Taylorreihen

Definition 1: Stetig in x_0

Eine Funktion f:IRf:\mathbb{I}\longrightarrow\mathbb{R} auf einem offenen Intervall IR\mathbb{I}\subset\mathbb{R} heisst stetig in x0x_0, falls

limh0f(x0+h)=f(x0).\lim_{h\to0}f(x_0+h)=f(x_0).
Definition 2: Differenzierbar in x_0

Eine Funktion f:IRf:\mathbb{I}\longrightarrow\mathbb{R} auf einem offenen Intervall IR\mathbb{I}\subset\mathbb{R} heisst differenzierbar in x0x_0, falls

limh0f(x0+h)f(x0)h\lim_{h\to0}\frac{f(x_0+h)-f(x_0)}{h}

existiert.

Ist ff auf ganz I\mathbb{I} unendlich oft differenzierbar, so nennen wir ff glatt.

Theorem 1

Jede in x0x_0 differenzierbare Funktion ist stetig.

Proof

Sei ff in x0Ix_0\in\mathbb{I} differenzierbar. Dann existiert

limh0f(x0+h)f(x0)h;\lim_{h\to0}\frac{f(x_0+h)-f(x_0)}{h};

dabei muss limh0f(x0+h)f(x0)=0\lim_{h\to0}f(x_0+h)-f(x_0)=0 sein, da sonst wegen h0h\to0 der Quotient explodieren würde. Es folgt unmittelbar limh0f(x0+h)=f(x0)\lim_{h\to0}f(x_0+h)=f(x_0), das heisst ff ist stetig in x0x_0.

Exercise 1: f als Polynomfunktion

Betrachte das Polynom nn-ten Grades

f(x)=anxn+an1xn1++a1x+a0.f(x)=a_nx^n+a_{n-1}x^{n-1}+\dots+a_1x+a_0.

Notiere f(k)(0)f^{(k)}(0) für k{0,,n}k\in\{0,\dots,n\}.

Solution

Für die kk-te Ableitung gilt f(k)(0)=k!akf^{(k)}(0)=k!a_k und daher ak=f(k)(0)k!.a_k=\frac{f^{(k)}(0)}{k!}.

Daraus schliesst man, dass eine unendlich oft differenzierbare Funktion ff in der Form

f(x)=f(n)(0)n!xn+f(n1)(0)(n1)!xn1++f(0)1!x+f(0)f(x)=\frac{f^{(n)}(0)}{n!}x^n+\frac{f^{(n-1)}(0)}{(n-1)!}x^{n-1}+\dots+\frac{f'(0)}{1!}x+f(0)

dargestellt werden, wobei ein Fehlerrest auftauchen kann, auf den hier nicht eingegangen wird.

Für die Fortsetzung brauchen wir ergänzend

Definition 3: Analytisch

Sei DRD \subseteq \mathbb{R} eine offene Teilmenge.

Eine Funktion f ⁣:DRf\colon D \to \mathbb{R} heisst analytisch im Punkt x0Dx_0 \in D, wenn es eine Potenzreihe der Form

n=0an(xx0)n\sum_{n=0}^\infty a_n (x - x_0)^n

gibt, die in einer Umgebung von x0x_0 gegen f(x)f(x) konvergiert.

Ist ff in jedem Punkt von DD analytisch, so heisst ff analytisch auf DD.

Zu den analytischen Funktionen gehören die Polynome, die trigonometrischen und Exponentialfunktionen und deren Umkehrfunktionen, sowie die aus ihnen durch Grundrechenarten erzeugten Funktionen.

Note 1

Es gibt glatte Funktionen, die nicht analytisch sind. Klassisches Beispiel:

f(x)={e1x2x00x=0f(x)=\begin{cases} \mathrm{e}^{-\frac{1}{x^2}}\quad &x\neq0\\ 0\quad &x=0 \end{cases}

Ihre Taylorreihe bei x0=0x_0=0 ist überall gleich null und stimmt daher in x0x\neq0 nicht mit der Funktion ff überein.

