ggT & kgV
Primfaktorzerlegungen spielen auch beim Bestimmen des ggT (grösster gemeinsamer Teiler) und des kgV (kleinstes gemeinsames Vielfaches) zweier natürlicher Zahlen und eine wichtige Rolle.
Bestimme das kgV und den ggT der Zahlen und .
Solution
Es ist
und daher und .
Bei grossen Zahlen ist die Methode der Primfaktorzerlegung jedoch oft sehr aufwändig oder praktisch nicht durchführbar.
Der Euklid'sche Algorithmus
Zur Bestimmung des ggT zweier Zahlen und verwendet man am effizientesten den Euklidischen Algorithmus.
Als Beispiel betrachten wir die Zahlen und . Zunächst wird die grössere durch die kleinere Zahl geteilt und der Rest bestimmt. Anschliessend teilt man die kleinere Zahl durch diesen Rest und berechnet den neün Rest. Dieses Verfahren setzt man so lange fort, bis der Rest gleich null ist. Der letzte von null verschiedene Rest ist der ggT.
(Euklidischer Algorithmus kommentiert)
Solution
Damit ist .
Zeige, dass der Euklid'sche Algorithmus stets den ggT der beiden Zahlen liefert.
Solution
Der Beweis wird im Satz unten geführt.
Der Euklid'sche Algorithmus berechnet den grössten gemeinsamen Teiler zweier ganzer Zahlen und :
- Teile durch und bestimme den Rest :
-
Falls , dann ist .
-
Falls , setze , und gehe zu Schritt 1 zurück.
Proof
Seien und oEdA . Dann haben wir
Wir zeigen zuerst, dass sich in einer "Schleife" der ggT nicht ändert.
Wir setzen . Sicher
d.h. mit und . Betrachte
d.h. . Also ist
Sei umgekehrt . Sicher
d.h. mit und . Daraus folgt
d.h. . Also ist
insgesamt also
Im letzten Schritt des Algorithmus ist und wegen oben
Da folgt die Behauptung.
Pseudocode in Python kann so aussehen:
def euklid(a, b):
while b != 0:
r = a % b
a, b = b, r
return a
Finde .
Solution
Also ist .
Bestimme den grössten gemeinsamen Teiler von und mit dem Euklidischen Algorithmus.
Solution
Wir führen die Divisionen durch:
Damit ist .
Bestimme den grössten gemeinsamen Teiler (ggT) der Zahlen und mit dem Euklidischen Algorithmus.
Solution
Wir führen den Algorithmus aus:
Der letzte von null verschiedene Rest ist . Also gilt:
Zwischen dem ggT und dem kgV besteht der folgende Zusammenhang.
Proof
Für das kgV nimmt man jeweils die maximal vorkommende Anzahl der Primfaktoren aus beiden Zahlen, für den ggT jeweils die minimale Anzahl der gemeinsamen Primfaktoren. Kommt also ein Primfaktor nur in einer der Zahlen vor, so wird er wegen des kgVs verwendet und taucht im ggT nicht auf. Kommt ein Faktor in beiden Zerlegungen vor, so wird er in seiner maximalen Anzahl wegen des kgVs genommen und wegen seiner minimalen Anzahl für den ggT. Also werden insgesamt alle Faktoren genau einmal im Produkt vorkommen.
Bestimme den ggT und das kgV der Zahlen und mit dem euklidschen Algorithmus und dem letzten Satz.
Solution
Der ggT ist also . Damit ist das kgV .
Lemma von Bézout
Das Lemma von Bézout liefert eine wichtige Verbindung zwischem dem grössten gemeinsamen Teiler zweier Zahlen und seiner Darstellung als Linearkombination der beiden.
Betrachten wir beispielsweise und , so sehen wir folgende Linearkombinationen :
Wir beobachten, dass die Linearkombinationen alle Vielfache von sind.
Seien und nicht beide null. Dann existieren ganze Zahlen , sodass
Proof
Betrachte die Menge
Da und nicht beide sind, ist . Nach dem Wohlordnungsprinzip besitzt ein kleinstes Element. Bezeichne dieses mit
Wir zeigen und :
Zuerst . Dazu führen wir die Division mit Rest aus:
Dann gilt für den Rest
Also ist . Wäre , so hätten wir wegen ein kleineres Element als in , Widerspruch. Also muss , d.h. .
Analog folgt .
Bleibt noch zu zeigen, dass der grösste Teiler ist:
Sei ein weiterer gemeinsamer Teiler von und . Dann teilt auch jede Linearkombination , insbesondere . Also . Das heisst ist der grösste gemeinsame Teiler und wir sind fertig.
Im obigen Beweis wurde das Wohlordnungsprinzip verwendet, das wir der Vollständigkeit halber hier notieren.
Jede nichtleere Teilmenge der natürlichen Zahlen besitzt ein kleinstes Element.
Das heisst: Ist mit , so existiert ein , sodass für alle gilt.
Proof
BWoC: Sei und . Angenommen, besitze kein kleinstes Element.
Dann gilt für jede Zahl : Es gibt ein mit . Aber für die kleinste natürliche Zahl müsste ein existieren, was wegen unmöglich ist. Dies widerspricht der Annahme, dass kein kleinstes Element besitzt.
Hilfreich ist manchmal folgender Satz, dessen Beweisvariante den Satz von Bézout verwendet.
Sei eine Primzahl und . Falls , dann gilt
Proof
Ich zeige dies meist mit einer Gegenannahme, möchte hier aber eine direkte Variante präsentieren:
Nehmen wir an, .
- Falls , ist die Behauptung sofort erfüllt.
- Falls nicht, gilt , da prim ist und .
Nach dem Satz von Bézout existieren mit Multiplizieren wir mit : Da und (weil ), folgt .