Kombinatorik

2145275226626532000021\,452\,752\,266\,265\,320\,000

verschiedene Spiele dieser Art gibt!

Mit diesen und ähnlichen Zählproblemen beschäftigt sich die Kombinatorik, ein Teilgebiet der Arithmetik. Sie untersucht, auf wie viele Arten bestimmte Objekte ausgewählt und wie diese Objekte angeordnet werden können. Wir wollen uns auf die Auswahl aus endlichen Mengen beschränken; Kombinatorik ist im Wesentlichen finite Mathematik. Die zwei wichtigsten Probleme für die Kombinatorik sind:

Dabei kann sich durchaus ergeben, dass unter den gestellten Bedingungen gar keine Lösung existiert. Bei praktischen Aufgaben stellt sich zudem oft die Frage, wie die Lösungen am besten klassifiziert werden können bzw. welche Lösung ein Optimum für bestimmte Zwecke darstellt.

Mit den folgenden fünf Aufgaben sollen zunächst die wesentlichen Aufgabentypen der Kombinatorik, die in der Schulmathematik ihren Platz gefunden haben, vorgestellt werden. Diese Aufgaben werden später auf ein gemeinsames Modell, das Urnenmodell, zurückgeführt.

Exercise 1: Arrangieren

Wie viele verschiedene Buchstabenfolgen kann man mit den Buchstaben

a) T, O, R

b) S, I, S, S, I

bilden, wenn jeweils alle Buchstaben zu verwenden sind?

Solution

a) An den ersten drei Positionen kann man aus 33 Buchstaben wählen, bei der nächsten noch aus 22 und danach setzt man noch den übrig gebliebenen Buchstaben; also kann dies auf 321=3!=63\cdot2\cdot1 = 3! = 6 Arten geschehen.

b) Hier ist es kniffliger, da man gleichartige Buchstaben hat. Man denke sich die gleichartigen nummeriert (z. B. I1I_{1}, I2I_{2}). Jetzt berechnet man die Kombinationen, als hätte man lauter Individuen. Abschliessend muss durch die Anzahl Kombinationsmöglichkeiten aller nummerierten, gleichartigen dividiert werden, da sie sich ja eigentlich nicht unterscheiden lassen. Für SISSI gibt es also 5!2!3!=10\frac{5!}{2!\cdot3!} = 10 Möglichkeiten.

Exercise 2: Wer kennt Toto?

Wie viele Prognosen können für die beiden ersten Fussballspiele eines Totozettels gegeben werden?

Solution

Das sind 33=93\cdot3 = 9.

Exercise 3: Öpfuchueche

Für eine kleine Apfelwähe lässt sich Frau Gschwind von ihrem Kaufmann, der die Sorten Gravensteiner und Delicious – gemischt in einer grossen Kiste – verkauft, vier beliebige Äpfel geben. Wie viele verschiedene Apfelwähen könnten so entstehen?

Solution

Das sind 55. Man stelle sich die vier Äpfel in einer Reihe ausgelegt vor. Nun kann man mit einer Trennwand die beiden Sorten aufteilen. Diese Trennwand kann an 55 verschiedenen Stellen (_\_) positioniert werden: _ A _ A _ A _ A _\_\ \text{A}\ \_\ \text{A}\ \_\ \text{A}\ \_\ \text{A}\ \_

Aus der Mannigfaltigkeit der kombinatorischen Aufgaben seien hier noch erwähnt:

Aus den bisherigen Aufgaben mag der Eindruck entstehen, dass es sich bei der Kombinatorik um eine «gehobene Unterhaltungsmathematik» handelt. Tatsächlich gab es erst um 1900 ein erstes ernst zu nehmendes Lehrbuch der Kombinatorik, das Lösungsmethoden für sämtliche klassischen Aufgaben bereitstellte. Seit etwa 1950 ist die Kombinatorik zu einer anerkannten und selbstständigen Disziplin innerhalb der Mathematik geworden. In anderen mathematischen Disziplinen (Wahrscheinlichkeitsrechnung, Zahlentheorie, Graphentheorie etc.), aber auch in anderen Wissenschaften (Linguistik, Biologie, Physik, Nachrichtentechnik etc.) tauchten immer mehr Probleme auf, die nur mit kombinatorischen Mitteln zu lösen waren. Insbesondere erlaubten seit 1950 die Computer ein experimentelles Arbeiten, das ganz neue Lösungswege eröffnete; ein schönes Beispiel dazu ist der Beweis des Vierfarbensatzes.