Da jedoch viele, "wichtige" unendlich oft differenzierbare Funktionen näherungsweise als Reihe dargestellt werden können, definiert man

Definition 4: Taylorreihe

Sei ff eine bei x0=0x_0=0 definierte und beliebig oft differenzierbare, analytische Funktion. Dann heisst das Polynom

Tf(x,x0=0)=f(0)+f(0)1!x+f(0)2!x2+f(0)3!x3+\mathcal{T}_f(x,x_0=0)=f(0)+\frac{f'(0)}{1!}x+\frac{f''(0)}{2!}x^2+\frac{f'''(0)}{3!}x^3+\dots

die MacLaurin-Reihe von ff. Soll nicht zwangsläufig um x0=0x_0=0 entwickelt werden, so spricht man allgemein von der Taylor-Reihe von ff an der Stelle x0x_0. (Taylor-Reihe kommentiert)

Example 1

Wir betrachten einige Funktionen und deren Taylorentwicklung um x0=0x_0=0.

a) Für sin(x)\sin(x) erhalten wir die bekannte Darstellung

Tsin(x,x0=0)=xx33!+x55!.\mathcal{T}_{\sin}(x,x_0=0)=x-\frac{x^3}{3!}+\frac{x^5}{5!}-\dots.

Es scheint so, als ob sin(x)\sin(x) als Taylorreihe darstellbar wäre.

b) f(x)=11xf(x)=\frac{1}{1-x} wird zu

Tf(x,x0=0)=1+x+x2+x3+,\mathcal{T}_f(x,x_0=0)=1+x+x^2+x^3+\dots,

was wir aus der Theorie über Folgen & Reihen kennen. Damit kann aber die Taylorentwicklung höchstens für 1<x<1-1<x<1 gegen ff konvergieren.

Solution

a) Es ist f(x)=sin(x)f(x)=\sin(x), f(x)=cos(x)f'(x)=\cos(x), f(x)=sin(x)f''(x)=-\sin(x), f(3)(x)=cos(x)f^{(3)}(x)=-\cos(x) und danach f(4)(x)=f(x)f^{(4)}(x)=f(x). Um x=0x=0 entwickelt gilt dann f(0)=0f(0)=0, f(0)=1f'(0)=1, f(0)=0f''(0)=0, f(3)(0)=1f^{(3)}(0)=-1. Damit ergibt sich die oben stehende Taylorreihe.

b) Hier haben wir f(x)=ln(x+1)f(x)=\ln(x+1), f(x)=1x+1=(x+1)1f'(x)=\frac{1}{x+1}=(x+1)^{-1}, f(x)=(x+1)2f''(x)=-(x+1)^{-2}, f(3)(x)=2(x+1)3f^{(3)}(x)=-2(x+1)^{-3} und also f(k)(x)=(1)k(k1)!(x+1)kf^{(k)}(x)=(-1)^k(k-1)!(x+1)^{-k}. Daraus folgt f(0)=0f(0)=0, f(0)=1f'(0)=1, f(0)=1f''(0)=-1, f(k)(0)=(1)k(k1)!f^{(k)}(0)=(-1)^k(k-1)! und damit obige Taylorreihe.

Open in GeoGebra

Die Animation zeigt die Entwicklung der MacLaurin-Reihe der Funktion f(x)=sin(x)f(x) = \sin(x), wobei k N\in \mathbb{N}, die Anzahl der Terme der Potenzreihe, beziehungsweise den Grad des zugehörigen des Polynoms bezeichnet. Mit zunehmendem k nähert sich das Polynom der Funktion ff immer genauer an.

Exercise 2: Taylorreihen bestimmen

Bestimme die Taylorreihe um x0=0x_0=0 der folgenden Funktionen:

a)

f(x)=exf(x)=\mathrm{e}^x

b)

f(x)=ln(x+1)f(x)=\ln(x+1)

c)

s(t)=12gt2+v0t+s0s(t)=\frac{1}{2}\mathrm{g}t^2+v_0t+s_0

d)

m(v)=m01v2c2m(v)=\frac{m_0}{\sqrt{1-\frac{v^2}{\mathrm{c}^2}}}
Solution

a) Es ist f(k)(x)=exf^{(k)}(x)=\mathrm{e}^x und f(k)(0)=1f^{(k)}(0)=1 für alle kN0k\in\mathbb{N}_0. Also lautet die Taylorreihe von ff um x0=0x_0=0

Tex(x,x0=0)=1+x+12x2+=k=01k!xk.\mathcal{T}_{\mathrm{e}^x}(x,x_0=0)=1+x+\frac{1}{2}x^2+\dots=\sum_{k=0}^\infty \frac{1}{k!}x^k.

b) ln(x+1)=xx22+x33x44+...\ln(x+1)=x-\frac{x^2}{2}+\frac{x^3}{3}-\frac{x^4}{4}+\dots...

