestens zwei Faktorgruppen (z.B. (Z/p1k1Z)(\mathbb{Z}/p_1^{k_1}\mathbb{Z})^\ast und (Z/p2k2Z)(\mathbb{Z}/p_2^{k_2}\mathbb{Z})^\ast), deren Ordnungen beide gerade sind. Da ihre Ordnungen nicht teilerfremd sind, kann die Gesamtgruppe nicht zyklisch sein. Folgerung: nn kann höchstens einen ungeraden Primfaktor haben, also r1r \le 1. Somit muss nn die Form n=2kpjn=2^k p^j haben.

  2. Analyse der Form n=2kpjn=2^k p^j: Die Gruppe ist (Z/2kpjZ)(Z/2kZ)×(Z/pjZ)(\mathbb{Z}/2^k p^j\mathbb{Z})^\ast \cong (\mathbb{Z}/2^k\mathbb{Z})^\ast\times (\mathbb{Z}/p^j\mathbb{Z})^\ast. Die Ordnungen sind φ(2k)=2k1\varphi(2^k)=2^{k-1} (für k2k \ge 2) und φ(pj)=pj1(p1)\varphi(p^j)=p^{j-1}(p-1). Wenn k2k \ge 2, ist φ(2k)=2k1\varphi(2^k)=2^{k-1} gerade. Da φ(pj)\varphi(p^j) ebenfalls gerade ist, sind die Ordnungen nicht teilerfremd. In diesem Fall kann die Gruppe nicht zyklisch sein. Folgerung: Wenn nn einen ungeraden Primfaktor hat (j1j \ge 1), dann darf kk nicht größer oder gleich 2 sein. Es bleiben nur k=0k=0 (ergibt n=pjn=p^j) und k=1k=1 (ergibt n=2pjn=2p^j).

  3. Analyse des Falles ohne ungerade Primfaktoren (n=2kn=2^k): Wir müssen prüfen, für welche kk die Gruppe (Z/2kZ)(\mathbb{Z}/2^k\mathbb{Z})^\ast selbst zyklisch ist.

    • k=0n=1k=0 \Rightarrow n=1: (Z/1Z)={1}(\mathbb{Z}/1\mathbb{Z})^\ast = \{1\}, zyklisch.
    • k=1n=2k=1 \Rightarrow n=2: (Z/2Z)={1}(\mathbb{Z}/2\mathbb{Z})^\ast = \{1\}, zyklisch.
    • k=2n=4k=2 \Rightarrow n=4: (Z/4Z)={1,3}(\mathbb{Z}/4\mathbb{Z})^\ast = \{1, 3\}. Mit Erzeuger 3, zyklisch.
    • k3k \ge 3: Die Gruppe (Z/2kZ)(\mathbb{Z}/2^k\mathbb{Z})^\ast ist isomorph zu C2×C2k2C_2\times C_{2^{k-2}}. Da sie das direkte Produkt zweier Gruppen mit gerader Ordnung ist, ist sie nicht zyklisch. Man kann zeigen, dass für jedes Element a(Z/2kZ)a \in (\mathbb{Z}/2^k\mathbb{Z})^\ast gilt: aφ(2k)/2=a2k21(mod2k)a^{\varphi(2^k)/2} = a^{2^{k-2}} \equiv 1 \pmod{2^k}. Es gibt also kein Element der Ordnung φ(2k)\varphi(2^k).

Damit (Z/nZ)(\mathbb{Z}/n\mathbb{Z})^\ast zyklisch ist, muss nn eine der Formen 1,2,4,pk1, 2, 4, p^k oder 2pk2p^k haben.

\Leftarrow

Wir müssen zeigen, dass für die angegebenen Formen von nn die Gruppe (Z/nZ)(\mathbb{Z}/n\mathbb{Z})^\ast zyklisch ist.

  • Fälle n=1,2,4n=1, 2, 4: Wie oben gesehen, sind die Gruppen (Z/1Z)(\mathbb{Z}/1\mathbb{Z})^\ast, (Z/2Z)(\mathbb{Z}/2\mathbb{Z})^\ast und (Z/4Z)(\mathbb{Z}/4\mathbb{Z})^\ast zyklisch.

