Gravitation und Luftwiderstand

Freier Fall

Wir betrachten die Geschwindigkeit vv für den freien Fall ohne Luftwiderstand unter konstanter Beschleunigung gg,

v˙=g.\dot{v} = g.
Note 1

In der Physik ist es üblich, die Ableitung nach der Zeit mit einem Punkt und die Ableitung nach dem Ort mit einem Strich zu bezeichnen.

Durch Integrieren über die Zeit tt erhält man die Bewegungsgleichung als Lösung zur Anfangsgeschwindigkeit v0v_0 und zum Startpunkt s0s_0, nämlich

v=v0+gts=s0+v0t+12gt2\begin{align*} v &= v_0+gt\\ s &= s_0+v_0t+\frac{1}{2}gt^2 \end{align*}
Exercise 1: Check v und s

Rechne die Ausdrücke für die Geschwindigkeit v(t)v(t) und den Ort s(t)s(t) nach.

Solution

Es ist

v(t)=gdt=gt+v0v(t) = \int g\,\mathrm{d}t = gt+v_0

und

s(t)=(gt+v0)dt=12gt2+v0t+s0.s(t) = \int(gt+v_0)\,\mathrm{d}t = \frac{1}{2}gt^2+v_0t+s_0.

Fall mit Luftwiderstand

Hier setzen wir wiederum konstante Erdbeschleunigung gg voraus, aber berücksichtigen den Luftwiderstand, FR=12ρLcwAv2F_R = \frac{1}{2}\rho_L c_wAv^2, wobei cc konstant ist. Wir dividieren die Bewegungsgleichung mv˙=mgβv2m\dot{v} = mg-\beta v^2 durch mm und setzen α=βm\alpha = \frac{\beta}{m}:

v˙=gαv2.\dot{v} = g-\alpha v^2.

Wir interessieren uns für die Geschwindigkeitsfunktion v(t)v(t), nach der wir lösen wollen. Separation der Variablen liefert:

1gαv2dv=dt1α1(gα)2v2dv=dt\begin{align*} \frac{1}{g-\alpha v^2}\,\mathrm{d}v &= \mathrm{d}t\\ \frac{1}{\alpha}\cdot\frac{1}{\left(\sqrt{\frac{g}{\alpha}}\right)^2-v^2}\,\mathrm{d}v &= \mathrm{d}t \end{align*}

Die Differenz der beiden Quadrate kann man \enquote{integrierbarer} bereitstellen, wenn man folgende Substitution vornimmt. Setze v:=gαtanh(u)v:=\sqrt{\frac{g}{\alpha}}\tanh(u) und leite ab, um dvdu=gαsech2(u)\frac{\mathrm{d}v}{\mathrm{d}u}=\sqrt{\frac{g}{\alpha}}\mathrm{sech}^2(u). Damit folgt

gαsech2(u)gα(gαtanh2(u))du=gαsech2(u)gsech2(u)du=1gαdu\frac{\sqrt{\frac{g}{\alpha}}\cdot\mathrm{sech}^2(u)}{g-\alpha \left(\frac{g}{\alpha}\tanh^2(u)\right)}\,\mathrm{d}u = \frac{\sqrt{\frac{g}{\alpha}}\cdot\mathrm{sech}^2(u)}{g\cdot\mathrm{sech}^2(u)}\,\mathrm{d}u = \frac{1}{\sqrt{g\alpha}}\,\mathrm{d}u

Damit integriert erhalten wir

1gαu=t+C1gαartanh(vgα)=t+Cv(t)=gαtanh(gα(t+C)\begin{align*} \frac{1}{\sqrt{g\alpha}}\cdot u &= t+C\\ \frac{1}{\sqrt{g\alpha}}\mathrm{artanh}\left(\frac{v}{\sqrt{\frac{g}{\alpha}}}\right) &= t+C\\ v(t) &= \sqrt{\frac{g}{\alpha}}\tanh(\sqrt{g\alpha}(t+C) \end{align*}

und mit v(0)=:v0v(0) =: v_0 folgt:

v(t)=mgβtanh(gβmt+artanh(gβmv0)).v(t) = \sqrt{\frac{mg}{\beta}}\cdot\tanh\left(\sqrt{\frac{g\beta}{m}}\cdot t + \mathrm{artanh}\left(\sqrt{\frac{g\beta}{m}}\cdot v_0\right)\right).

Als Lösung zur Anfangsgeschwindigkeit v0=0v_0 = 0 erhalten wir

v=mgβtanh(gβmt).v = \sqrt{\frac{mg}{\beta}}\tanh\left(\sqrt{\frac{g\beta}{m}}t\right).

Betrachtet man tanh\tanh, so erkennt man die Maximalgeschwindigkeit

vmax=mgβ.v_{max}=\sqrt{\frac{mg}{\beta}}.
Exercise 2: Geschwindigkeitsverlauf

Skizziere den Geschwindigkeitsverlauf v(t)v(t) in einem Koordinatensystem.

Solution

Ich setze beispielsweise m=81kgm = 81\,\mathrm{kg}, g9ms2g \approx 9\,\mathrm{\frac{m}{s^2}}, v0=0msv_0 = 0\,\mathrm{\frac{m}{s}} und cw=1c_w = 1. Schätze nun die Querschnittsfläche AA und die durchschnittliche Luftdichte ρL\rho_L. Damit wird β13\beta \approx \frac{1}{3}, den Graphen zeichnet man mit \geogebralink\ und die maximale Geschwindigkeit ist ungefähr 180kmh180\,\mathrm{\frac{km}{h}}.

