Funktionen

Im Geometrieunterricht hast du schon gelernt, was man unter einer Abbildung versteht. Als Beispiele von Abbildungen sind dir sicher die Achsenspiegelung, die Punktspiegelung und die Verschiebung bekannt. Du weisst, dass man in der Geometrie immer dann von einer Abbildung spricht, wenn jedem Punkt PP der Ebene genau ein Bildpunkt PP' zugeordnet wird.

Solche eindeutigen Zuordnungen kommen auch in anderen Teilgebieten der Mathematik, bei Naturvorgängen und in vielen anderen Zusammenhängen vor. Das zeigen die folgenden Beispiele.

Example 1: Beispiele

Beispiel 1:

Hans bietet Uli ein Würfelspiel nach folgender Regel an: Uli darf würfeln. Bei einer ungeraden Augenzahl erhält er von Hans, bei einer geraden Augenzahl zahlt er an Hans so viele €, wie die Augenzahl jeweils angibt.

Durch diese Spielregel ist tatsächlich Ulis Gewinn bzw. Verlust (= negativer Gewinn) für jede Augenzahl genau festgelegt. Man kann alle möglichen Fälle in einer Tabelle zusammenstellen:

Augenzahl 1 2 3 4 5 6
Gewinn in € 1 -2 3 -4 5 -6

Bei diesem Spiel lässt sich die Regel, nach welcher einer Augenzahl x der Gewinn yy\in zugeordnet wird, auch kurz durch eine Gleichung ausdrücken: y=(1)x+1xy=(-1)^{x+1} \cdot x.

Beispiel 2:

Wie viele Primzahlen befinden sich unter den ersten n natürlichen Zahlen 1,2,3,...,n1, 2, 3, ..., n?

Bezeichnet man die gesuchte Anzahl mit m, so kann man folgende Tabelle aufstellen:

n 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
m 0 1 2 2 3 3 4 4 4 4 5

Diese Tabelle lässt sich wenn auch mit wachsendem Rechenaufwand beliebig weit fortsetzen. Zu jeder natürlichen Zahl nn erhält man genau eine Zahl mm.

Beispiel 3:

Den Flächeninhalt AA eines Quadrats kann man aus der Quadratseite aa berechnen: A=a2A = a^2. Jeder Seitenlänge aa ist also eindeutig der Flächeninhalt AA zugeordnet.

Beispiel 4:

Am Thermometer einer meteorologischen Station wurden im Laufe eines Tages folgende Temperaturen abgelesen:

Uhrzeit in Std. 0 3 6 9 12 15 18 21 24
Temperatur ϑ\vartheta in °C 7.1 5.0 8.3 14.9 19.0 22.2 18.8 12.5 9.8

Natürlich hätte man das Thermometer auch zu anderen Zeiten ablesen können; es zeigte zu jedem Zeitpunkt eine bestimmte Temperatur an.

Das Gemeinsame an diesen Beispielen lässt sich folgendermassen beschreiben: Man hat jeweils zwei Mengen und eine Vorschrift, welche jedem Element der einen Menge genau ein Element der andern Menge zuordnet. In Abbildung 86.1 ist dieser Sachverhalt veranschaulicht; die Zuordnungsvorschrift wird dabei durch die Pfeile dargestellt. Wesentlich ist, dass von jedem Element der ersten Menge nur ein einziger Pfeil ausgeht; denn zu ihm gehört ja genau ein Element der zweiten Menge. Wohl aber können zwei oder mehr Pfeile auf dasselbe Element der zweiten Menge zeigen. Vergleiche dazu das Beispiel 2.

Da das Wesentliche an einer Abbildung die Eindeutigkeit der Zuordnung ist, spricht man auch in solchen Fällen, wo wie in unseren Beispielen nicht Punkten wieder Punkte zugeordnet werden, von einer Abbildung. Man sagt, dass die erste Menge in die zweite Menge abgebildet wird. Für eine solche nicht geometrische Abbildung gibt es aber noch eine andere Bezeichnung; man nennt sie auch Funktion (functio: lat. Verrichtung).