Vier-Farben-Satz

1852 wurde folgendes Problem formuliert:

Jede auf einem Stück Papier gezeichnete Landkarte lässt sich mit nur vier Farben so färben, dass niemals zwei aneinandergrenzende Länder dieselbe Farbe erhalten.

Erst 1976 konnte nach jahrelanger ständiger Verbesserung der Methoden mit 1200 Stunden Rechenzeit an drei Computern der Satz bewiesen werden.

Summen- und Produktregel

Will man die Anzahl der Schüler einer Schule ermitteln, so könnte man an einem bestimmten Morgen jeden Schüler, der durch die Eingangstüre kommt, einzeln zählen. Einfacher wäre es, die einzelnen Klassenbestände zu ermitteln und zu addieren. Die Idee ist folgende: Um die Anzahl der Elemente einer Menge GG zu ermitteln, ist es oft einfacher, diese Menge zuerst in elementfremde Teilmengen A1,A2,A3,,ArA_1, A_2, A_3, \dots, A_r zu zerlegen und dann die entsprechenden Zahlen zu addieren.

Theorem 1
card(G)=card(A1)+card(A2)++card(Ar)\text{card}(G) = \text{card}(A_1)+\text{card}(A_2)+\dots+\text{card}(A_r)

wobei AiAj=,i,j=1,2,,rA_i\cap A_j = \emptyset, i,j=1,2,\dots,r.

Verallgemeinerung: Kann ein Vorgang auf n1n_1 verschiedene Arten ausgeführt werden, danach ein weiterer auf n2n_2 verschiedene Arten, dem folgend ein dritter auf n3n_3 verschiedene Arten und so weiter, dann gibt es n1n2n3nkn_1\cdot n_2\cdot n_3\cdot\dots\cdot n_k verschiedene Möglichkeiten, den so beschriebenen Gesamtvorgang auszuführen.

Theorem 2
Anzahl=n1n2n3nk\text{Anzahl} = n_1\cdot n_2\cdot n_3\cdot\dots\cdot n_k

Zur Visualisierung kann ein Baumdiagramm gezeichnet werden.

Exercise 4: Vierstellige Zahlen

Wie viele vierstellige Zahlen mit lauter ungeraden Ziffern gibt es?

Solution

Pro Stelle hat man 55 ungerade Ziffern zur Verfügung, also gibt es 54=6255^{4}=625 Möglichkeiten.

Exercise 5: Wörter

Wie viele «Wörter» der Form KVKVK (K: Konsonant, V: Vokal) gibt es, wenn ein Buchstabe

a) mehrfach

b) nur einmal verwendet werden darf?

Solution

Es gibt 2121 Konsonanten und 55 Vokale.

a) 21521521=21352=23152521\cdot 5\cdot21\cdot 5\cdot21 = 21^{3}\cdot5^{2} = 231'525

b) 21520419=15960021\cdot5\cdot20\cdot4\cdot19 = 159'600

Exercise 6: Nummernschild

In der Schweiz enthalten die Nummernschilder der Autos in der Regel zwei Buchstaben (Kantonszeichen), denen sechs Ziffern folgen, wobei die erste nicht Null ist. Wie viele Schilder gibt es?

Solution

Es gibt theoretisch 269105=2340000026\cdot9\cdot10^{5} = 23'400'000 verschiedene Schilder.

Permutationen

In einer obigen Aufgabe hat man gesehen, dass die Buchstaben T, O und R auf sechs verschiedene Arten TOR, TRO, ORT, OTR, RTO, ROT angeordnet (permutiert) werden können. Auf die Anzahl 6 schliesst man mit der Produktregel: Für den ersten Buchstaben stehen drei Möglichkeiten (T, O oder R) zur Verfügung, für den zweiten bleiben noch zwei Möglichkeiten, für den dritten bleibt nur noch eine Möglichkeit. Insgesamt gibt es also

321=63\cdot2\cdot1 = 6

verschiedene Möglichkeiten der Anordnung. Allgemein gilt:

Theorem 3

Die Anzahl aller Permutationen von nn verschiedenen Elementen ist

Pn=n(n1)(n2)321=:Def.n!P_n = n\cdot(n-1)\cdot(n-2)\cdot\dots\cdot3\cdot2\cdot1 \stackrel{\text{Def.}}{=:} n!
Note 1

n!n! spricht man «nn Fakultät» aus.

