Ursprungsaffinitäten & Matrizen

Definition 1: Ursprungsaffinität

Wird der Ursprung bei einer affinen Abbildung α\alpha auf sich abgebildet - ist er also Fixpunkt von α\alpha - so wird von einer Ursprungsaffinität gesprochen.

Die Koordinatendarstellung hat dann die Gestalt

α={a1x+b1ya2x+b2y\alpha = \begin{cases}a_1x+b_1y\\ a_2x+b_2y\end{cases}

Zur Erinnerung sei noch erwähnt, dass es sich bei den Spaltenvektoren a=(a1a2)\vec{a} = \begin{pmatrix}a_1\\ a_2\end{pmatrix} und b=(b1b2)\vec{b} = \begin{pmatrix}b_1\\ b_2\end{pmatrix} einer affinen Abbildung α\alpha um die Bilder der Basisvektoren e1\vec{e_1} und e2\vec{e_2} handelt.

Grundlegende Ursprungsaffinitäten

Die folgenden vier Ursprungsaffinitäten bilden zusammen mit der Translation die Bausteine aus der jede affine Abbildung zusammengesetzt werden kann.

Exercise 1: Spiegelung

Eine Spiegelung γ\gamma an einer Ursprungsgeraden

g:y=mx=tan(φ)xg:y = mx = \tan(\varphi)\cdot x

kann als Verknüpfung folgender Ursprungsaffinitäten ausgedrückt werden: Drehung α1\alpha^{-1} um den Winkel φ-\varphi (in Uhrzeigerrichtung), Spiegelung β\beta an der xx-Achse und Drehung α\alpha zurück um den Winkel φ\varphi (in Gegenuhrzeigerrichtung).

γ=αβα1\gamma=\alpha\circ\beta\circ\alpha^{-1}
Solutionα1:{xcos(φ)ysin(φ)xsin(φ)+ycos(φ)\alpha^{-1}:\begin{cases}x\cos(-\varphi)-y\sin(-\varphi)\\ x\sin(-\varphi)+y\cos(-\varphi)\end{cases}{xcos(φ)+ysin(φ)xsin(φ)+ycos(φ)\begin{cases}x\cos(\varphi)+y\sin(\varphi)\\ -x\sin(\varphi)+y\cos(\varphi)\end{cases}γ(xy)=αβα1(xy)=αβ(xcos(φ)+ysin(φ)xsin(φ)+ycos(φ))=α(xcos(φ)+ysin(φ)xsin(φ)ycos(φ))=α((xcos(φ)+ysin(φ))cos(φ)(xsin(φ)ycos(φ))sin(φ)(xcos(φ)+ysin(φ))sin(φ)+(xsin(φ)ycos(φ))cos(φ))=(x(cos2(φ)sin2(φ))+y2sin(φ)cos(φ)x2sin(φ)cos(φ)+y(cos2(φ)sin2(φ)))=(xcos(2φ)+ysin(2φ)xsin(2φ)ycos(2φ))\begin{align*} \gamma(x|y) &= \alpha\circ\beta\circ\alpha^{-1}(x|y)\\ &= \alpha\circ\beta(x\cos(\varphi)+y\sin(\varphi)|-x\sin(\varphi)+y\cos(\varphi))\\ &= \alpha(x\cos(\varphi)+y\sin(\varphi)|x\sin(\varphi)-y\cos(\varphi))\\ &= \alpha((x\cos(\varphi)+y\sin(\varphi))\cos(\varphi)-(x\sin(\varphi)-y\cos(\varphi))\sin(\varphi)|(x\cos(\varphi)+y\sin(\varphi))\sin(\varphi)+(x\sin(\varphi)-y\cos(\varphi))\cos(\varphi))\\ &= (x(\cos^2(\varphi)-\sin^2(\varphi))+y\cdot2\sin(\varphi)\cos(\varphi)|x\cdot2\sin(\varphi)\cos(\varphi)+y(\cos^2(\varphi)-\sin^2(\varphi))) &= (x\cos(2\varphi)+y\sin(2\varphi)|x\sin(2\varphi)-y\cos(2\varphi)) \end{align*}
Exercise 2: Spiegelung an Gerade

Wie lautet die Abbildungsgleichung der Spiegelung an der Geraden

g:y=12x?g : y = \frac{1}{2}x?