Als Zeichen für eine Funktion verwendet man im Allgemeinen einen kleinen lateinischen Buchstaben, zumeist f. Die erste Menge heisst Definitionsmenge D\mathbb{D} der Funktion. Ein Element von D\mathbb{D} wird in der Regel mit der Variablen x bezeichnet. Für das ihm zugeordnete Element der zweiten Menge verwendet man dann das Zeichen f(x)f(x), gelesen "f von x". Man nennt f(x)f(x) den zu xx gehörenden Funktionswert; xx bezeichnet man oft als Argument (argumentum: lat. Gegenstand, Inhalt, der Gehalt) der Funktion ff. Alle Funktionswerte einer Funktion fasst man zu ihrer Wertemenge W\mathbb{W} zusammen. Die Zuordnung zwischen den Elementen der Definitions- und der Wertemenge wird durch einen besonderen Pfeil, den Abbildungspfeil oder Fusspfeil \mapsto, dargestellt. Man schreibt kurz

f:xf(x),xD.f: x \mapsto f(x), \quad x \in \mathbb{D}.
Definition 1: Funktion

Unter einer Funktion ff mit der Definitionsmenge D\mathbb{D} und der Wertemenge W\mathbb{W} versteht man eine Abbildung, die jedem Element xx aus D\mathbb{D} genau ein Element f(x)f(x) aus W\mathbb{W} als Funktionswert zuordnet. Man schreibt dafür f:xf(x),xDf: x \mapsto f(x), x \in \mathbb{D}.

Oft wird auch als Bezeichnung für ein Element der Wertemenge die Variable y verwendet. Man schreibt dann etwas ausführlicher f:xyf: x \mapsto y mit y=f(x)y=f(x) und xDx \in \mathbb{D}. Dabei ist zu beachten, dass den Variablen xx und yy ganz verschiedene Rollen zugeteilt sind. Für xx darf ein beliebiger Wert aus der Definitionsmenge D\mathbb{D} gewählt werden. Für yy muss dann der diesem xx zugeordnete Funktionswert genommen werden. Wegen dieses Unterschiedes nennt man xx die unabhängige und yy die abhängige Variable der Funktion.

Das Wort functio hat 1692 Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) bei geometrischen Betrachtungen in die Mathematik eingeführt. Die Bezeichnungen ff und f(x)f(x) für Funktion und Funktionswert gehen auf Leonhard Euler (1707-1783) zurück, bei dem sie erstmals 1734 in einer Abhandlung vorkommen. Die Schreibweise y=f(x)y=f(x) wurde erstmals 1883 von dem italienischen Mathematiker Giuseppe Peano (1858-1932) verwendet.

Betrachten wir noch einmal unsere vier Beispiele, um darauf die neuen Begriffe anzuwenden und einige Ergänzungen zu erläutern.

In Beispiel 1 handelt es sich um eine Funktion mit der Definitionsmenge D={1,2,3,4,5,6}\mathbb{D}=\{1, 2, 3, 4, 5, 6\}. Der zu xDx \in \mathbb{D} gehörende Funktionswert y kann, wie wir festgestellt haben, mithilfe der Gleichung y=(1)x+1xy=(-1)^{x+1} \cdot x berechnet werden. Eine solche Gleichung heisst Funktionsgleichung; sie hat die Form y=f(x)y=f(x). Der auf ihrer rechten Seite für f(x)f(x) stehende Term, hier also (1)x+1x(-1)^{x+1} \cdot x, heisst Funktionsterm. Damit lässt sich die Funktion schreiben als

f:xy mit y=(1)x+1x und x{1,2,3,4,5,6},f: x \mapsto y \text{ mit } y=(-1)^{x+1} \cdot x \text{ und } x \in \{1, 2, 3, 4, 5, 6\},

oder kürzer

f:x(1)x+1x und x{1,2,3,4,5,6}.f: x \mapsto (-1)^{x+1} \cdot x \text{ und } x \in \{1, 2, 3, 4, 5, 6\}.

