Taylorreihen
Eine Funktion auf einem offenen Intervall heisst stetig in , falls
Eine Funktion auf einem offenen Intervall heisst differenzierbar in , falls
existiert.
Ist auf ganz unendlich oft differenzierbar, so nennen wir glatt.
Jede in differenzierbare Funktion ist stetig.
Proof
Sei in differenzierbar. Dann existiert
dabei muss sein, da sonst wegen der Quotient explodieren würde. Es folgt unmittelbar , das heisst ist stetig in .
Betrachte das Polynom -ten Grades
Notiere für .
Solution
Für die -te Ableitung gilt und daher
Daraus schliesst man, dass eine unendlich oft differenzierbare Funktion in der Form
dargestellt werden, wobei ein Fehlerrest auftauchen kann, auf den hier nicht eingegangen wird.
Für die Fortsetzung brauchen wir ergänzend
Sei eine offene Teilmenge.
Eine Funktion heisst analytisch im Punkt , wenn es eine Potenzreihe der Form
gibt, die in einer Umgebung von gegen konvergiert.
Ist in jedem Punkt von analytisch, so heisst analytisch auf .
Zu den analytischen Funktionen gehören die Polynome, die trigonometrischen und Exponentialfunktionen und deren Umkehrfunktionen, sowie die aus ihnen durch Grundrechenarten erzeugten Funktionen.
Es gibt glatte Funktionen, die nicht analytisch sind. Klassisches Beispiel:
Ihre Taylorreihe bei ist überall gleich null und stimmt daher in nicht mit der Funktion überein.
Da jedoch viele, "wichtige" unendlich oft differenzierbare Funktionen näherungsweise als Reihe dargestellt werden können, definiert man
Sei eine bei definierte und beliebig oft differenzierbare, analytische Funktion. Dann heisst das Polynom
die MacLaurin-Reihe von .
Soll nicht zwangsläufig um entwickelt werden, so spricht man allgemein von der Taylor-Reihe von an der Stelle . (Taylor-Reihe kommentiert)
Wir betrachten einige Funktionen und deren Taylorentwicklung um .
a) Für erhalten wir die bekannte Darstellung
Es scheint so, als ob als Taylorreihe darstellbar wäre.
b) wird zu
was wir aus der Theorie über Folgen & Reihen kennen. Damit kann aber die Taylorentwicklung höchstens für gegen konvergieren.
Solution
a) Es ist , , , und danach . Um entwickelt gilt dann , , , . Damit ergibt sich die oben stehende Taylorreihe.
b) Hier haben wir , , , und also . Daraus folgt , , , und damit obige Taylorreihe.
Open in GeoGebra
Die Animation zeigt die Entwicklung der MacLaurin-Reihe der Funktion , wobei k , die Anzahl der Terme der Potenzreihe, beziehungsweise den Grad des zugehörigen des Polynoms bezeichnet. Mit zunehmendem k nähert sich das Polynom der Funktion immer genauer an.
Bestimme die Taylorreihe um der folgenden Funktionen:
a)
b)
c)
d)
Solution
a) Es ist und für alle . Also lautet die Taylorreihe von um
b)
c) Da selbst ein Polynom ist, repräsentiert seine Taylorreihe.
d) Wir berechnen die Ableitungen:
Wir faktorisieren und erhalten:
etc.
Mit erhalten wir folgenden Taylorreihe:
Für die Taylorentwicklung allgemein in einem Punkt einer Funktion findet man
Bestimme die Taylorentwicklung bei von
Berechne dazu zuerst . Notiere dann in geschlossener Form und explizite die ersten drei Summanden. Berechne anschliessend Näherungen für z.B. .
Solution
Wir bemerken zuerst, dass wir bei eine Definitionslücke haben. Wir sehen und damit , , . Allgemein . Also gilt für die Taylorentwicklung um
Den Rest kann man sich selber denken.
Rechnen mit Potenzreihen
Schaut man sich die ersten vier nichtverschwindenden Terme der MacLaurin-Reihe von an, so stellt man sich die Frage, ob diese Funktion nicht einfacher zu entwickeln wäre.
Somit und die weiteren Terme sind mühsam zu bestimmen. Einfacher geht es aber mit folgendem Satz.
Innerhalb des Konvergenzradius dürfen Potenzreihen addiert, subtrahiert, multipliziert und dividiert, gliedweise differenziert und integriert und in den Potenzreihen substituiert werden.
Proof
Skizze: Mit dem Wurzelkriterium für Konvergenz findet man für den Radius
R=\frac{1}{\lim\mathrm{sup}_{k\to\infty} \sqrt[k]{|a_k|}.Daraus nimmt man immer einen lokal minimalen Wert.
Wir begründen noch die Umformung bei :
Gib die ersten nicht verschwindenden Terme der MacLaurin-Reihe für
a)
b)
Solution
a) interpretieren wir als geometrische Reihe. Daher haben wir
für .
b) Oben haben wir die Taylorreihe für berechnet:
Daraus folgt
Ist eine Funktion durch ihre Taylorreihe darstellbar, so kann auf beiden Seiten der Gleichung abgeleitet oder integriert werden. Damit erhält man neue Beziehungen.
Sei
dann folgt bei Ableitung die aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung bekannte "Warten-auf-einen-Erfolg-Wahrscheinlichkeit"
Integriert man, so erscheint mit
Als Zückerchen erhält man Näherungen für Stammfunktionen nicht geschlossen integrierbaren Funktionen wie zum Beispiel
Nun ist auch klar, dass sich Taylorreihen eignen, um numerische Lösungen von Differentialgleichungen zu finden. Wir verfolgen
Betrachte
mit den Anfangsbedingungen und . Wir wählen als Ansatz eine Potenzreihe
mit zweiter Ableitung
Daraus erhalten wir
Es folgt
also
Komplexe Exponentialfunktion
Mit Hilfe der Taylorentwicklung für
müsste
gelten. Wir finden auch die altebekannte Formel
unter anderem Zugang. Via
erahnt man, dass die Ableitungsregeln für Exponentialfunktionen im Komplexen erhalten bleiben.