Pflanzenschutz und Fressfeinde
Ein Weihnachtsmann stellt zu seinem Entsetzen fest, dass alle Nordmanntannen seiner Weihnachtsbaumkolonie von Sitkaläusen befallen sind. Soll er nun zu Pestiziden greifen oder den lieben Marienkäferchen, den natürlichen Feinden der Sitkaläuse, die Arbeit überlassen?
Diese Frage lässt sich an Hand eines Räuber-Beute-Modells beantworten, im vorliegenden Fall angewandt auf das Beutetier Sitkalaus und auf ihren natürlichen Feind, den Marienkäfer.
Das Modell
Gäbe es für die Sitkaläuse keine natürlichen Feinde, so würden sie sich - stark vereinfacht - exponentiell vermehren. Gäbe es für die Marienkäfer keine Beutetiere, so würden sie mangels Futter zugrunde gehen. Treffen nun Sitkaläuse und Marienkäfer aufeinander, geschieht Folgendes: Die Zahl der Sitkaläuse verringert sich und die Marienkäfer bleiben wohlgenährt am Leben.
Wir bezeichnen mit die Anzahl der Sitkaläuse und mit die Anzahl der Marienkäfer zur Zeit .
Wenn es für die Sitkaläuse keine natürlichen Feinde gäbe, so würde sich ihre Populationsentwicklung mit der Gleichung
mit einem Parameter berechnen lassen. Das Zusammentreffen der Sitkaläuse mit den Marienkäfer, das sich als Produkt von und darstellt, lässt die Sitkalauspopulation weiter schrumpfen, also
mit einem Parameter .
Betrachtet man die Marienkäfer isoliert, so kann man feststellen, dass sie mangels Futter nach demselben Gesetz sterben, wie die Sitkaläuse sich vermehren. In einer Formel ausgedrückt sieht das so aus:
mit einem Parameter .
Anders ist es, wenn sie auf die Sitkaläuse treffen und somit Nahrung haben:
mit einem Parameter .
Beim Einsatz von Pestiziden verringert sich sowohl das Wachstum der Läuse als auch das Wachstum der Marienkäfer. Bei beiden Differenzengleichungen kommt daher der Giftterm bei den Läusen und bei den Marienkäfern hinzu mit dem selben Giftfaktor . Wir nehmen also an, dass die Marienkäfer in der gleichen Weise unter dem Pestizid leiden wie die Sitkaläuse.
Die Analyse
Stelle zum Text ein passendes Differenzengleichungsmodell für das Räuber-Beute Modell (hier Sitkaläuse versus Marienkäfer) mit und ohne Pestizideinsatz auf. Wähle als Parameter
| Anfangswert Marienkäfer | |
| Vermehrung Läuse | |
| Verminderung Läuse | |
| Schrumpfen Marienkäfer | |
| Vermehrung Marienkäfer | |
| Pestizid-Wirkung |
Solution
Ähnlich wie bei Lotka-Voltera notieren wir
Erstelle eine Tabelle und zeichne einen Graph für die Entwicklung der Zahl der Käfer ohne Pestizide, Läuse ohne Pestizide sowie der Käfer und Läuse mit Pestizideinsatz über 200 Zeiteinheiten. Berechne die durchschnittliche Grösse der vier Populationen. Experimentiere und variiere den Parameter .
Solution
Beispielsweise wie folgt:
import matplotlib.pyplot as plt
# Anfangswerte
x0 = 500
y0 = 100
alpha = 0.04
beta = 0.0002
gamma = 0.0035
delta = 0.0001
epsilon = 0.025
# Anzahl der Iterationen
iterations = 200
# Listen zum Speichern der Werte von x und y
x_values = [x0]
y_values = [y0]
# Iterieren und die Werte von x und y berechnen
for n in range(iterations):
x_n = x_values[-1]
y_n = y_values[-1]
x_next = x_n * (1 + alpha - epsilon)
- beta * x_n * y_n * (1 - epsilon)**2
y_next = y_n * (1 - gamma - epsilon)
+ delta * x_n * y_n * (1 - epsilon)**2
x_values.append(x_next)
y_values.append(y_next)
# Ergebnisse plotten
plt.plot(x_values, label='x')
plt.plot(y_values, label='y')
plt.xlabel('Iteration')
plt.ylabel('Werte')
plt.title('Modell von x und y ueber Iterationen')
plt.legend()
plt.show()