In Beispiel 2 handelt es sich um eine Funktion mit der Definitionsmenge N\mathbb{N}. Die Zuordnungsvorschrift lässt sich hier nur in Worten ausdrücken: Jedem xNx \in \mathbb{N} wird als Funktionswert f(x)f(x) die Anzahl aller Primzahlen pp zugeordnet, für welche pxp \le x. Der kleinste Funktionswert ist 00. Lässt man xx die natürlichen Zahlen durchlaufen, so wird jedes Mal, wenn xx eine Primzahl ist, der Funktionswert um 11 grösser, sodass f(x)f(x) entweder eine Zahlenmenge {0,1,2,...,n}\{0, 1, 2, ..., n\} oder die ganze Menge N0\mathbb{N}_0 durchläuft, je nachdem, ob es endlich oder unendlich viele Primzahlen gibt.

In Beispiel 3 können wir für Längen bzw. Flächeninhalte die Masseinheiten 1m1\,\mathrm{m} bzw. 1m21\,\mathrm{m}^2 verwenden. Setzt man dann a=xma=x\,\mathrm{m} und A=ym2A=y\,\mathrm{m}^2, so sind xx und yy unbenannte Zahlen, und es gilt: y=x2y = x^2. Diese Gleichung beschreibt die Zuordnungsvorschrift der Funktion; es handelt sich also wieder um eine Funktionsgleichung. Die Definitionsmenge D\mathbb{D} besteht in diesem Fall aus allen positiven rationalen Zahlen, also D=Q+\mathbb{D} = \mathbb{Q}^+. Die Angabe der Wertemenge W\mathbb{W} ist hier schwierig! Sie enthält sicher nur positive rationale Zahlen. Stellt sie aber die ganze Menge Q+\mathbb{Q}^+ dar? Diese schwierige Frage kann erst später beantwortet werden. Die Funktion ff dieses Beispiels lässt sich mithilfe des Funktionsterms x2x^2 kurz so schreiben:

f:xx2,xQ+.f: x \mapsto x^2, \quad x \in \mathbb{Q}^+.

Die Wertemenge können wir indirekt in der Form W={yy=x2xQ+}\mathbb{W}=\{y \mid y=x^2 \wedge x \in \mathbb{Q}^+\} angeben.

In Beispiel 4 stellen, wenn man sich auf die in der Tabelle enthaltenen Werte beschränkt, die Zeitangaben in der ersten Zeile die Definitionsmenge, die Temperaturangaben in der zweiten Zeile die Wertemenge der Funktion dar. Die Zuordnung wird in der Tabelle durch das Untereinanderschreiben zusammengehörender Werte festgelegt.

Wesentlich komplizierter wird es, wenn man sich vorstellt, dass jedem Zeitpunkt eine bestimmte Temperatur zugeordnet ist. Für diese Funktion ist D\mathbb{D} die Menge aller Zeitpunkte des betreffenden Tages. Um W\mathbb{W}zu bestimmen, müsste man die niedrigste und die höchste Temperatur an diesem Tag ermitteln. Da die Natur keine Sprünge macht, gehören auch alle dazwischen liegenden Temperaturwerte zu W\mathbb{W}.

