Basiswechsel und Diagonalisierung
Basiswechsel
Die Wahl der Basis, in der gerechnet werden soll, ist eigentlich willkürlich. Bis jetzt haben wir uns darüber keine grossen Gedanken gemacht und uns ein orthonormiertes Basissystem zugrunde gelegt. Als Basis eines Raumes (im Moment 2D) genügen neben einem Bezugspunkt (Ursprung) zwei linear unabhängige Vektoren. Irgendein Vektor des kann durch jede Basis des ausgedrückt werden.
Drücke den Vektor (in kartesischer Basis) durch die neuen Basisvektoren und aus.
Solution
Der Ansatz führt zum Gleichungssystem:
Daraus folgt und .
Der Vektor lautet in der neuen Basis also .
Der Basiswechsel von der alten, kartesischen Basis in die neue Basis wird durch die Matrix wiedergegeben:
Der Basiswechsel in die umgekehrte Richtung ("Neu nach Alt") ist durch die inverse Matrix bestimmt. In den Spalten dieses Basiswechsels stehen gerade die Komponenten der neuen Basis und :
Konjugierte Matrizen
Traditionellerweise wird die Matrix des Basiswechsels „neu-alt“ mit bezeichnet, die Inverse davon (Übergangsmatrix „alt-neu“) mit .
Zwei Matrizen und heissen konjugiert, falls sie aus einem Basiswechsel auseinander hervorgehen, also wenn es eine bijektive Matrix gibt, für die gilt:
Die Matrix wird Transformationsmatrix genannt.
Zwei Matrizen sind genau dann konjugiert, wenn ihre Eigenwerte übereinstimmen. Eigenwerte sind also Invarianten bezüglich eines Basiswechsels.
Proof
: Sei . Das charakteristische Polynom ist:
Da , kürzt sich dies weg. Gleiches Polynom Gleiche Eigenwerte.
: Haben und dieselben, voneinander verschiedenen Eigenwerte, sind beide diagonalisierbar und zur selben Diagonalmatrix ähnlich ( und ). Daraus folgt .
Zeige, dass die Matrizen und konjugiert sind, die Matrix hingegen nicht.
Solution
Wir berechnen die Eigenwerte über :
- Für : .
- Für : .
- Für : . Die Diskriminante ist , keine ganzzahligen Lösungen wie bei A/B.
Da und dieselben Eigenwerte haben, sind sie konjugiert. hat andere Eigenwerte und ist nicht konjugiert.
Klassifikation und Diagonalisierung
Die Tatsache, dass Eigenwerte und Eigenvektoren invariant bleiben, führt zu einer Klassifikation. Wir betrachten hier den Fall mit zwei verschiedenen Eigenwerten.
Eine Diagonalmatrix ist eine quadratische Matrix, in der nur in der Hauptdiagonalen Werte stehen, die verschieden von Null sind. An allen anderen Stellen stehen lauter Nullen.
Besitzt die Matrix einer Ursprungsaffinität die verschiedenen Eigenwerte und damit auch zwei linear unabhängige Eigenvektoren und , so werden alle Punkte auf der Fixgeraden bzw. mit dem entsprechenden Faktor bzw. zentrisch vom Ursprung aus gestreckt. Eine solche affine Abbildung wird Euler-Affinität genannt.
Wäre die Basis unseres Koordinatensystems, so hätte die Matrix die Diagonalgestalt:
Für eine Matrix wie oben definiert kann mit Hilfe eines Basiswechsels diese interpretationsfreundliche Situation geschaffen werden. Die Matrix kann durch Überführen der Eigenvektoren in die Standardbasis (Matrix ), Anwenden der Diagonalmatrix und Rücktransformation (Matrix ) ausgedrückt werden:
Die Spaltenvektoren des Basiswechsels entsprechen dabei gerade den Eigenvektoren .
Besitzt die Matrix zwei verschiedene Eigenwerte mit den Eigenvektoren , so lässt sie sich durch die Matrix diagonalisieren:
Proof
Angenommen, sei eine -Matrix mit zwei verschiedenen Eigenwerten . Die zugehörigen Eigenvektoren sind linear unabhängig und bilden daher eine Basis.
Sei . wirkt auf spaltenweise:
Multipliziert man von links mit , folgt .
Zeige: Besitzt eine lineare Abbildung zwei verschiedene Eigenwerte, so sind die zugehörigen Eigenvektoren linear unabhängig.
Solution
Wären linear abhängig, also , dann würde gelten:
.
Gleichzeitig gilt wegen der Linearität:
.
Daraus folgt . Da und , müsste sein; Widerspruch.
Diagonalisiere die Matrix
und bestimme die Transformationsmatrix .
Solution
- Eigenwerte bestimmen: .
Eigenwerte: , .
- Eigenvektoren bestimmen:
- Zu : .
- Zu : .
- Matrizen aufstellen:
Anwendungen: Potenzieren und Folgen
Potenzieren von Matrizen
Müssen Matrizen potenziert werden, ist dies oft mühsam. Ein Lösungsansatz liefert die Diagonalisierung.
Ist diagonalisierbar (), so gilt:
Das Verhalten von Pendlern (Auto vs. ÖV) wird durch die Matrix beschrieben. Berechne die Verteilung nach 10 Jahren ().
Solution
Eigenwerte: .
(stationärer Zustand), .
.
.
Berechne die 20. Potenz der Matrix
Solution
Spur ist 0, Determinante ist -2. .
Das Quadrieren der Matrix ergibt:
Daraus folgt einfach:
Explizite Bildungsgesetze für Folgen
Das Finden von expliziten Bildungsgesetzen bei rekursiv definierten Folgen kann elegant über Matrizen hergeleitet werden.
Die Fibonacci-Zahlen sind definiert durch mit . Wie lautet das explizite Gesetz?
Solution
Rekursionsmatrix .
Eigenwerte sind und .
Durch Diagonalisierung erhält man die Formel von Binet:
Zeige, dass die rekursiv definierte Folge mit und das explizite Bildungsgesetz hat.
Solution
Rekursionsmatrix .
Eigenwerte: .
.
Allgemeiner Ansatz: .
Einsetzen der Startwerte liefert und .
.
Versuche eine allgemeine, explizite Formel für Folgen der Art herzuleiten.
Solution
Die Matrix hat die Eigenwerte .
Falls , lässt sich die Folge schreiben als .
Die Konstanten werden durch das Gleichungssystem der Startwerte bestimmt.
Weitere Eigenschaften von Matrizen
Zeige für invertierbare Matrizen : .
Solution
Wir prüfen, ob das Produkt mit der vermuteten Inversen die Einheitsmatrix ergibt:
Da das Inverse eindeutig ist, gilt die Behauptung.
Eine Matrix heißt symmetrisch, wenn (bzw. ).
a) Zeige für die symmetrische Matrix , dass ihre Eigenvektoren senkrecht aufeinander stehen.
b) Beweise die Behauptung allgemein.
c) Zeige die Umkehrung.
Solution
a) Eigenwerte: . Eigenvektoren und . Skalarprodukt: .
b) Seien und Eigenwerte mit Eigenvektoren .
Also .
c) Wenn orthogonale Spalten hat, ist eine Orthogonalmatrix, also .
Aus folgt .