Die Logistische Funktion
Recap des Walpopulationsmodells
Wir haben für die Entwicklung der Walpopulation ein Modell vom Character
wobei die Anzahl Wale zum Zeitpunkt , einen Konstante, die unter anderem vom Wachstum der Population abhängig ist und die Kapazitätsgrenze der Populationsgrösse bezeichnen. Auf gym math gibts das Video zur Walpopulation auch zum Nachschauen.
Man kann nachrechnen, dass und Fixpunkte dieses Iterationsmodells sind und für gewisse, vernünftige und der Fixpunkt instabil und der Fixpunkt stabil ist.
Rechne nach.
Solution
Siehe Wale.
Experimentiert man ein bisl, kann man beim Modell gucken, was passiert, wenn man seine Grenzen auslotet. Wir setzen das Modell noch mal auf. Dazu bestimmen wir zuerst den Parameter zu einem vermuteten Wachstum von jährlich, Startwert und Kapazitätsgrenze . Für berechnen wir den Wert und plotten.
Mit dem oben aus dem Kontext berechneten ergibt sich was wir erwarten: eine logstische Wachstumskurve mit Startwert und Kapazitätsgrenze . Jetzt aber variieren statt wie im vorangegangenen Modul die Startwerte oder die Fangzahlenquoten den Parameter ; und staunen:
Hier sieht man bloss, dass die Punkte mit fort laufender Iteration "nervös" hin und her springen. Gut ersichtlich ist der zeitliche Verlauf. Um aber die "Punkteverteilung" besser zu sehen, stellen wir auf Scatterplot um, welcher die Punkte nicht verbindet. In der Tat handelt es sich ja auch um einzelne, berechnete Punkte , und nicht um stetige Funktionen.
Analyse
Funktionenschreibweise
Wir wollen für weitere Analysen nun weg von der iterativen Schreibweise hin zur Funktionenschreibweise. Dazu wird die Iteration linear skaliert und normiert, so dass nur noch ein Parameter übrig bleibt.
Gehe von der Iteration der Wale
aus.
a) Zeige, dass daraus folgt.
b) Setze und und zeige, dass daraus die mit dem Parameter normierte Iterationsgleichung
folgt.
Solution
In diesem Video, Wale zu logistische Funktion, wird der Inhalt obiger Übung noch einmal erläutert.
Die logistische Funktion
Wir arbeiten also jetzt mit der zugehörigen Funktion
welche ich logistische Funktion nenne. Diese quadratische Funktion ist grundsätzlich auf ganz definiert. Jetzt wird sich das Geschehen eine Weile um diese Funktion drehen.
Berechne die beiden Nullstellen von und beachte, dass diese unabhängig vom Parameter sind.
Solution
Aus folgt sofort und .
Damit die Funktion "handlicher" wird, schränken wir erstmal den Definitionsbereich der freien Variablen ein, was aber de facto wegen der Isomorphie keiner Einschränkung im mathematischen Sinn gleich kommt. Wählen wir also . Nun möchten wir die Wertemenge ebenfalls haben.
Ein Isomorphismus ist vereinfacht gesagt eine bijektive Abbildung zwischen zwei Mengen. Findest du einen Isomorphismus ? Kannst du auch die Inversfunktion angeben?
Solution
Um einen Isomorphismus zu finden, benötigen wir eine Funktion, die die unendliche Menge auf das endliche, offene Intervall abbildet.
Eine mögliche Inversfunktion ist
Eine andere gängige Bijektion ist die logistische Funktion .
Wieso wollen wir ?
Solution
Damit die Funktion beliebig oft iterierbar wird.
Für welche Werte von gilt sicher ?
Solution
erfüllt die Bedingung, wenn man den Scheitelwert, der bei liegt, betrachtet.
Wiederum ist es an der Zeit für etwas Action. Lassen wir einige Orbits zu ausgewählten s plotten. Wir installieren die logistische Funktion und schreiben eine Funktion, die uns für die logistische Funktion mit Startwert einen Orbit generiert.
Da die Funktion mit für uneingeschränkt iteriert werden kann, schauen wir uns ein paar Beispiele an. Unten sind die Plots für . Man vergleiche mit dem Walmodell.
Welchen -Werten entsprächen obige Plots den im Walmodell gezeigten Plots?
Solution
Es gilt . Man liest im Walmodell die Werte von und ab.
Fixpunkte von
Bestimme die Fixpunkte der logistischen Funktion
Solution
liefert und .
Werte von r
0<r<1
Ich verwende die Funktionen- und die Iterationsschreibweise grad passend für meine Argumentationslinie, welche aber in jedem Fall mit beiden Ansätzen vollzogen werden kann. Dieser Fall, wenn ist, lässt sich bequem handhaben. Man kann zudem nehmen, da die Fixpunktbedingung über diesen Bereich gelten. Die Iterationsfolge konvergiert für jeden Startwert , da man nach oben abschätzen kann. Betrachte:
was wegen klar gegen geht:
Also konvergiert die Iterationsfolge für diese für jeden Startwert gegen den Fixpunkt .