Wie die Abbildungsgleichung der Spiegelung an der Geraden

g:y=12x+1?g:y=\frac{1}{2}x+1?
Solutionα:{x=35x+45y45x35y\alpha:\begin{cases}x'=\frac{3}{5}x+\frac{4}{5}y\\ \frac{4}{5}x-\frac{3}{5}y\end{cases}β:{x=35x+45y4545x35y+85\beta:\begin{cases}x'=\frac{3}{5}x+\frac{4}{5}y-\frac{4}{5}\\ \frac{4}{5}x-\frac{3}{5}y+\frac{8}{5}\end{cases}
Exercise 3: Rotation?

Gegeben sei die Ursprungsaffinität

α={1213x513y513x+1213y\alpha=\begin{cases}\frac{12}{13}x-\frac{5}{13}y\\ \frac{5}{13}x+\frac{12}{13}y\end{cases}

Zeige, dass es sich dabei um eine Rotation handelt und bestimme den Drehwinkel.

Solution

Sei cos(φ)=1213\cos(\varphi)=\frac{12}{13}. Betrachte 1cos2(φ)=sin2(φ)=5131-\cos^2(\varphi)=\sin^2(\varphi)=\frac{5}{13}. Es ist φ=22.6\varphi=22.6^\circ.

Exercise 4: Spiegelung an Ursprungsgeraden

Gegeben sei die Ursprungsaffinität

α={1213x513y513x+1213y\alpha = \begin{cases}-\frac{12}{13}x-\frac{5}{13}y\\ -\frac{5}{13}x+\frac{12}{13}y\end{cases}

Zeige, dass es sich dabei um eine Spiegelung an einer Ursprungsgeraden handelt und bestimme ihre Funktionsgleichung.

Solution

2φ=360cos1(1213)=202.62\varphi=360^\circ-\cos^{-1}(-\tfrac{12}{13})=202.6^\circ, also φ=101.3\varphi=101.3^\circ und die Spiegelachse hat die Funktionsgleichung y=5xy=-5x.

Die Matrixdarstellung einer Ursprungsaffinität

Die Gleichung einer Ursprungsaffinität

α={a1x+b1ya2x+b2y\alpha = \begin{cases}a_1x+b_1y\\ a_2x+b_2y\end{cases}

sind bestimmt durch das Schema der vier Koeffizienten:

(a1b1a2b2)\begin{pmatrix} a_1 & b_1\\ a_2 & b_2 \end{pmatrix}

Ein solches Schema wird als Matrix bezeichnet; genauer als 2×22\times2-Matrix, weil im Schema 22 Zeilen und 22 Spalten auftreten.

Definition 2: Matrix

Ein rechteckiges Schema mit mm Zeilen und nn Spalten wird m×nm\times n-Matrix genannt.

Example 1

Nach Definition unterscheidet sich eine 2×12\times1-Matrix nicht von der Koordinatenschreibweise eines Vektors.

Grundoperationen von Matrizen

Es ist üblich, Matrizen mit einem lateinischen Grossbuchstaben A,B,A, B,\dots zu benennen. Die Matrix-Komponenten werden durch den entsprechenden lateinischen Kleinbuchstaben - versehen mit Doppelindizes (Zeilen- und Spaltennummer) - beschrieben:

A=(a11a12a21a22)A= \begin{pmatrix} a_{11} & a_{12}\\ a_{21} & a_{22} \end{pmatrix}

Addition

Die Addition zweier Matrizen erfolgt komponentenweise:

A+B=(a11a12a21a22)+(b11b12b21b22)=(a11+b11a12+b12a21+b21a22+b22)\begin{align*} A+B &= \begin{pmatrix}a_{11} & a_{12}\\ a_{21} & a_{22}\end{pmatrix}+\begin{pmatrix}b_{11} & b_{12}\\ b_{21} & b_{22}\end{pmatrix}\\ &= \begin{pmatrix} a_{11}+b_{11} & a_{12}+b_{12}\\ a_{21}+b_{21} & a_{22}+b_{22} \end{pmatrix} \end{align*}

Multiplikation mit einem Skalar

Die Multiplikation mit einem Skalar erfolgt ebenfalls komponentenweise:

kA=k(a11a12 a21a22)=(ka11ka12ka21ka22)k\cdot A=k\cdot\begin{pmatrix}a_{11} & a_{12}\ a_{21} & a_{22}\end{pmatrix}= \begin{pmatrix} ka_{11} & ka_{12}\\ ka_{21} & ka_{22} \end{pmatrix}

Eigenschaften der Operationen

Theorem 1

Die 2×22\times2-Matrizen bilden bezüglich der Addition eine kommutative Gruppe.