Eindeutige Zuordnungen zwischen zwei Mengen, also Funktionen bzw. Abbildungen, treten besonders häufig auf und haben in der Mathematik eine sehr grosse Bedeutung. Es gibt daneben aber auch mehrdeutige Zuordnungen:

Example 2: Mehrdeutige Zuordnungen

Beispiel 5: Jeder Zahl xx aus der Menge Q+\mathbb{Q}^+ werden diejenigen Zahlen aus Q\mathbb{Q} zugeordnet, deren Betrag den Wert xx hat. Man erkennt leicht, dass man hier der Zahl xx sowohl xx selbst als auch die Zahl x-x zuordnen muss. Zu jedem xQ+x \in \mathbb{Q}^+ gibt es also zwei verschiedene Zahlen aus Q{0}\mathbb{Q}\setminus\{0\}, welche die Bedingung erfüllen; diese lässt sich als Gleichung y=x|y|=x schreiben. Wir veranschaulichen den Sachverhalt mithilfe zweier Zahlengeraden für xx bzw. yy (Abbildung 89.1):

Beispiel 6: Jeder natürlichen Zahl xx werden alle Zahlen yy zugeordnet, die Teiler von xx sind. Zu x=1x=1 gehört eindeutig y=1y=1. Jede natürliche Zahl, die grösser als 1 ist, besitzt aber mindestens zwei verschiedene Teiler.

Für eine beliebige Zuordnung zwischen zwei Mengen verwendet man in der Mathematik die Bezeichnung Relation (relatio: lat. ursprünglich das Zurücktragen, später auch die Beziehung, das Verhältnis). Funktionen sind besondere Relationen, nämlich solche, bei denen die Zuordnung eindeutig ist. In den Beispielen 5 und 6 sind Relationen beschrieben, die keine Funktionen sind.

Exercise 1: Funktionen: Wertetabellen und Darstellungen

Jeder natürlichen Zahl xx wird zugeordnet

a) ihre Hälfte

b) ihr Kehrwert

c) ihr Quadrat

d) ihr grösster Teiler.

Berechne jeweils für x10x \le 10 die zugeordneten Werte und schreibe die Wertetabelle auf.

Solution

a)

x 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
f(x) 0.5 1 1.5 2 2.5 3 3.5 4 4.5 5

b)

x 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
f(x) 1 0.5 13\frac{1}{3} 0.25 0.2 16\frac{1}{6} 17\frac{1}{7} 0.125 19\frac{1}{9} 0.1

c)

x 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
f(x) 1 4 9 16 25 36 49 64 81 100

d)

x 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
f(x) 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
Exercise 2: Fixelemente bei Funktionen

Stelle bei den in Aufgabe 1 bzw. Aufgabe 2 betrachteten Funktionen fest, ob es in ihrer Definitionsmenge so genannte Fixelemente gibt, d.h. solche, die auf sich selbst abgebildet werden.

Solution

a) f(x)=x2f(x) = \frac{x}{2}. Fixelement: x=0x=0, aber 0N0 \notin \mathbb{N}. Kein Fixelement.

b) f(x)=1xf(x) = \frac{1}{x}. Fixelemente: x=1,x=1x=1, x=-1. Nur x=1x=1 in N\mathbb{N}.

c) f(x)=x2f(x) = x^2. Fixelemente: x=1,x=0x=1, x=0. Nur x=1x=1 in N\mathbb{N}.

d) f(x)=xf(x) = x. Alle Elemente sind Fixelemente.

Exercise 3: Kleinster Primfaktor

Jeder natürlichen Zahl x>1x > 1 wird als Funktionswert y der kleinste in x enthaltene Primfaktor zugeordnet. Berechne die Wertetabelle für 15x2515 \le x \le 25.

Solution
x 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25
y 3 2 17 2 19 2 3 2 23 2 5
Exercise 4: Wertetabellen für Funktionen

Stelle für die folgenden Funktionen jeweils die Wertetabelle mit den x-Werten -4, -3, -2, -1, 0, 1, 2, 3 und 4 auf.