c) Da ss selbst ein Polynom ist, repräsentiert ss seine Taylorreihe.

d) Wir berechnen die Ableitungen:

m(v)=vm0c2(1v2c2)32m(v)=m0c2((1v2c2)3/2+v(32)((1v2c2)5/2(2vc2)))\begin{align*} m'(v) &= \frac{v m_0}{c^2}\left(1-\frac{v^2}{c^2}\right)^{-\tfrac{3}{2}}\\ m''(v) &= \frac{m_0}{c^2} \left( \left(1 - \frac{v^2}{c^2}\right)^{-3/2} + v \cdot \left(-\frac{3}{2}\right) \left( \left(1 - \frac{v^2}{c^2}\right)^{-5/2} \cdot \left(-\frac{2v}{c^2}\right) \right) \right) \end{align*}

Wir faktorisieren (1v2c2)52 \left(1 - \frac{v^2}{c^2}\right)^{-\tfrac{5}{2}} und erhalten:

m(v)=m0c2(1+2v2c2)(1v2c2)52m''(v) = \frac{m_0}{c^2} \left(1 + 2\frac{v^2}{c^2}\right) \left(1 - \frac{v^2}{c^2}\right)^{-\tfrac{5}{2}}

etc.

Mit v=0v = 0 erhalten wir folgenden Taylorreihe:

m(v)=m0+12m0(vc)2+38m0(vc)4+516m0(vc)6+m(v) = m_0+\frac{1}{2}m_0\left(\frac{v}{c}\right)^2+\frac{3}{8}m_0\left(\frac{v}{c}\right)^4+\frac{5}{16}m_0\left(\frac{v}{c}\right)^6+\dots
Note 2

Für die Taylorentwicklung allgemein in einem Punkt x00x_0\neq0 einer Funktion ff findet man

Tf(x,x0)=f(x0)+f(x0)(xx0)+f(x0)2!(xx0)2+=k=0f(k)(x0)k!(xx0)k.\begin{align*} \mathcal{T}_f(x,x_0) &= f(x_0)+f'(x_0)(x-x_0)+\frac{f''(x_0)}{2!}(x-x_0)^2+\dots\\ &= \sum_{k=0}^\infty \frac{f^{(k)}(x_0)}{k!}(x-x_0)^k. \end{align*}
Exercise 3: Taylorreihen bestimmen II

Bestimme die Taylorentwicklung bei x0x_0 von

f(x)=11x.f(x)=\frac{1}{1-x}.

Berechne dazu zuerst f(k)(x)f^{(k)}(x). Notiere dann Tf(x,x0=a)\mathcal{T}_f(x,x_0=a) in geschlossener Form und explizite die ersten drei Summanden. Berechne anschliessend Näherungen für z.B. x0=2,0,2,x_0=-2,0,2,\dots.

Solution

Wir bemerken zuerst, dass wir bei x0=1x_0=1 eine Definitionslücke haben. Wir sehen f(x)=(1x)1f(x)=(1-x)^{-1} und damit f(x)=(1x)2f'(x)=(1-x)^{-2}, f(x)=2(1x)3f''(x)=2(1-x)^{-3}, f(x)=6(1x)4f'''(x)=6(1-x)^{-4}. Allgemein f(k)(x)=k!(1x)(k+1)f^{(k)}(x)=k!(1-x)^{-(k+1)}. Also gilt für die Taylorentwicklung um x0x_0

Tf(x,x0=a)=11a+1(1a)2(xa)+1(1a)3(xa)2+\mathcal{T}_f(x,x_0=a)=\frac{1}{1-a}+\frac{1}{(1-a)^2}(x-a)+\frac{1}{(1-a)^3}(x-a)^2+\dots

Den Rest kann man sich selber denken.

Rechnen mit Potenzreihen

Schaut man sich die ersten vier nichtverschwindenden Terme der MacLaurin-Reihe von sin(x2)\sin(x^2) an, so stellt man sich die Frage, ob diese Funktion nicht einfacher zu entwickeln wäre.

f(x)=sin(x2)f(x)=2xcos(x2)f(x)=2cos(x2)4x2sin(x2)f(x)=8x3cos(x2)12xsin(x2)f(4)(x)=16x4sin(x2)48x2cos(x2)12sin(x2)\begin{align*} f(x) &= \sin(x^2) \\ f'(x) &= 2x\cos(x^2) \\ f''(x) &= 2\cos(x^2)-4x^2\sin(x^2) \\ f'''(x) &= -8x^3\cos(x^2)-12x\sin(x^2) \\ f^{(4)}(x) &= 16x^4\sin(x^2)-48x^2\cos(x^2)-12\sin(x^2) \end{align*}

Somit Tf(x)=x2+\mathcal{T}_f(x)=x^2+\dots und die weiteren Terme sind mühsam zu bestimmen. Einfacher geht es aber mit folgendem Satz.