  • Fall n=pkn=p^k (pp ungerade Primzahl, k1k \ge 1): Man zeigt, dass es eine Primitivwurzel modulo pkp^k gibt. Der Beweis verläuft in zwei Schritten:

    1. Existenz für n=pn=p: Es ist ein zentraler Satz der Algebra, dass die multiplikative Gruppe eines endlichen Körpers zyklisch ist. Da Z/pZ\mathbb{Z}/p\mathbb{Z} ein endlicher Körper ist, ist die Gruppe (Z/pZ)(\mathbb{Z}/p\mathbb{Z})^\ast zyklisch. Es gibt also eine Primitivwurzel modulo pp.
    2. "Hochheben" von pp auf pkp^k: Man kann zeigen, dass eine Primitivwurzel gg modulo pp (mit einer kleinen Modifikation, falls nötig) auch eine Primitivwurzel modulo pkp^k für alle k1k \ge 1 ist. Genauer gesagt: Wenn gg eine Primitivwurzel modulo pp ist, dann ist entweder gg oder g+pg+p eine Primitivwurzel modulo p2p^2 und damit auch für alle höheren Potenzen pkp^k. Da es einen Erzeuger (eine Primitivwurzel) gibt, ist die Gruppe (Z/pkZ)(\mathbb{Z}/p^k\mathbb{Z})^\ast zyklisch.
  • Fall n=2pkn=2p^k (pp ungerade Primzahl, k1k \ge 1): Wir verwenden wieder den Chinesischen Restsatz: (Z/2pkZ)(Z/2Z)×(Z/pkZ)(\mathbb{Z}/2p^k\mathbb{Z})^\ast \cong (\mathbb{Z}/2\mathbb{Z})^\ast \times (\mathbb{Z}/p^k\mathbb{Z})^\ast Die Gruppe (Z/2Z)={1}(\mathbb{Z}/2\mathbb{Z})^\ast = \{1\} ist die triviale Gruppe mit Ordnung 1. Das direkte Produkt mit einer trivialen Gruppe ändert die Struktur nicht, d.h.: (Z/2pkZ)(Z/pkZ)(\mathbb{Z}/2p^k\mathbb{Z})^\ast \cong (\mathbb{Z}/p^k\mathbb{Z})^\ast Da wir im vorherigen Schritt gezeigt haben, dass (Z/pkZ)(\mathbb{Z}/p^k\mathbb{Z})^\ast zyklisch ist, muss auch (Z/2pkZ)(\mathbb{Z}/2p^k\mathbb{Z})^\ast zyklisch sein.

Theorem 3: Chinesischer Restsatz

Seien n1,n2,,nkn_1, n_2, \dots, n_k paarweise teilerfremde ganze Zahlen (d.h. ggT(ni,nj)=1\text{ggT}(n_i, n_j) = 1 für alle iji \neq j) und seien a1,a2,,aka_1, a_2, \dots, a_k beliebige ganze Zahlen.

Das System von Kongruenzen:

xa1(modn1)xa2(modn2)xak(modnk)\begin{align*} x & \equiv a_1 \pmod{n_1} \\ x & \equiv a_2 \pmod{n_2} \\ & \vdots \\ x & \equiv a_k \pmod{n_k} \end{align*}

besitzt eine Lösung xx. Diese Lösung ist eindeutig modulo N=n1n2nkN = n_1 \cdot n_2 \cdot \ldots \cdot n_k.

Proof

Der Beweis ist konstruktiv, das heisst, wir zeigen nicht nur die Existenz einer Lösung, sondern geben auch ein Verfahren an, um sie zu finden. Der Beweis besteht aus zwei Teilen: Existenz und Eindeutigkeit.

Teil 1: Existenz einer Lösung

  1. Definition der Hilfsgrössen: Sei N=n1n2nkN = n_1 \cdot n_2 \cdot \ldots \cdot n_k das Produkt aller Moduln. Für jedes i{1,2,,k}i \in \{1, 2, \dots, k\} definieren wir Ni=NniN_i = \frac{N}{n_i}. NiN_i ist also das Produkt aller Moduln ausser nin_i.

