Graphen- & Funktionsanalyse
Symmetrien
Wir unterscheiden zwei Arten von Symmetrien, die bei Graphen von Funktionen auftauchen können. Diese Charakterisierungen gelten für Funktionen allgemein.
Achsialsymmetrie bezüglich -Achse
Der Graph einer Funktion ist achsialsymmetrisch zur -Achse oder wird gerade genannt, wenn
für alle gilt.
Hier am Beispiel einer Parabel:
Zentralsymmetrie bezüglich Ursprung
Der Graph einer Funktion ist punktsymmetrisch zum Ursprung oder wird ungerade genannt, wenn
für alle gilt.
Hier am Beispiel der kubischen Funktion:
Um das qualitative Verhalten einer Funktion besser zu verstehen, lohnt es sich, ihren Graphen zu betrachten. Dazu müsste man die Werte aus einer umfangreichen Wertetabelle in ein Koordinatensystem übertragen. In vielen Fällen kann man den Graphen schnell skizzieren, wenn man nur einige markante Punkte des Graphen kennt und untersucht, wie sich die Funktionswerte verhalten, falls die -Werte gegen bzw. streben.
Nenne eine gerade und eine ungerade Winkelfunktion.
Solution
Man nehme die Sinusfunktion, deren Graphen punktsymmetrisch zum Ursprung ist und den Graphen der Cosinusfunktion als achsialsymmetrisch zur -Achse.
Lokale Extrema
Der Punkt heisst relatives Minimum oder Tiefpunkt, falls
für alle in einer hinreichend kleinen Umgebung von .

heisst relatives Maximum oder Hochpunkt, falls
für alle in einer hinreichend kleinen Umgebung von .

Wie man diese Punkte rechnerisch findet, beschreiben die folgenden beiden Sätze.
Hat die Funktion an der Stelle ein relatives Minimum oder Maximum, dann gilt
Proof
In einem relativen Hoch- bzw. Tiefpunkt hat der Graph der Funktion Steigung ; also ist dort .
Beachte, dass diese Bedingung für eine Extremalstelle notwendig aber nicht hinreichend ist. Um zu entscheiden, ob sich an der Stelle ein lokales Minimum oder Maximum befindet, hilft folgende Notiz: Ist , dann ist der Graph von dort linksgekrümmt; ist , dann ist der Graph von dort rechtsgekrümmt.
Wenn ein lokales Minimum in hat, dann ist dort und . Und wenn ein lokales Maximum in hat, dann ist dort und .
Wendepunkte
Das letzte Resultat wirft die Frage auf, wie ein Punkt von interpretiert werden soll, falls dort und ist. Wenn wir uns daran erinnern, dass die erste Ableitung einer Funktion die Steigung und die zweite Ableitung die Krümmung in einer hinreichend kleinen Umgebung von angibt, dann bedeutet also, dass dort der Graph von keine Krümmung besitzt: Man spricht von einem Wendepunkt von an der Stelle , wenn und .
Man nennt einen Punkt Terrassenpunkt oder Sattelpunkt von , falls , und ist.
Ein Terrassenpunkt ist also ein spezieller Wendepunkt, nämlich ein Wendepunkt mit Horizontaltangente.
Überblick
- Hat an der Stelle ein Extremum, dann gilt
- Hat an der Stelle einen Wendepunkt, dann gilt
-
Gilt und , dann hat an der Stelle ein Extremum, und zwar
-
ein lokales Maximum, falls .
-
ein lokales Minimum, falls .
-
-
Gilt und , dann hat einen Wendepunkt in .
Die Umkehrung dieser Sätze gilt nicht.
Überprüfe obige Aussage anhand einfacher Gegenbeispiele. Betrachte
in .
Solution
a) Für ist , und . Aber hat in keine Extremalstelle, dafür aber einen Terrassenpunkt.
b) Es ist , und . Betrachte in , um zu sehen, dass der Graph von dort sein Minimum hat, da insbesondere .
Ich liefere noch ein Standardbeispiel zu Nullstellen, Extrema und Wendepunkte:
Wir betrachten die Funktion
- Die Nullstellen finden wir wegen bei , und .
- Für die Extrema lösen wir . Es folgt unmittelbar . Wegen ist das Minimum an der Stelle und das Maximum bei .
- Eine mögliche Wendestelle liegt wegen bei . Wegen ist dort auch eine.
Zeige, dass eine beliebige quadratische Funktion keinen Wendepunkt hat.
Solution
Eine Parabel hat die Form mit . Es ist und . Also kann keinen Wendepunkt haben.
Bestimme die Nullstellen, Extrema und Wendestellen der Funktion
Zeige zuerst, dass bei eine Nullstelle hat und bestimme anschliessend die restlichen.
Solution
Es ist . Mit Polynomdivision finden wir
Es folgt und also , . Damit haben wir alle Nullstellen. Für die Extrema brauchen wir erst , also . Die Wendestellen berechnen wir zu , also ; . Man kann die Extremwerte noch klassifizieren und den Graphen zur Kontrolle plotten.
Gib dir eine ganzrationale Funktion vor (z.B. ) und untersuche diese nach Nullstellen, Extrema und Wendestellen. Überprüfe deine Berechnungen z.B. mit GeoGebra.
Solution
Es ist , also ist Nullstelle. und es folgt . Extremwerte , . Wendestelle bei . Man kann die Extremwerte noch klassifizieren.
Analysiere
über dem Intervall .
Solution
-
Nullstellen:
-
-Achsen-Schnittpunkt:
-
Extrema:
Lokales Minimum oder Maximum?
. ; also lokales Maximum. (Wegen der Periodizität der Sinusfunktion müsste man nach weiteren Extrema ausschau halten.)
-
Wendestellen:
Check : , also Wendestelle.
Analysiere
Solution
-
Nullstellen:
ist einzige Nullstelle, da .
-
-Achsen-Schnittpunkt:
-
Extrema:
ist einzige Lösung (gleiches Argument wie oben).
Lokales Minimum oder Maximum?
; es ist , also haben wir ein lokales Maximum bei .
-
Wendestellen:
ist einzige Lösung.
Check ; , also ist eine Wendestelle.
Zeichne die Sinusfunktion
im Intervall . Gib danach für Nullstellen, Symmetrie, Extrema und Wendestellen auf dem Definitionsbereich an. Zeichne mit einer andern Farbe ins gleiche Koordinatensystem die erste und zweite Ableitung von ein.
Solution
Nullstellen sind bei und es folgt mit . Extrema bei und Wendestellen bei mit .

Die Funktion
spielt in der Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik eine beherrschende Rolle im Zusammenhang mit der Normal- oder Gaussschen Verteilung. Berechne
a) (Definitions- und Wertemenge,) Nullstellen und -Achsen-Schnittpunkt.
b) )
c) Finde Extremwerte und Wendepunkte des Graphen.
Solution
a) , ; Nullstellen haben wir keine, da ; .
, also symmetrisch zur -Achse.
b) Wegen dem Quadrat wird der Grenzwert für beide Varianten gleich sein. Wegen , wird der Graph im Limit gegen gehen.
c) ist notwendig. , da . Betrachten wir noch und somit impliziert ein Maximum bei .
Für Wendestellen müssen wir lösen, done.