Theorem 2

Innerhalb des Konvergenzradius dürfen Potenzreihen addiert, subtrahiert, multipliziert und dividiert, gliedweise differenziert und integriert und in den Potenzreihen substituiert werden.

Proof

Skizze: Mit dem Wurzelkriterium für Konvergenz findet man für den Radius

R=\frac{1}{\lim\mathrm{sup}_{k\to\infty} \sqrt[k]{|a_k|}.

Daraus nimmt man immer einen lokal minimalen Wert.

Example 2
sin(x2)=x2x63!+x105!x147!+\sin(x^2)=x^2-\frac{x^6}{3!}+\frac{x^{10}}{5!}-\frac{x^{14}}{7!}+\dots
Example 3
sinxcosx=(xx33!+x55!+x77!+)(1x22!+x44!x66!+)=x(12!1!+13!)x3+(15!+14!1!+13!2!)x5=x43!x3+165!x5647!x7+=12(2x(2x)33!+(2x)55!(2x)77!+)=12sin(2x)\begin{align*} \sin x\cdot\cos x &= \left(x-\frac{x^3}{3!}+\frac{x^5}{5!}+\frac{x^7}{7!}+\dots\right)\cdot\left(1-\frac{x^2}{2!}+\frac{x^4}{4!}-\frac{x^6}{6!}+\dots\right)\\ &= x-\left(\frac{1}{2!1!}+\frac{1}{3!}\right)x^3+\left(\frac{1}{5!}+\frac{1}{4!1!}+\frac{1}{3!2!}\right)x^5-\dots\\ &\stackrel{*}{=}x-\frac{4}{3!}x^3+\frac{16}{5!}x^5-\frac{64}{7!}x^7+\dots\\ &=\frac{1}{2}\left(2x-\frac{(2x)^3}{3!}+\frac{(2x)^5}{5!}-\frac{(2x)^7}{7!}+\dots\right)\\ &=\frac{1}{2}\sin(2x) \end{align*}

Wir begründen noch die Umformung bei *:

=1(2k+1)!+1(2k)!1!+1(2k1)!2!++1(k+1)!k!=1+(2k+1)+(2k+1)2k2!++(2k+1)!(k+1)!k!(2k+1)!=(2k+10)+(2k+11)++(2k+1k+1)(2k+1)!=22k+1/2(2k+1)!=22k(2k+1)!\begin{align*} &\phantom{=}\frac{1}{(2k+1)!}+\frac{1}{(2k)!\cdot1!}+\frac{1}{(2k-1)!\cdot2!} +\dots+\frac{1}{(k+1)!k!}\\ &=\frac{1+(2k+1)+\frac{(2k+1)2k}{2!}+\dots+\frac{(2k+1)!}{(k+1)!k!}}{(2k+1)!}\\ &=\frac{\binom{2k+1}{0}+\binom{2k+1}{1}+\dots+\binom{2k+1}{k+1}}{(2k+1)!}\\ &=\frac{2^{2k+1}/2}{(2k+1)!}\\ &=\frac{2^{2k}}{(2k+1)!} \end{align*}
Exercise 4: MacLaurin-Reihe bestimmen

Gib die ersten 44 nicht verschwindenden Terme der MacLaurin-Reihe für

a) f(x)=x1x2f(x)=\frac{x}{1-x^2}

b) g(x)=ln(x+1)xg(x)=\frac{\ln(x+1)}{x}

Solution

a) f(x)=x(1x2)1f(x)=x(1-x^2)^{-1} interpretieren wir als geometrische Reihe. Daher haben wir

Tf(x,x0=0)=x+x3+x5+\mathcal{T}_f(x,x_0=0) = x+x^3+x^5+\dots

für 1<x<1-1<x<1.

b) Oben haben wir die Taylorreihe für ln(x+1)\ln(x+1) berechnet:

ln(x+1)=xx22+x33x44+...\ln(x+1)=x-\frac{x^2}{2}+\frac{x^3}{3}-\frac{x^4}{4}+\dots...