Bestimme die Bereiche für , für welche die beiden Fixpunkte (nota bene 1. Ordnung) attaktiv sind.
Solution
Die Attraktorbedingung liefert und . Also im ersten und im zweiten Fall.
Einschub Fixpunktlemma
Es gilt:
Seien mit , sowie und . Wenn die Iterationsfolge gegen konvergiert, dann ist ein Fixpunkt von .
Proof
Konvergiere gegen , d.h. , dann folgt
Die Umkehrung im Allgemeinen nicht.
Finde ein Gegenbeispiel, in dem die Umkehrung nicht gilt.
Solution
Für ist ein Fixpunkt, aber die Folge mit Startwert konvergiert nicht gegen .
Da wir uns aber für die Umkehrung - oder zumindest eine abgeschwächte Form davon - interessieren, sind wir etwas vorsichtig. Wir formulieren folgenden Satz.
Sei ein Intervall und habe in genau einen Fixpunkt . Ferner gebe es ein mit für das . Dann gilt für jede Iteration mit Startwert :
Die Folge konvergiert und der Grenzwert ist ihr Fixpunkt .
Proof
Der Beweis wurde bereits zu Beginn der Iterationen einmal illustiert.
Wenn wir uns für Startwerte interessieren, welche anziehend sind, für welchen Bereich lassen wir dann Startwerte zu, wenn wir den obigen Satz berücksichtigen?
Zeige, dass wir die Startwerte im Bereich haben wollen.
Solution
Die Bedingung liefert mit Lösung durch Fallunterscheidung nach das "Attraktorintervall".
Attraktorwerte von
Bestätige, dass der Graph der attraktiven Fixpunkte der logistischen Funktion für die Parameterwerte wie folgt aussehen muss:

Wir haben also noch durch obigen Satz so was wie ein "sicheres" Attraktorintervall
erhalten.
Betrachtet man für den attraktiven Fixpunkt , so konvergiert wegen die Iterationsfolge für jeden Startwert gegen . Die Population stirbt immer aus.
Erstaunlich, wie rasch diese Folgen jeweils gegen gehen!
Interessanter wird es jetzt für , da dort der Wert des Fixpunktes für jedes via berechnet wird; also individuell ist. Ich beziehe mich auf das Beispiel weiter oben, von dem wir bereits einen Plot zum Startwert haben. Für diesen Fall finden wir also den Fixpunkt bei . Für das attraktive Startwertintervall rechnen wir .
Zweimal sind wir ausserhalb des sicheren Attroktorbereichs gestartet, trotzdem sind wir beim Fixpunkt gelandet. Das bedeutet, dass sich vielleicht dieser Attraktorbereich noch weiter fassen lässt.
Was passiert für ?
Klar ist, dass für die beiden Fixpunkte nicht mehr attraktiv sind; sie sind aber natürlich nach wie vor "da". Wenn man oben die Walplots anschaut, so legt den Verdacht nahe, dass Fixpunkte zweiter Ordnung existieren könnten. Daher lösen wir folgende
Suche Fixpunkte zweiter Ordnung. Verwende Polynomdivision, um die Fixpunkte erster Ordnung aus der Bedingung "rauszudividieren" und so die "reinen" Fixpunkte der Ordnung zu erhalten.
Solution
Im Video Fixpunkte von der Periode 2 wird alles erläutert.
Wir kriegen also nebst und nun zusätzlich
was die Frage aufwirft
Gibt es einen Bereich für , in dem diese Fixpunkte der Ordnung stabil sind? Vermutlich ja, wenn man die folgenden Plots anschaut. Dabei habe ich mit den Startwerten gespielt.
Solution
Im Video Fixpunkte von der Periode 2 wird alles erläutert.
Rechne die Fixpunkt-Werte nach.
Solution
Mit Polynomdivision dividiert man die Fixpunkte der ersten Ordnung raus und löst dann die übrig gebliebene quadratische Gleichung.
Finde den Attraktivitätsbereich für für die Fixpunkte zweiter Ordnung.
Solution
Seien und Fixpunkte der Ordnung 2 von . Dann verwendet man am einfachsten die Beziehung , die man leicht mit der Kettenregel einsieht. Es ist ein schönes Resultat von Nagashima/Baba aus dem Jahr 1999.
Es folgt damit dann, dass für stabil sind.
Weitere Fixpunkte sind nicht mehr lustig zum Rechnen. Man stellt rasch fest, dass der Aufwand von Hand höhere Fixpunkte auszurechnen ins Astronomische steigt.
Mit einer Induktion zeige man nun, dass analog zu oben dieselbe Aussage für Fixpunkte der Periode gilt. Das heisst:
Alle Fixpunkte eines Orbits haben dieselbe Steigung, werden also alle gleichzeitg stabil oder instabil.