Exercise 5

Gruppe

Erinnere dich an die Definition von Gruppe und Kommutativität und begründe obige Aussage.

Solution

Das Neutrale ist (0000).DasInversezu\begin{pmatrix}0 & 0\\0 & 0\end{pmatrix}. Das Inverse zu Aistist-A.Abgeschlossenheit,Assoziativita¨tundKommutativita¨tistvon. Abgeschlossenheit, Assoziativität und Kommutativität ist von \mathbb{R}$ vererbt.

Note 1

Zu den oben genannten Gruppenaxiomen gilt mit der definierten skalaren Multiplikation zudem das Distributivgesetz:

k(A+B)=kA+kBk\cdot(A+B)=kA+kB

kR\forall k\in\mathbb{R} und A,BRm×RnA,B\in\mathbb{R}^m\times\mathbb{R}^n.

Multiplikation

Die Multiplikation zweier Matrizen wirkt auf den ersten Blick etwas willkürlich:

AB=(a11a12a21a22)(b11b12b21b22)==(a11b11+a12b21a11b12+a12b22a21b11+a22b21a21b12+a22b22)\begin{align*} A\cdot B&=\begin{pmatrix}a_{11} & a_{12}\\ a_{21} & a_{22}\end{pmatrix}\cdot\begin{pmatrix}b_{11} & b_{12}\\ b_{21} & b_{22}\end{pmatrix}=\\ &= \begin{pmatrix} a_{11}b_{11}+a_{12}b_{21} & a_{11}b_{12}+a_{12}b_{22}\\ a_{21}b_{11}+a_{22}b_{21} & a_{21}b_{12}+a_{22}b_{22} \end{pmatrix} \end{align*}

Ist sie aber nicht. Geometrisch läuft die Matrizenmultiplikation auf eine Verknüpfung zweier Ursprungsaffinitäten (genauer: zweier linearer Abbildungen mit Fixpunkt im Ursprung) hinaus, wie man nachrechnen kann.

Auch das Berechnen des Matrizenprodukts ABA\cdot B ist nicht kompliziert, wenn das Prinzip erkannt wurde: Das Element, das in der ii-ten Zeile und kk-ten Spalte der Produktmatrix ABAB steht, ergibt sich, indem der ii-te Zeilenvektor von AA mit dem kk-ten Spaltenvektor von BB skalar multipliziert wird.

Example 2

Sei v=(xy)\vec{v}=\begin{pmatrix}x\\ y\end{pmatrix} ein Vektor der Ebene, so ist

Av=(a11a12 a21a22)(xy)=(a11x+a12ya21x+a22y)A\cdot\vec{v}=\begin{pmatrix}a_{11} & a_{12}\ a_{21} & a_{22}\end{pmatrix}\cdot\begin{pmatrix}x\\ y\end{pmatrix}=\begin{pmatrix}a_{11}x+a_{12}y\\ a_{21}x+a_{22}y\end{pmatrix}

der Bildvektor der Abbildung, die durch die Matrix AA repräsentiert ist.

Das Bild v\vec{v'} eines Vektors v\vec{v} kann also als Multiplikation zweier Matrizen (einer 2×22\times2-Matrix AA und eines Vektors v\vec{v}) angesehen werden. Damit ergibt sich auch der folgende

Theorem 2

Repräsentieren die Matrizen AA und BB zwei Abbildungen α\alpha und β\beta, so stellt die Matrizenmultiplikation ABA\cdot B die zusammengesetzte Abbildung αβ\alpha\circ\beta dar:

A(Bv)=(AB)vA(B\cdot\vec{v}) = (A\cdot B)\cdot\vec{v}
Proof

Das rechnet man einfach in beiden Varianten durch und erhält Gleichheit.