  2. Teilerfremdheit: Da alle njn_j paarweise teilerfremd sind, ist nin_i teilerfremd zu jedem der Faktoren in NiN_i. Folglich gilt: ggT(Ni,ni)=1\text{ggT}(N_i, n_i) = 1

  3. Existenz des modularen Inversen: Weil NiN_i und nin_i teilerfremd sind, existiert nach dem erweiterten Euklidischen Algorithmus ein modulares Inverses von NiN_i bezüglich des Moduls nin_i. Wir nennen dieses Inverse yiy_i. Es gilt also: Niyi1(modni)N_i \cdot y_i \equiv 1 \pmod{n_i}

  4. Konstruktion der Lösung: Wir konstruieren nun eine Lösung xx als eine Summe von Termen, die geschickt so gebaut sind, dass sie die meisten Kongruenzen trivial erfüllen. Sei: x=a1N1y1+a2N2y2++akNkyk=i=1kaiNiyix = a_1 N_1 y_1 + a_2 N_2 y_2 + \dots + a_k N_k y_k = \sum_{i=1}^k a_i N_i y_i

  5. Verifikation der Lösung: Wir müssen zeigen, dass dieses xx tatsächlich alle Kongruenzen erfüllt. Betrachten wir die jj-te Kongruenz xaj(modnj)x \equiv a_j \pmod{n_j}: x=i=1kaiNiyi(modnj)x = \sum_{i=1}^k a_i N_i y_i \pmod{n_j} Wir teilen die Summe in zwei Teile auf: den Term für i=ji=j und alle anderen Terme für iji \neq j.

    • Fall iji \neq j: Per Definition ist NiN_i das Produkt aller nmn_m ausser nin_i. Da iji \neq j, ist der Faktor njn_j in diesem Produkt enthalten. Also ist NiN_i ein Vielfaches von njn_j, was bedeutet: Ni0(modnj)fu¨ijN_i \equiv 0 \pmod{n_j} \quad \text{für } i \neq j Daher fallen alle Terme aiNiyia_i N_i y_i für iji \neq j in der Kongruenz modulo njn_j weg.

    • Fall i=ji=j: Der einzige verbleibende Term ist ajNjyja_j N_j y_j. Wir wissen aus Schritt 3, dass Njyj1(modnj)N_j y_j \equiv 1 \pmod{n_j}.

    Setzen wir dies zusammen, erhalten wir: x0++0+aj(Njyj)+0++0aj1aj(modnj)x \equiv 0 + \dots + 0 + a_j(N_j y_j) + 0 + \dots + 0 \equiv a_j \cdot 1 \equiv a_j \pmod{n_j} Da dies für jedes beliebige j{1,,k}j \in \{1, \dots, k\} gilt, erfüllt unser konstruiertes xx alle Kongruenzen. Damit ist die Existenz einer Lösung bewiesen.

Teil 2: Eindeutigkeit der Lösung (modulo N)

Angenommen, wir haben zwei Lösungen, xx und xx'. Wir müssen zeigen, dass sie kongruent modulo NN sind. Für jede der beiden Lösungen gilt per Definition für jedes i{1,,k}i \in \{1, \dots, k\}: xai(modni)undxai(modni)x \equiv a_i \pmod{n_i} \quad \text{und} \quad x' \equiv a_i \pmod{n_i} Daraus folgt durch Subtraktion: xxaiai0(modni)x - x' \equiv a_i - a_i \equiv 0 \pmod{n_i} Das bedeutet, xxx-x' ist ein Vielfaches von nin_i für jedes ii. Mit anderen Worten: n1(xx)n_1 | (x-x'), n2(xx)n_2 | (x-x'), ..., nk(xx)n_k | (x-x').

Da die Zahlen n1,n2,,nkn_1, n_2, \dots, n_k paarweise teilerfremd sind, muss auch ihr Produkt N=n1n2nkN = n_1 n_2 \dots n_k die Differenz xxx-x' teilen. Also gilt: N(xx)N | (x-x') Dies ist äquivalent zu der Aussage: xx(modN)x \equiv x' \pmod{N} Die Lösung ist also eindeutig bis auf Vielfache von NN. Damit ist der Beweis vollständig.

Theorem 4: Die multiplikative Gruppe eines endlichen Körpers ist zyklisch

Sei FF ein endlicher Körper. Dann ist die multiplikative Gruppe der Einheiten, F=F{0}F^\ast = F \setminus \{0\}, eine zyklische Gruppe.

Proof

Dieser Beweis ist ein klassisches und elegantes Resultat der Algebra.

Sei FF ein endlicher Körper und sei m=F=F1m = |F^\ast| = |F|-1 die Ordnung der multiplikativen Gruppe. Wir wollen zeigen, dass es ein Element gFg \in F^\ast gibt, dessen Ordnung ord(g)=m\text{ord}(g) = m ist. Ein solches Element ist per Definition ein Erzeuger, und seine Existenz beweist, dass die Gruppe zyklisch ist.