Exercise 7: Fakultäten

Berechne bzw. vereinfache:

a) 10!3!\frac{10!}{3!}

b) 34!43!\frac{3\cdot4!}{4\cdot3!}

c) n(n1)!n(n-1)!

d) (n+3)!n!÷(n+1)!(n1)!\frac{(n+3)!}{n!}\div\frac{(n+1)!}{(n-1)!}

Solution

a) 604800604'800

b) 33

c) n(n1)!=n!n\cdot(n-1)! = n!

d) (n+3)!n!÷(n+1)!(n1)!=(n+3)!(n1)!n!(n+1)!=(n+3)(n+2)n\frac{(n+3)!}{n!}\div\frac{(n+1)!}{(n-1)!} = \frac{(n+3)!(n-1)!}{n!(n+1)!} = \frac{(n+3)(n+2)}{n}

Exercise 8: Bücher

33 Physikbücher, 44 Informatikbücher und 55 Mathematikbücher sollen auf ein Regal gestellt werden. Auf wie viele Arten geht dies, wenn die Bücher des gleichen Fachgebiets nebeneinander stehen sollen und alle Bücher verschieden sind?

Solution

Die Fächer kann man paketweise auf 3!3! Arten anordnen. Innerhalb dieser Fächer sind dann insgesamt 3!4!5!3!\cdot4!\cdot5! Anordnungen möglich. Das ergibt ein Total von sagenhaften 103680103'680 verschiedenen Anordnungen.

Exercise 9: In Reihe

a) Auf wie viele Arten können sich elf Personen in eine Reihe setzen?

b) Wie viele Möglichkeiten gibt es, wenn zwei Personen unbedingt nebeneinander sitzen wollen?

c) Löse a) und b) für die Sitzordnungen an einem runden Tisch.

Solution

a) 11!40Mio.11!\approx40\,\mathrm{Mio.}

b) Die beiden Personen können auf 22 Arten nebeneinander sitzen. Nun kann dieses Pärchen sich zwischen und um die 99 verbliebenen Personen setzen, die sich permutieren können: 2!109!=72576002!\cdot10\cdot 9!=7\,257\,600.

c) 11!/11=10!=362880011!/11=10!=3\,628\,800 und 10!/102!=72576010!/10\cdot2!=725\,760

Gegeben seien nn Elemente, von denen genau kk untereinander gleich sind. Diese kk gleichen Elemente werden für einen Moment mit Indizes versehen, sodass man sie voneinander unterscheiden kann. Die Anzahl aller Permutationen ist dann n!n!, wobei aber jeweils k!k! Permutationen sich nur in den Stellungen der extra verschieden bezeichneten Elemente unterscheiden. Macht man die Indizierung rückgängig, so sind jeweils k!k! Permutationen nicht mehr voneinander verschieden. Also ist in diesem Fall die Anzahl der Permutationen n!k!\frac{n!}{k!}. Allgemein gilt:

Theorem 4

Die Anzahl der Permutationen von nn Elementen, unter denen ein Element k1k_1-mal, ein zweites Element k2k_2-mal, ... , ein rr-tes Element krk_r-mal vorkommt, ist

Pn,k1,,kr=n!k1!k2!k3!kr!P_{n,k_1,\dots,k_r} = \frac{n!}{k_1!\cdot k_2!\cdot k_3!\cdot\dots\cdot k_r!}
Exercise 10: Mississippi

Auf wie viele Arten kann man die Buchstaben von

a) OTTO

b) MISSISSIPPI

c) deinen Namen für ein Anagramm permutieren?

Solution

a) 4!2!2!=6\frac{4!}{2!\cdot2!} = 6

b) 11!(4!)22!=34650\frac{11!}{(4!)^{2}\cdot2!} = 34'650

c) Jorma 5!=1205!=120

Exercise 11: Fahnen

Ein Signal kann durch sechs Fahnen, die untereinander hängen, gegeben werden. Wie viele verschiedene Signale kann man mit vier gleichen roten und zwei gleichen blauen Fahnen bilden?

Solution

6!4!2!=15\frac{6!}{4!\cdot 2!} = 15

Stichproben

Die ersten Aufgaben aus dem Einführungskapitel sollen auf das Urnenmodell übertragen werden: In einer Urne sind nn Lose, die irgendwie gekennzeichnet sind. Aus dieser Urne werden kk Lose gezogen: eine Stichprobe vom Umfang kk.

Diese Ziehung kann auf vier verschiedene Arten erfolgen:

Geordnete Stichprobe mit Zurücklegen

Unmittelbar aus der Produktregel ergibt sich für die Anzahl der geordneten Stichproben mit Zurücklegen:

An,k=nnnn=nkA_{n,k} = n\cdot n\cdot n\cdot\dots\cdot n = n^k

Bei der dualen Version werden nicht kk Lose aus einer Urne gezogen, sondern kk unterscheidbare Dinge auf nn unterscheidbare Urnen beliebig verteilt. Dazu gibt es nnnn=nkn\cdot n\cdot n\cdot\dots\cdot n=n^k Möglichkeiten.

