On Das Baselproblem
Das Basel-Problem: Von der Vermutung zum Beweis
Das Basel-Problem (1644 erstmals formuliert) fragt nach der exakten Summe der Kehrwerte aller Quadratzahlen. Leonhard Euler löste es 1734 und verblüffte die Welt mit dem Auftauchen der Kreiszahl .
Die Fragestellung
Gesucht ist der Wert der unendlichen Reihe:
Eulers genialer (intuitiver) Lösungsweg
Euler kombinierte zwei Darstellungen der Sinus-Funktion:
Die Taylor-Reihe:
Teilt man die Sinus-Reihe durch , erhält man:
Der Koeffizient vor dem -Term ist hier .
Die Produktdarstellung (Nullstellen):
Da Nullstellen bei hat, schrieb Euler sie als unendliches Produkt:
Der Koeffizientenvergleich:
Beim Ausmultiplizieren des Produkts entsteht der -Term durch die Summe aller Brüche:
Durch Gleichsetzen mit aus der Taylor-Reihe folgt:
Multipliziert mit ergibt sich das Resultat:
Was daran "nicht ganz wasserdicht" war
Euler wandte Regeln für endliche Polynome einfach auf unendliche Reihen an, ohne zu beweisen, dass die Funktion durch ihre Nullstellen vollständig bestimmt ist und dass der Koeffizientenvergleich im Unendlichen zulässig ist. Erst Karl Weierstrass lieferte mit seinem Produktsatz die formale Basis.
Vertiefung: Der Beweis über das Doppelintegral
Motivation der Integraldarstellung:
Man nutzt das Integral einer Potenzfunktion:
Summation der ungeraden Terme:
Um Singularitäten zu vermeiden, betrachtet man oft zuerst die Summe der ungeraden Quadrate ():
Die Substitution und die Jacobi-Matrix:
Hierfür nutzt man die Substitution nach Beukers:
Die Jacobi-Matrix lautet:
Die Determinante berechnet sich zu:
Da , vereinfacht sich das Integral zu:
Die Herleitung der Eckpunkte des Dreiecks:
Um den neuen Integrationsbereich zu finden, prüfen wir, wohin die Ecken des ursprünglichen Einheitsquadrats () abgebildet werden:
- Ursprung : Aus folgt , also . Aus folgt , also . Der Punkt bleibt bei .
- Ecke : Aus folgt . Setzt man das in die Gleichung für ein, erhält man . Damit wird, muss sein. Das ergibt den Punkt .
- Ecke : Aus folgt . Eingesetzt in die -Gleichung ergibt sich . Für muss sein. Das liefert den Punkt .
- Der Rand für : Wenn und , nähert sich die Bedingung der Form an. Trigonometrisch entspricht das genau der Geraden .
Das Quadrat im --Raum verformt sich durch die Substitution also exakt zu einem Dreieck im --Raum. Der Flächeninhalt dieses Dreiecks ist:
Der finale Schritt zur Gesamtsumme
Sei die Gesamtsumme. Die Summe der geraden Terme ist:
Die Summe der ungeraden Terme ist also . Da wir wissen, dass die ungerade Summe ist:
Bedeutung heute
Das Basel-Problem ist der Spezialwert der Riemannschen Zeta-Funktion. Es verknüpft Analysis, Zahlentheorie und Geometrie auf fundamentale Weise.