Eigenschaften zur Matrizenmultiplikation

(1324)(2513)(4201)\begin{pmatrix}1 & 3\\ 2 & 4\end{pmatrix}\quad\begin{pmatrix}-2 & 5\\ 1 & -3\end{pmatrix}\quad\begin{pmatrix}4 & 2\\ 0 & 1\end{pmatrix}
Exercise 6: Eigenschaften der Matrizen-Multiplikation

Zeige anhand dieser Matrizen, dass die Matrizenmultiplikation

  • assoziativ ist,
  • nicht kommutativ ist.
  • Gib die Matrix EE an, die bezüglich der Multiplikation "neutral" ist, d.h. diejenige Matrix EE, für die gilt:
AE=EA=AAE = EA = A

für alle Matrizen AA. EE wird Einheitsmatrix genannt.

  • Eine Matrix A1A^{-1} heisst Inverse von AA, wenn
AA1=A1A=EAA^{-1} = A^{-1}A = E

ist.

Solution

Man rechnet nach.

Exercise 7: Inverse Matrix

Finde mit Hilfe von Gleichungssystemen die Inversen der folgenden Matrizen

(1011)(2132)(2436)\begin{pmatrix}1 & 0\\ 1 & 1\end{pmatrix}\quad\begin{pmatrix}-2 & 1\\ 3 & -2\end{pmatrix}\quad\begin{pmatrix}2 & -4\\ -3 & 6\end{pmatrix}
Solution(1011)(2131)\begin{pmatrix}1 & 0\\ -1 & 1\end{pmatrix}\quad \begin{pmatrix}-2 & -1\\ -3 & -1\end{pmatrix}

Die dritte Matrix ist nicht invertierbar, da sie singulär ist.

Bildet die Menge der 2×22\times2-Matrizen bezüglich der Multiplikation eine Gruppe?

Determinante, reguläre und singuläre Matrizen

Eine Ursprungsaffinität kann durch eine Matrix

(a11a12 a21a22)\begin{pmatrix}a_{11} & a_{12}\ a_{21} & a_{22}\end{pmatrix}

mit geeigneten Komponenten aijRa_{ij}\in\mathbb{R} dargestellt werden. Umgekehrt stellt sich die Frage, ob jede Matrix

(a11a12 a21a22)\begin{pmatrix}a_{11} & a_{12}\ a_{21} & a_{22}\end{pmatrix}

auch eine Ursprungsaffinität repräsentiert. Da die Abbildung α\alpha, wiedergegeben durch eine Matrix AA, linear in ihren Argumenten ist,

Av=A(xy)=A(xe1+ye2)=xAe1+yBe2=xe1+ye2A\vec{v} = A\begin{pmatrix}x\\ y\end{pmatrix} = A(x\vec{e_1}+y\vec{e_2}) = x\cdot A\vec{e_1}+y\cdot B\vec{e_2} = x\cdot\vec{e_1'}+y\cdot\vec{e_2'}

ist die Abbildung α\alpha geraden-, parallelen- und verhältnistreu. Zudem ist der Ursprung ein Fixpunkt. Für eine Ursprungsaffinität fehlt also einzig und allein noch das Kriterium der Bijektivität.

Exercise 8: Invertierbarkeit?

Nehmen wir an, eine Abbildung α\alpha, repräsentiert durch die Matrix AA, sei nicht bijektiv; d.h. also, dass zwei verschiedene Vektoren uv\vec{u}\neq\vec{v} dasselbe Bild haben: Au=AvA\vec{u} = A\vec{v}. Was lässt sich jetzt über die Matrix AA aussagen? (Tipp: Vereinfache das entstehende Gleichungssystem A(uv)=0A\cdot(\vec{u}-\vec{v}) = 0).

Solution

Au=AvA(uv)=0A=0A\vec{u} = A\vec{v}\Leftrightarrow A(\vec{u}-\vec{v}) = \vec{0}\Leftrightarrow A = 0

Definition 3: Determinante

Die Determinante einer 2×22\times2-Matrix AA ist definiert durch

det(A)=A=a11a22a12a21\det(A) = |A| = a_{11}a_{22}-a_{12}a_{21}
Exercise 9: Determinanten

Berechne die Determinanten der folgenden Matrizen. Was stellst du fest?