a) f:x2x+3,xQf: x \mapsto 2x+3, \quad x \in \mathbb{Q}

b) f:xx1x+1,xQf: x \mapsto \frac{x-1}{x+1}, \quad x \in \mathbb{Q}

c) f:xx1x2+1,xQf: x \mapsto \frac{x-1}{x^2+1}, \quad x \in \mathbb{Q}

d) f:x(2)1+x,xZf: x \mapsto (-2)^{1+|x|}, \quad x \in \mathbb{Z}

Solution

a)

x -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4
y -5 -3 -1 1 3 5 7 9 11

b)

x -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4
y 53\frac{5}{3} 2 3 def. nicht -1 0 13\frac{1}{3} 12\frac{1}{2} 35\frac{3}{5}

c)

x -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4
y 517-\frac{5}{17} 25-\frac{2}{5} 35-\frac{3}{5} -1 -1 0 15\frac{1}{5} 15\frac{1}{5} 317\frac{3}{17}

d)

x -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4
y -32 16 -8 4 -2 4 -8 16 -32

Der Graph einer Funktion

Bei sehr vielen Funktionen besteht sowohl die Definitionsmenge D\mathbb{D}als auch die Wertemenge W\mathbb{W} aus Zahlen. Da eine solche Funktion jeder Zahl xDx \in \mathbb{D} eine Zahl yWy \in \mathbb{W} zuordnet, kann man sagen: Die Funktion erzeugt Zahlenpaare (xy)(x \mid y). Ein solches Paar besteht also jeweils aus einem Wert der unabhängigen Variablen an erster Stelle und dem dazugehörenden Wert der abhängigen Variablen an zweiter Stelle. Diese Zahlenpaare erkennt man besonders leicht, wenn die Funktion durch eine Wertetabelle beschrieben ist. Betrachte etwa die Funktion von Beispiel 1 des vorhergehenden Abschnitts; zu ihr gehören die Zahlenpaare (11)(1 \mid 1), (22)(2 \mid -2), (33)(3 \mid 3), (44)(4 \mid -4), (55)(5 \mid 5) und (66)(6 \mid -6). Aber auch bei einer Funktion, die durch einen Term bzw. eine Gleichung definiert ist, lassen sich die entsprechenden Zahlenpaare leicht angeben. So erzeugt die im Beispiel 3 von 5.1 betrachtete Funktion unendlich viele Zahlenpaare (xx2)(x \mid x^2) mit xQ+x \in \mathbb{Q}^+.

Mit Zahlenpaaren hast du auch schon bisher im Mathematikunterricht zu tun gehabt, vor allem in der Geometrie. Dort werden sie zur Beschreibung der Lage von Punkten benützt. Man benötigt dazu bekanntlich ein Koordinatensystem, also zwei zueinander senkrechte Zahlengeraden mit gemeinsamem Nullpunkt, das so genannte Achsenkreuz.

Die eine Gerade, meist von links nach rechts laufend, bezeichnet man als x-Achse, die andere als y-Achse. Falls die Längeneinheiten auf beiden Achsen gleich sind, spricht man von einem kartesischen Koordinatensystem.

Zu einem Zahlenpaar (ab)(a \mid b) erhält man eindeutig einen Punkt PP, indem man durch den Punkt aa auf der x-Achse und den Punkt bb auf der yy-Achse die Parallele zur jeweils anderen Achse zieht. aa ist die x-Koordinate bzw. Abszisse, bb die y-Koordinate bzw. Ordinate des Schnittpunktes PP. Diesen Zusammenhang zwischen dem Punkt und seinen Koordinaten bringt man durch die Schreibweise P(ab)P(a \mid b) zum Ausdruck.

Es liegt nun nahe, die von einer Funktion erzeugten Zahlenpaare als Koordinaten von Punkten zu deuten. Dem Paar (xy)(x \mid y) mit y=f(x)y=f(x) wird damit in der Koordinatenebene der Punkt (xy)(x \mid y) zugeordnet. Da zu jedem xDx \in D genau ein Funktionswert y existiert, entspricht ihm auch genau ein Punkt. Die Menge aller Punkte, die auf diese Weise einer Funktion zugeordnet werden, heisst Graph der Funktion; man bezeichnet ihn mit G oder auch GfG_f.

