Modulo
Modulare Arithmetik - Rechnen mit Resten - ist ein nützliches Werkzeug der Zahlentheorie.
Wir wissen, dass die Menge in zwei Klassen aufgespalten werden kann:
- die geraden Zahlen:
- die ungeraden Zahlen:
Nun können wir gewisse Verallgemeinerungen formulieren: Beispielsweise ist die Summe zweier gerader Zahlen wieder gerade; die Summe einer geraden und einer ungeraden Zahl ist ungerade; die Summe zweier ungerader Zahlen ist gerade; das Produkt zweier gerader Zahlen ist gerade, usw.
Im obigen Beispiel ist der sogenannte Modul gleich . Der Modulus kann als Anzahl der Klassen betrachtet werden, in die unsere Zahlenmenge aufgeteilt wird.
Jetzt legen wir für jede der beiden Klassen ein Symbol fest: Wir schreiben für die Klasse der geraden Zahlen - die Bezeichnung erfolgt nach dem kleinsten nicht-negativen Element. Wir schreiben oft kurz für die Klasse aller geraden Zahlen und für die Klasse aller ungeraden Zahlen, wählen also einen Repräsentanten. Wir hätten auch und , oder und wählen können; und sind aber die üblichen Bezeichnungen.
Die Aussage
Die Summe zweier gerader Zahlen ist eine gerade Zahl.
wird schlanker wie folgt geschrieben:
Das Symbol beziechnet nicht Gleichheit, sondern Kongruenz. bedeutet, dass unser Modulus ist; obige Aussage liest man: "Null plus Null ist kongruent Null Modulo Zwei". Die Aussage, dass die Summe einer geraden und einer ungeraden Zahl ungerade ist, schreibt sich
Diese Beispiele sind trivial. Wie aber schreiben wir, dass die Summe zweier ungerader Zahlen gerade ist?
Analoge Aussagen erhält man für die Multiplikation:
Definition
Selbstverständlich kann man allgemein Modulo , , rechnen. Wir definieren
Sei . Zwei Zahlen heissen kongruent Modulo , falls ein existiert, so dass . Man schreibt
und sind kongruent Modulo , denn es gilt .
Wir betrachten ganze Zahlen Modulo . Klar ist, dass alle Vielfachen von , , kongruent Modulo sind, da jede Differenz zweier solcher Zahlen durch teilbar ist. Analog sind alle Zahlen der Form und alle Zahlen der Form kongruent Modulo , .
Die Uhr
Ein alltäglicher Fall ist der Modulus . Man nennt den Fall auch die Uhr-Arithmetik.
Wenn es 07:00 Uhr ist, welche Zeit haben wir in . Da können wir einfach zu addieren:
Also 08:00 Uhr.
Die Sekunden und Minuten auf der Uhr sind auch modular, nämlich Modulo .
Rechenregeln
Die Grundlage für folgende Rechenregeln ( und ) mit Moduln bildet
Proof
Per Definition von Kongruenz: genau dann, wenn . Die Umformung ist nur eine andere Schreibweise derselben Aussage.
Proof
Gelte . Dann ist . Also . Damit - umgekehrt subtrahiert man.
Proof
Aus folgt . Damit . Also .
Proof
Induktion über :
trivial.
Angenommen . Dann . Da , folgt ; damit .
Proof
Aus folgt . Aus folgt . Addieren liefert ; also .
Proof
Aus folgt . Aus folgt . Schreibe . Beide Summanden sind durch teilbar; also und .
Proof
Aus folgt . Da , teilt ; also .
Gib konkrete Beispiele zu den Sätzen und beweise sie.
Solution
Zum Beispiel zur Addition:
Beweis über die Definition: Gelte und sei beliebig. Das heisst mit und daraus
Das heisst .
a)
b)
c)
d)
e)
f)
g)
h)
Solution
a) .
b) .
c) Quersumme .
d) .
e) Rest bei Division durch ist einfach die letzte Ziffer: .
f) .
g) .
h) .