A=(1011)B=(2132)C=(2436)A = \begin{pmatrix}1 & 0\\ 1 & 1\end{pmatrix}\quad B = \begin{pmatrix}-2 & 1\\ 3 & 2\end{pmatrix}\quad C = \begin{pmatrix}2 & -4\\ -3 & 6\end{pmatrix}
Solution

det(A)=1\det(A)=1, det(B)=7\det(B)=-7, det(C)=24\det(C)=24

Definition 4: Reguläre Matrix

Eine Matrix AA heisst regulär, falls ihre Determinante det(A)0\det(A) \neq 0; sonst wird sie singulär genannt.

Theorem 3

Die Menge der regulären 2×22\times2-Matrizen bildet bezüglich der Multiplikation eine Gruppe. Sie entspricht gerade der Menge aller Ursprungsaffinitäten.

Proof

Übung. Finde das neutrale Element und inverse Elemente. Assoziativität kann man ebenfalls nachprüfen.

Exercise 10: Multiplikativität der Determinante

Zeige: det(A)det(B)=det(AB)\det(A)\cdot\det(B) = \det(A\cdot B)

Solution

Man rechnet allgemein beide Seiten aus und sieht, dass sie identisch sind.

Exercise 11

Berechne die Determinanten der Matrizen, die zu folgenden Abbildungen gehören:

  • Identität,

  • Streckung am Ursprung mit dem Faktor kk,

  • Spiegelung an den Koordinatenachsen,

  • Spiegelung am Ursprung,

  • Scherung an der xx- bzw. yy-Achse,

  • Drehung um den Ursprung,

  • Spiegelung an einer Ursprungsgeraden.

Solution

a) 11, b) k2k^2, c) 1-1, d) 1-1, der Rest ist 11, ausser die letzte, 1-1.

Exercise 12

Zeige, dass der Betrag der Determinante det(A)|\det(A)| gerade dem Flächeninhalt des von den Bildern von e1\vec{e_1} und e2\vec{e_2} aufgespannten Parallelogramms entspricht. (Tipp: Umschreibe dem Paralellogramm ein Rechteckt und subtrahiere die überschüssigen Dreiecke.)

Solution

Man bestimmt die Fläche FF des Parallelogramms und erhält a11a22a12a21=det(A)a_{11}a_{22}-a_{12}a_{21}=\det(A).

Exercise 13: Parameter

Die Abbildung

α={3x+4y2x+λy\alpha=\begin{cases}3x+4y\\ 2x+\lambda y\end{cases}

ist gegeben.

a) Für welches λ\lambda ist die zu α\alpha gehörende Matrix AA regulär?

b) Bestimme das Bild der Ebene, wenn AA singulär ist.

c) Begründe: Wenn eine durch eine Matrix AA gegebene Abbildung zwei verschiedene Punkte auf den gleichen Punkt abbildet, dann bildet sie mindestens einen vom Ursprung verschiedenen Punkt auf den Ursprung ab. (Tipp: Betrachte die Differenz der Ortsvektoren der beiden Punkte.)

Solution

a) $\lambda\in\mathbb{R}\setminus{\tfrac{8}{3}},

b) $A=\begin{pmatrix}3 & 4\ 2 & \tfrac{8}{3}\end{pmatrix}

c) Au=AvA(uv)=0Au=Av\Leftrightarrow A(u-v)=0.

Exercise 14: Vererbung der Regularität

Von zwei Abbildungen α\alpha und β\beta sei α\alpha regulär und β\beta singulär. Ist αβ\alpha\circ\beta singulär oder regulär?

Solution

Wegen der Multiplikativität der Determinante ist sie singulär.

Exercise 15: Inverse Matrix

Für die Berechnung der Inversen einer Matrix AA existiert die Formel

A1=1det(A)(a22a12a21a11)A^{-1}=\frac{1}{\det(A)}\cdot\begin{pmatrix}a_{22} & -a_{12}\\ -a_{21} & a_{11}\end{pmatrix}

a) Beweise dies, indem du von der Eigenschaft AA1=EA\cdot A^{-1}=E Gebrauch machst.

b) Berechne die Inverse zu

A=(2163)A=\begin{pmatrix}2 & 1\\ -6 & 3\end{pmatrix}

\item Zeige, dass

det(A1)=1det(A)\det(A^{-1})=\frac{1}{\det(A)}
Solution

a) einfache Rechnung

b) $A^{-1}=\frac{1}{12}\begin{pmatrix}3 & -1\6 & 2\end{pmatrix}

c) 1=det(E)=det(AA1)=det(A)det(a1)1=\det(E)=\det(AA^{-1})=\det(A)\cdot\det(a^{-1}) woraus die Behauptung folgt.