Der Beweis stützt sich auf zwei Hauptpfeiler:

  1. Die Anzahl der Wurzeln eines Polynoms über einem Körper.
  2. Eine Eigenschaft der Eulerschen Phi-Funktion.

Beweisschritte:

  1. Definition der Zählfunktionen: Für jeden Teiler dd von mm, definieren wir zwei Mengen:

    • Sei ψ(d)\psi(d) die Anzahl der Elemente in FF^\ast mit der exakten Ordnung dd.
    • Sei φ(d)\varphi(d) der Wert der Eulerschen Phi-Funktion, der die Anzahl der ganzen Zahlen kk mit 1kd1 \le k \le d und ggT(k,d)=1\text{ggT}(k,d)=1 angibt.

    Unser Ziel ist es zu zeigen, dass ψ(m)>0\psi(m) > 0 ist, denn das bedeutet, es gibt mindestens ein Element der Ordnung mm.

  2. Grundlegende Summenidentitäten: Jedes Element in der Gruppe FF^\ast hat eine Ordnung, die ein Teiler der Gruppenordnung mm ist (Satz von Lagrange). Wenn wir also die Anzahlen der Elemente für jede mögliche Ordnung summieren, erhalten wir die Gesamtanzahl der Elemente: dmψ(d)=m\sum_{d|m} \psi(d) = m Aus der Zahlentheorie ist eine fundamentale Eigenschaft der Phi-Funktion bekannt (Satz von Gauss für die Phi-Funktion): dmφ(d)=m\sum_{d|m} \varphi(d) = m

  3. Vergleich von ψ(d)\psi(d) und φ(d)\varphi(d): Der Kern des Beweises ist zu zeigen, dass für jeden Teiler dd von mm gilt: ψ(d)φ(d)\psi(d) \le \varphi(d).

    • Fall 1: Es gibt kein Element der Ordnung dd. In diesem Fall ist ψ(d)=0\psi(d) = 0. Da φ(d)1\varphi(d) \ge 1 für d1d \ge 1 ist, gilt trivialerweise ψ(d)φ(d)\psi(d) \le \varphi(d).
    • Fall 2: Es gibt mindestens ein Element der Ordnung dd. Sei aFa \in F^\ast ein solches Element mit ord(a)=d\text{ord}(a)=d. Die Potenzen von aa, also die Menge Cd={a,a2,,ad=1}C_d = \{a, a^2, \dots, a^d=1\}, bilden eine zyklische Untergruppe der Ordnung dd. Jedes dieser dd Elemente erfüllt die Gleichung xd1=0x^d - 1 = 0. Über einem Körper kann ein Polynom vom Grad dd höchstens dd verschiedene Wurzeln haben. Das bedeutet, die Elemente von CdC_d sind alle Wurzeln von xd1x^d-1 in FF. Jedes andere Element bFb \in F^\ast mit der Ordnung dd muss ebenfalls die Gleichung bd=1b^d=1 erfüllen und somit eine Wurzel von xd1x^d-1 sein. Daraus folgt, dass bb in der Untergruppe CdC_d liegen muss. Die Frage "Wie viele Elemente haben die Ordnung dd?" ist also gleichbedeutend mit "Wie viele Elemente in der zyklischen Gruppe CdC_d haben die Ordnung dd?" Ein Element akCda^k \in C_d hat genau dann die Ordnung dd, wenn ggT(k,d)=1\text{ggT}(k,d)=1. Die Anzahl dieser Elemente ist per Definition genau φ(d)\varphi(d). Also, wenn ψ(d)>0\psi(d) > 0, dann muss ψ(d)=φ(d)\psi(d) = \varphi(d) sein.

    In beiden Fällen gilt also die Ungleichung ψ(d)φ(d)\psi(d) \le \varphi(d) für alle Teiler dd von mm.

  4. Schlussfolgerung: Wir haben zwei Summen, die beide über alle Teiler dd von mm laufen und beide denselben Wert mm ergeben: dmψ(d)=munddmφ(d)=m\sum_{d|m} \psi(d) = m \quad \text{und} \quad \sum_{d|m} \varphi(d) = m Zudem wissen wir, dass für jeden einzelnen Summanden ψ(d)φ(d)\psi(d) \le \varphi(d) gilt. Wenn in zwei Summen mit lauter nicht-negativen Termen jeder Term der einen Summe kleiner oder gleich dem entsprechenden Term der anderen ist, die Summen aber gleich sind, dann müssen alle Terme paarweise gleich sein. Es muss also für alle dmd|m gelten: ψ(d)=φ(d)\psi(d) = \varphi(d) Insbesondere gilt dies für d=md=m: ψ(m)=φ(m)\psi(m) = \varphi(m) Da m=F11m = |F|-1 \ge 1 ist (für F2|F| \ge 2), ist φ(m)1\varphi(m) \ge 1. Somit ist ψ(m)1\psi(m) \ge 1, was bedeutet, dass es mindestens ein Element mit der Ordnung mm in F×F^\times gibt. Die Gruppe ist also zyklisch.