Äquivalenzrelation
Eine Relation auf einer Menge , die für beliebige und folgende drei Bedingungen erfüllt:
- (Reflexivität)
- Falls , dann gilt (Symmetrie)
- Falls und , dann (Transitivität)
nennt man Äquivalenzrelation auf .
Die Äquivalenzrelation teilt in Äquivalenzklassen.
Sei eine Menge und eine Äquivalenzrelation auf . Für ein Element heisst die Menge
die Äquivalenzklasse von bezüglich ; sie besteht also aus allen Elementen von , die zu in Relation stehen.
Man schreibt manchmal für die Äquivalenzklasse einer Zahl etwa oder auch , um zwischen Zahl und Klasse zu unterscheiden. (Äquivalenz kommentiert)
Jede Äquivalenzrelation auf einer Menge induziert in natürlicher Weise eine Partition von den in enthaltenen Äquivalenzklassen.
Solution
In der Tat:
Sei beliebig; betrachte : Da reflexiv, gilt ; also gehört sicher zu seiner eigenen Äquivalenzklasse . Wir haben also mit eine Überdeckung von .
Um die Partition einzusehen betrachten wir zwei Äquivalenzklassen und mit nichtleerem Schnitt: . Also gibt es , d.h. und . Es folgt und , also und und schliesslich - dieses Resultat brauchen wir für die Fortsetzung.
Sei , d.h. und mit dem Resultat von eben , also . Ist folgt analog ; also . Das heisst Äquivalenzklassen, welche einen nichtleeren Schnitt haben, sind identisch. Also teilt die Menge in disjunkte Äquivalenzklassen - Partitionen.
Zeige, dass das Gleichungssystem
keine ganzzahlige Lösung besitzt.
Solution
Modulo gilt:
Also ist ungerade und gerade. Modulo gilt:
Es folgt , Widerspruch, da !
Zeige, dass für mit
mindestens eine der Zahlen durch , mindestens eine durch und mindestens eine durch teilbar ist.
Solution
Modulo betrachten wir die Fälle und . Im ersten Fall gälte dann und oder und . Für den zweiten Fall gilt oEdA woraus und damit folgt. Also ist immer sicher mindestens eine Zahl durch teilbar.
Modulo gelte . Dann muss oEdA und gelten, also . Oder es wäre und . Aber das kann wegen nicht passieren. Aus dem gleichen Grund muss nicht betrachtet werden und für ist die Behauptung trivial. Somit ist mindestens eine Zahl durch teilbar.
Modulo äquivalent zu ist wiederum trivial. Gelte noch Modulo oder . Im ersten Fall sind nur möglich und oder viceversa. Im zweiten Fall klappt nur woraus folgt. Also ist sicher mindestens eine Zahl durch teilbar.
a) Finde das kleinste mit und .
b) Löse .
c) Löse (alle Kongruenzklassen).
d) Berechne .
e) Bestimme die letzte Ziffer von .
Solution
a) Schreibe . Bedingung .
Da , gilt . Kleinste Wahl , also .
b) Wir suchen mit . Test: .
Also .
c) teilt , also lösbar. Durch kürzen:
Inverse von mod ist (denn ). Somit
Alle Lösungen: (also ).
d) Mod hat Periode (denn ). , also
e) Mod hat Periode und , also
Letzte Ziffer: .
Osterformel
Die Osterformel von Gauss
Die Gauss'sche Osterformel erlaubt die Berechnung des Osterdatums für ein gegebenes Jahr. Das Verfahren gilt allgemein für den Gregorianischen Kalender.
In seltenen Fällen kann der Algorithmus im Gregorianischen Kalender den 26. April als spätesten Ostersonntag liefern. Die bei der Kalenderreform aufgestellte Zusatzbestimmung, dass der letzte mögliche Ostersonntag der 25. April ist, muss zusätzlich beachtet werden.
Nun zum Verfahren ( steht für eine ganzzahlige Division ohne Nachkommastellen):
Mit den so bestimmten Variablen kann man nun das Osterdatum berechnen:
wobei der 32. März der 1. April ist etc.
Berechne das Datum der nächsten Ostern.
Solution
Selbstkontrolle ;)