Freier Fall aus grosser Höhe

Nach Newton nimmt die Gravitationskraft mit zunehmender Entfernung quadratisch ab:

g=μr2.g = -\frac{\mu}{r^2}.

Ohne Luftwiderstand gilt

r¨=μr2,\ddot{r} = -\frac{\mu}{r^2},

was wir auf beiden Seiten mit r˙\dot{r} multiplizieren:

r¨r˙=μr˙r2.\ddot{r}\dot{r} = -\frac{\mu\dot{r}}{r^2}.

Integrieren auf beiden Seiten führt uns zum Energieerhaltungssatz

0.5r˙2=μr+c0.5\dot{r}^2 = \frac{\mu}{r}+c

und schliesslich zur Differentialgleichung

r˙=±2μr+c.\dot{r} = \pm\sqrt{2\frac{\mu}{r}+c}.

Nun kann man die Variablen separieren und versuchen, die Integrale zu bestimmen.

Barometrische Höhenformel

Wir gehen von der Zustandsleichung für ideale Gase,

pV=nRT,pV = nRT,

aus, wobei p(h)p(h) den Luftdruck in der Höhe hh, VV das Volumen, nn die Masse in Mol, RR die allgemeine Gaskonstante und TT die Temperatur bezeichnen. Die Atmosphäre sei eine ruhende Gasschicht, die sich wie ein ideales Gas verhalte.

Wir betrachten eine kleine Höhenänderung dh\mathrm{d}h bezüglich der Querschnittsfläche AA:

p(h+dh)p(h)=mgA=ρAdhgA=ρgdh\begin{align*} p(h+\mathrm{d}h)-p(h) &= -\frac{mg}{A}\\ &= -\frac{\rho A\cdot \mathrm{d}h\cdot g}{A}\\ &= -\rho g\cdot \mathrm{d}h \end{align*}

Die Dichte hängt ebenfalls von der Höhe ab, ρ(h)\rho(h). Unter Benutzung der Zustandsgleichung für ideale Gase kann ρ\rho durch pp ersetzt werden:

ρ=mV=mpnRT=MpRT\rho = \frac{m}{V} = \frac{mp}{nRT} = \frac{Mp}{RT}

wobei MM das Molekulargewicht der Luft bezeichnen soll. Damit folgt

p(h+dh)p(h)=MRTgdh,p(h+\mathrm{d}h)-p(h) = -\frac{M}{RT}g\cdot \mathrm{d}h,

also

dpdh=MgRTp\frac{dp}{dh} = -\frac{Mg}{RT}\cdot p

Durch Integrieren erhalten wir die barometrische, isotherme Höhenformel

p(h)=p0eMghRT.p(h) = p_0\cdot \mathrm{e}^{-\frac{Mgh}{RT}}.

Fassen wir die Konstanten zusammen:

h0=RTMg8.3km,h_0 = \frac{RT}{Mg}\approx8.3\,\mathrm{km},

notiert man

p(h)=p0ehh0p(h) = p_0\cdot e^{-\frac{h}{h_0}}

und sieht, dass der Druck alle 8.3km8.3\,\text{km} um den Faktor e\mathrm{e} abnimmt. Da die Temperatur allerdings auch mit der Höhe abnimmt - und nicht wie angenommen konstant bleibt - ist dies nur eine Näherung; die Dichte muss rascher abnehmen.

(Barometrische Höhenformel kommentiert)

Falls die Temperatur mit der Höhe linear abnimmt,

T(h)=T0λ(hh0),T(h) = T_0-\lambda(h-h_0),

wobei λ\lambda den Temperaturgradienten bezeichne (ca. 6.5Kelvin pro Kilometer6.5\,\text{Kelvin pro Kilometer}), erhalten wir

p=p0(T0λ(hh0)T0)gRλ.p = p_0\left(\frac{T_0-\lambda(h-h_0)}{T_0}\right)^{\frac{g}{R\lambda}}.

Diese Form wird in der Meteorologie und Luftfahrt oft verwendet.

Exercise 3: Meteorologische Höhendruckformel

Rechne die meteorologische Höhenformel nach.

Solution

Wir starten mit der hydrostatischen Gleichung

dp=pRTgdh\mathrm{d}p = -\frac{p}{RT}g\,\mathrm{d}h

woraus

dpp=1R(T0λ(hh0))gdh\frac{\mathrm{d}p}{p} = -\frac{1}{R(T_0-\lambda(h-h_0))}g\,\mathrm{d}h

folgt. Durch Integration via Separation erhalten wir

ln(p)=gRλln(T0λ(hh0))+C\ln(p) = -\frac{g}{R\lambda}\ln(T_0-\lambda(h-h_0))+C

und nach Exponentiation sowie mit der Randbedingung p(h0)=p0p(h_0) = p_0 schliesslich

p=p0(T0λ(hh0)T0)gRλp = p_0\left(\frac{T_0-\lambda(h-h_0)}{T_0}\right)^{\frac{g}{R\lambda}}

die barometrischen Höhenformel mit Temperaturgradient.