Fläche und Orientierung

Nicht nur der Betrag der Determinante einer Matrix AA hat eine geometrische Bedeutung (Flächeninhalt des durch die Affinität α\alpha erzeugten Bildes des durch die Basisvektoren e1\vec{e_1} und e2\vec{e_2} aufgespannten Einheitsquadrates), sondern auch ihr Vorzeichen. Um das zu verstehen, machen wir einen kleinen Ausflug ins Dreidimensionale und die Vektorgeometrie.

Definition 5: Vektorprodukt

Das Vektorprodukt zweier Vektoren

a=(axayaz) und b=(bxbybz)\vec{a}=\begin{pmatrix}a_x&a_y&a_z\end{pmatrix} \text{ und } \vec{b}=\begin{pmatrix}b_x&b_y&b_z\end{pmatrix}

ergibt einen Vektor v\vec{v} definiert durch

v:=a×b=(axayaz)×(bxbybz)=(aybzazbyazbxaxbzaxbyaybx)\vec{v} := \vec{a}\times\vec{b} = \begin{pmatrix}a_x\\ a_y\\ a_z\end{pmatrix}\times\begin{pmatrix}b_x\\ b_y\\ b_z\end{pmatrix} = \begin{pmatrix}a_yb_z-a_zb_y\\ a_zb_x-a_xb_z\\ a_xb_y-a_yb_x\end{pmatrix}
Note 2

Das Vektorprodukt v=a×b\vec{v}=\vec{a}\times\vec{b} besitzt folgende Eigenschaften:

  • Das Vektorprodukt v\vec{v} steht senkrecht auf den Vektoren a\vec{a} und b\vec{b}.
  • Die Länge des Vektorproduktes v\vec{v} entspricht gerade dem Flächeninhalt des durch a\vec{a} und b\vec{b} aufgespannten Parallelogramms.
  • Die Vektoren a,b,v\vec{a},\vec{b},\vec{v} bilden in dieser Reihenfolge ein Rechtssystem.

Der zweidimensionalen Raum R2\mathbb{R}^2 kann durch Ergänzen einer zz-Komponente zum dreidimensionalen Raum aufgepeppt werden. In diesem Sinn wird der R2\mathbb{R}^2 - als Einbettung in den R3\mathbb{R}^3 - auch für das an und für sich nur im dreidimensionalen Raum definierte Vektorprodukt zugänglich; die zz-Komponente wird einfach 00 gesetzt. Damit ergibt sich z.B. für die Spaltenvektoren der Abbildungsmatrix

A=(a11a12 a21a22)A=\begin{pmatrix}a_{11} & a_{12}\ a_{21} & a_{22}\end{pmatrix} (a11a210)×(a12a220)=(00a11a22a12a21)=(00det(A))\begin{pmatrix}a_{11}\\ a_{21}\\ 0\end{pmatrix}\times\begin{pmatrix}a_{12}\\ a_{22}\\ 0\end{pmatrix} = \begin{pmatrix}0\\ 0\\ a_{11}a_{22}-a_{12}a_{21}\end{pmatrix} = \begin{pmatrix}0\\ 0\\ \det(A)\end{pmatrix}

Aus den Eigenschaften des Vektorprodukts folgt jetzt: Ist die Determinante der Matrix AA positiv, so müssen die Vektoren (a11a21)\begin{pmatrix}a_{11}\\ a_{21}\end{pmatrix} und (a12a22)\begin{pmatrix}a_{12}\\ a_{22}\end{pmatrix} dieselbe "Orientierung" aufweisen, wie die Basisvektoren e1\vec{e_1} und e2\vec{e_2}. Korrekter:

Note 3

Das Quadrat, aufgespannt durch die Basisvektoren e1\vec{e_1} und e2\vec{e_2} hat genau dann dieselbe Orientierung (gleichsinnig) wie das durch die Vektoren aufgespannte (a11a21)\begin{pmatrix}a_{11}\\ a_{21}\end{pmatrix} und (a12a22)\begin{pmatrix}a_{12}\\ a_{22}\end{pmatrix} Parallelogramm, wenn die Determinante von AA positiv ist. Ist die Determinante negativ, so bewirkt die durch AA repräsentierte Abbildung einen Orientierungswechsel (gegensinnig).