Theorem 5: Satz über die Ordnung einer Potenz

Sei GG eine Gruppe und sei hGh \in G ein Element der endlichen Ordnung m=ord(h)m = \text{ord}(h). Für jede ganze Zahl kk ist die Ordnung der Potenz hkh^k gegeben durch die Formel:

ord(hk)=mggT(k,m)\text{ord}(h^k) = \frac{m}{\text{ggT}(k,m)}
Proof

Um zu beweisen, dass die Ordnung von hkh^k einem bestimmten Wert tt entspricht, müssen wir zwei Dinge zeigen:

  1. (hk)t=e(h^k)^t = e (wobei ee das neutrale Element der Gruppe ist).
  2. tt ist die kleinste positive ganze Zahl mit dieser Eigenschaft.

1. Definition der Hilfsgrössen

Sei d=ggT(k,m)d = \text{ggT}(k, m). Per Definition des ggT können wir kk und mm schreiben als:

  • k=dkk = d \cdot k'
  • m=dmm = d \cdot m' wobei kk' und mm' teilerfremd sind, d.h. ggT(k,m)=1\text{ggT}(k', m') = 1.

Unser Ziel ist es zu zeigen, dass die Ordnung von hkh^k genau m=mdm' = \frac{m}{d} ist.

2. Nachweis, dass (hk)m=e(h^k)^{m'} = e ist

Wir potenzieren das Element hkh^k mit mm':

(hk)m=hkm(h^k)^{m'} = h^{k \cdot m'}

Nun setzen wir die oben definierten Hilfsgrössen ein: k=dkk=dk' und m=m/dm'=m/d.

hkm=h(dk)(m/d)=hkmh^{k \cdot m'} = h^{(dk') \cdot (m/d)} = h^{k' \cdot m}

Wir können den Exponenten umformen zu:

hkm=(hm)kh^{k'm} = (h^m)^{k'}

Da die Ordnung von hh per Voraussetzung mm ist, gilt hm=eh^m = e. Also:

(hm)k=ek=e(h^m)^{k'} = e^{k'} = e

Damit haben wir gezeigt, dass die Ordnung von hkh^k ein Teiler von mm' sein muss. ord(hk)m\text{ord}(h^k) \le m'.

3. Nachweis, dass mm' die kleinste positive Potenz ist

Sei jj eine beliebige positive ganze Zahl, für die (hk)j=e(h^k)^j = e gilt. Wir müssen zeigen, dass mm' ein Teiler von jj ist. Dies beweist, dass mm' der kleinstmögliche Wert ist.

Aus (hk)j=e(h^k)^j = e folgt hkj=eh^{kj} = e. Da die Ordnung von hh genau mm ist, muss der Exponent kjkj ein Vielfaches von mm sein. Es gilt also:

mkjm \mid kj

Wir setzen wieder unsere Hilfsgrössen m=dmm=dm' und k=dkk=dk' ein:

dm(dk)jdm' \mid (dk')j

Wir können auf beiden Seiten durch dd kürzen:

mkjm' \mid k'j

Nun kommt die entscheidende Eigenschaft der Teilerfremdheit ins Spiel. Wir wissen, dass ggT(m,k)=1\text{ggT}(m', k') = 1. Da mm' das Produkt kjk'j teilt und zu kk' teilerfremd ist, muss mm' den anderen Faktor jj teilen (dies ist eine Folgerung aus dem Lemma von Euklid).

mjm' \mid j

Dies zeigt, dass jede Potenz jj, die hkh^k zum neutralen Element macht, ein Vielfaches von mm' sein muss. Die kleinste positive solche Zahl ist daher mm' selbst.

Schlussfolgerung

Aus den Schritten 2 und 3 folgt, dass die Ordnung von hkh^k exakt mm' ist:

ord(hk)=m=md=mggT(k,m)\text{ord}(h^k) = m' = \frac{m}{d} = \frac{m}{\text{ggT}(k,m)}