Daraus folgt

Tg(x)=112x+13x214x3+\mathcal{T}_g(x) = 1-\frac{1}{2}x+\frac{1}{3}x^2-\frac{1}{4}x^3+\dots

Ist eine Funktion ff durch ihre Taylorreihe darstellbar, so kann auf beiden Seiten der Gleichung abgeleitet oder integriert werden. Damit erhält man neue Beziehungen.

Example 4

Sei

f(x)=11x=1+x+x2+x3+,f(x)=\frac{1}{1-x}=1+x+x^2+x^3+\dots,

dann folgt bei Ableitung die aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung bekannte "Warten-auf-einen-Erfolg-Wahrscheinlichkeit"

f(x)=1(1x)2=1+2x+3x2+.f'(x)=\frac{1}{(1-x)^2}=1+2x+3x^2+\dots.

Integriert man, so erscheint mit C=0C=0

f(x)dx=ln(1x)=x+12x2+13x3+.\int f(x) \mathrm{d}x=-\ln(1-x)=x+\frac{1}{2}x^2+\frac{1}{3}x^3+\dots.
Note 3

Als Zückerchen erhält man Näherungen für Stammfunktionen nicht geschlossen integrierbaren Funktionen wie zum Beispiel

ex2dx=(1+x2+x42!+)dx=x+13x3+110x5+.\int \mathrm{e}^{x^2}\mathrm{d}x =\int\left(1+x^2+\frac{x^4}{2!}+\dots\right)\mathrm{d}x=x+\frac{1}{3}x^3+\frac{1}{10}x^5+\dots.

Nun ist auch klar, dass sich Taylorreihen eignen, um numerische Lösungen von Differentialgleichungen zu finden. Wir verfolgen

Example 5

Betrachte

y=yx3y'' = y-x^3

mit den Anfangsbedingungen f(0)=a0=0f(0)=a_0=0 und f(0)=a1=6f'(0)=a_1=6. Wir wählen als Ansatz eine Potenzreihe

y=a0+a1x+a2x2+a3x3+y=a_0+a_1x+a_2x^2+a_3x^3+\dots

mit zweiter Ableitung

y=2a2+6a3x+12a4x2+20x3+.y''=2a_2+6a_3x+12a_4x^2+20x^3+\dots.

Daraus erhalten wir

yx3=a0+a1x+a2x2+(a31)x3+.y-x^3=a_0+a_1x+a_2x^2+(a_3-1)x^3+\dots.

Es folgt

a2=12a0,a3=16a1,a4=112a2=124a0,a5=120(16a11)\begin{align*} a_2&=\frac{1}{2}a_0, &a_3&=\frac{1}{6}a_1,\\ a_4&=\frac{1}{12}a_2=\frac{1}{24}a_0, &a_5&=\frac{1}{20}(\frac{1}{6}a_1-1) \end{align*}

also

y=6x+x3.y=6x+x^3.

Komplexe Exponentialfunktion

Mit Hilfe der Taylorentwicklung für

ex=k=0xkk!\mathrm{e}^x=\sum_{k=0}^\infty\frac{x^k}{k!}

müsste

eix=k=0(ix)kk!=k=0(1)kx2k(2k)!+k=0(1)kx2k1(2k1)!=cos(x)+isin(x)\begin{align*} \mathrm{e}^{\mathrm{i}x}&=\sum_{k=0}^\infty\frac{(\mathrm{i}x)^k}{k!}\\ &=\sum_{k=0}^\infty\frac{(-1)^kx^{2k}}{(2k)!}+\sum_{k=0}^\infty\frac{(-1)^kx^{2k-1}}{(2k-1)!}\\ &=\cos(x)+\mathrm{i}\sin(x) \end{align*}

gelten. Wir finden auch die altebekannte Formel

eiπ+1=0\mathrm{e}^{\mathrm{i}\pi}+1=0

unter anderem Zugang. Via

ez=ea+ib=eaeib=eacis(b)\mathrm{e}^z=\mathrm{e}^{a+\mathrm{i}b}=\mathrm{e}^a\cdot \mathrm{e}^{\mathrm{i}b}=\mathrm{e}^a\mathrm{cis}(b)

erahnt man, dass die Ableitungsregeln für Exponentialfunktionen im Komplexen erhalten bleiben.