Damit nicht genug; es gilt der folgende

Theorem 4

Ist AA die Matrix, die zu einer Ursprungsaffinität α\alpha gehört, so besteht zwischen den Flächeninhalten FF und FF' eines Vielecks und dessen Bildes die Beziehung

F=det(A)FF' = |\det(A)|\cdot F
Proof

Sei ein Dreieck TT mit den Punkten a,b,cR2\vec{a}, \vec{b}, \vec{c} \in \mathbb{R}^2. Der Flächeninhalt von TT ist gegeben durch:

F=12det(ba,ca)F = \frac{1}{2} \cdot \left| \det(\vec{b} - \vec{a}, \vec{c} - \vec{a}) \right|

Nach Anwendung der linearen Abbildung α(x)=Ax\alpha(\vec{x}) = A \vec{x} wird das Bilddreieck durch die Punkte Aa,Ab,AcA\vec{a}, A\vec{b}, A\vec{c} beschrieben. Der neue Flächeninhalt ist dann:

F=12det(A(ba),A(ca))F' = \frac{1}{2} \cdot \left| \det\left( A(\vec{b} - \vec{a}), A(\vec{c} - \vec{a}) \right) \right|

Verwende nun die Eigenschaft der Determinante:

det(Au,Av)=det(A)det(u,v)\det(A\vec{u}, A\vec{v}) = \det(A) \cdot \det(\vec{u}, \vec{v})

Dann folgt:

F=12det(A)det(ba,ca)=det(A)12det(ba,ca)=det(A)F\begin{align*} F' &= \frac{1}{2} \cdot \left| \det(A) \cdot \det(\vec{b} - \vec{a}, \vec{c} - \vec{a}) \right| \\ &= |\det(A)| \cdot \frac{1}{2} \cdot \left| \det(\vec{b} - \vec{a}, \vec{c} - \vec{a}) \right| \\ &= |\det(A)| \cdot F \end{align*}

Damit ist gezeigt, dass bei einer linearen Abbildung α(x)=Ax\alpha(\vec{x}) = A \vec{x} der Flächeninhalt des Bildes eines Dreiecks (und damit auch jedes Vielecks durch Zerlegung) mit dem Betrag der Determinante der Abbildungsmatrix skaliert wird.

Example 3

Die zur zentrischen Streckung am Ursprung gehörende Matrix.

A=(k00k)A = \begin{pmatrix}k&0\\0&k\end{pmatrix}

mit dem Streckungsfaktor kk besitzt die Determinante det(A)=k2\det(A) = k^2. D.h. also, dass durch die zentrische Streckung mit dem Faktor kk die Flächen mit k2k^2 multipliziert werden. Die Orientierung bleibt dabei erhalten, auch wenn kk negativ ist.

Exercise 16: Flächeninhalte

a) Gegeben sei das Parallelogramm PQRSPQRS mit P(10),Q(03)P(1|0), Q(0|3) und S(31)S(3|1). Ermittle die Fläche dieses Parallelogramms (mit und ohne Zeichnung). α\alpha sei die Abbildung mit

α={2xyx+y.\alpha=\begin{cases}-2x-y\\ -x+y.\end{cases}

Ermittle den Flächeninhalt FF' und die Orientierung des Bildparallelogramms, zunächst ohne seine Ecken zu berechnen.

b) Berechne nun P,Q,RP', Q', R' und SS'.

c) Bestimme die Determinante der Spiegelung an irgendeiner Ursprungsgeraden.

Solution

PS×PQ=(007)\vec{PS}\times\vec{PQ}=(0|0|7), also F=7F=7, R(24)R(2|4). Man hat det(A)=3\det(A)=-3 und F=21F'=21. P(21)P'(-2|-1), Q(33)Q'(-3|3), R(82)R'(-8|2), S(72)S'(-7|-2). Die Determinante müsste 1-1 sein, da der Umlaufssinn ändert aber der Flächeninhalt nicht.