Definition 2: Graph einer Funktion

Der Graph G einer Funktion f ist die Menge aller Punkte (xy)(x \mid y) der Koordinatenebene, deren Koordinaten die Bedingungen xDx \in \mathbb{D} und y=f(x)y=f(x) erfüllen; kurz:

G={(xy)xD und y=f(x)}.G = \{(x \mid y) \mid x \in \mathbb{D}\text{ und } y=f(x)\}.

Der Graph einer Funktion wird oft auch als Schaubild bezeichnet. Wir wollen nun die Schaubilder der in den Beispielen besprochenen Funktionen zeichnen.

Zu Beispiel 1: Der Graph besteht aus den sechs Punkten (1 \mid 1), (2 \mid -2), (3 \mid 3), (4 \mid -4), (5 \mid 5) und (6 \mid -6); vgl. Abbildung 93.2.

Exercise 5: Punkte im Koordinatensystem

Zeichne in ein kartesisches Koordinatensystem mit der Längeneinheit 1 cm folgende Punkte ein:

a) A(40)A(4 \mid 0)

b) B(40)B(-4 \mid 0)

c) C(03)C(0 \mid -3)

d) D(03)D(0 \mid 3)

e) E(33)E(3 \mid 3)

f) F(33)F(-3 \mid -3)

g) G(2,53)G(-2,5 \mid 3)

h) H(2,53)H(2,5 \mid -3)

i) I(42)I(-4 \mid -2)

k) K(24)K(-2 \mid -4).

Exercise 6: Fieberkurve zeichnen

Im Krankenhaus wurden bei einem Patienten an fünf aufeinander folgenden Tagen jeweils um 6h6\,\mathrm{h} und um 18h18\,\mathrm{h} folgende Körpertemperaturen gemessen:

Zeitpunkt 1. Tag 6h6\,\mathrm{h} 1. Tag 18h18\,\mathrm{h} 2. Tag 6h6\,\mathrm{h} 2. Tag 18h18\,\mathrm{h} 3. Tag 6h6\,\mathrm{h}
Temperatur in °C 38.7 39.5 39.3 39.8 38.9
Zeitpunkt 3. Tag 18h18\,\mathrm{h} 4. Tag 6h6\,\mathrm{h} 4. Tag 18h18\,\mathrm{h} 5. Tag 6h6\,\mathrm{h} 5. Tag 18h18\,\mathrm{h}
Temperatur in °C 39.2 38.1 38.0 37.2 37.4

Zeichne die Fieberkurve. Stelle dazu auf der Zeitachse je 12 h durch eine 1 cm lange Strecke dar. Zeichne von der Temperaturskala nur den Bereich von 36C36^\circ C bis 40C40^\circ C (Abbildung 101.1) und wähle dabei für 1C1^\circ C eine Strecke von 2 cm Länge. Verbinde benachbarte Punkte geradlinig.

Exercise 7: Graphen von Funktionen identifizieren

Welche der in Abbildung 102.1 gezeigten Kurven a bis h können als Graphen von Funktionen f:xyf: x \mapsto y aufgefasst werden? Begründung!

Solution

a) Kreis: Keine Funktion, da zu den meisten x-Werten (ausser x=rx=r und x=rx=-r) zwei y-Werte gehören.

b) Halbkreis oben: Ist eine Funktion.

c) Halbkreis rechts: Keine Funktion, da zu den meisten x-Werten zwei y-Werte gehören.

d) Sinuskurve: Ist eine Funktion.

e) Z-förmige Linie: Keine Funktion, da es vertikale Linienabschnitte gibt (einem x-Wert werden unendlich viele y-Werte zugeordnet).

f) Parabel nach rechts geöffnet: Keine Funktion, da zu positiven x-Werten zwei y-Werte gehören.

g) Zick-Zack-Linie: Ist eine Funktion.

h) Hyperbel-ähnliche Kurve: Keine Funktion, da es einen vertikalen Linienabschnitt bei x=0 gibt.