Exercise 12: Werfen und Würfeln

Wie viele Ergebnisse sind möglich, wenn man

a) eine Münze

b) einen Würfel

fünfmal wirft?

Solution

a) 25=322^{5} = 32

b) 65=77766^{5} = 7776

Exercise 13: Safe

Bei einem Safeschloss sind fünf Einstellungen einer Ziffer von 1 bis 9 möglich. Wie viel Zeit benötigt man, um alle Einstellungen auszuprobieren, wenn man für eine Einstellung durchschnittlich vier Sekunden braucht?

Solution

Man braucht 954=236196s9^{5}\cdot4=236'196\,\mathrm{s}. Das sind ca. 6565 Stunden.

Geordnete Stichprobe ohne Zurücklegen

Auch in diesem Fall ergibt sich die Anzahl der geordneten Stichproben ohne Zurücklegen unmittelbar aus der Produktregel:

An,k=n(n1)(n2)(nk+1)=n!(nk)!A_{n,k} = n\cdot(n-1)\cdot(n-2)\cdot\dots\cdot(n-k+1) = \frac{n!}{(n-k)!}

mit knk \leq n.

Bei der dualen Version werden kk unterscheidbare Dinge so auf nn unterscheidbare Urnen verteilt, dass in jeder Urne höchstens ein Ding zu liegen kommt (knk\leq n). Dazu gibt es n(n1)(n2)(nk+1)n\cdot(n-1)\cdot(n-2)\cdot\dots\cdot(n-k+1) Möglichkeiten. Statt «Urne» sagt man bei dieser Version besser «Platz». Die Permutationen von nn verschiedenen Elementen sind ein Spezialfall der geordneten Stichprobe ohne Zurücklegen (k=nk=n). Damit gibt es auch n!n! verschiedene Möglichkeiten, nn voneinander verschiedene Dinge auf nn Plätze zu verteilen.

Exercise 14: Sprinter

Acht Sprinter kämpfen bei den Olympischen Spielen um die Gold-, Silber- und Bronzemedaille. Auf wie viele Arten kann die Siegerehrung erfolgen?

Solution

876=3368\cdot7\cdot6 = 336

Exercise 15: 0!

Wie sollte 0!0! definiert werden?

Solution

Mit der Kombinatorik-Interpretation möchte man 00 Elemente permutieren. Dies geht auf 11 Art, nämlich nicht. Ferner gilt (nk)!=n!n(n1)(nk+1)(n-k)! = \frac{n!}{n\cdot(n-1)\cdot\dots\cdot(n-k+1)}, also im Falle n=kn=k:

0!=(nn)!=n!n(n1)(nn+1)=n!n(n1)1=n!n!=1.0! = (n-n)! = \frac{n!}{n\cdot(n-1)\cdot\dots\cdot(n-n+1)} = \frac{n!}{n\cdot(n-1)\cdot\dots\cdot1} = \frac{n!}{n!} = 1.

Somit setzt man 0!:=10! := 1.

Ungeordnete Stichprobe ohne Zurücklegen

Für die Anzahl der ungeordneten Stichproben ohne Zurücklegen betrachte man noch einmal die Lösungen der Aufgaben aus dem Einführungskapitel.

Allgemein gilt: Jede der Stichproben vom Umfang kk, die man mit einem Griff zieht, kann man auf k!k! Arten ordnen. Nach dieser aufoktroyierten Ordnung hat man gerade den Fall der geordneten Stichproben ohne Zurücklegen. Deshalb gibt es k!k!-mal mehr geordnete als ungeordnete Stichproben. Die Anzahl der ungeordneten Stichproben ohne Zurücklegen beträgt demnach:

An,k=n!(nk)!÷k!=n!k!(nk)!=:Def.(nk)A_{n,k} = \frac{n!}{(n-k)!}\div k! = \frac{n!}{k!(n-k)!} \stackrel{\text{Def.}}{=:} \binom{n}{k}

wobei knk\leq n.

Exercise 16: Binomialkoeffizienten

Zeige durch Rechnung:

a) (n0)=(nn)=1\binom{n}{0} = \binom{n}{n}=1

b) (nk)=(nnk)\binom{n}{k} = \binom{n}{n-k}

c) (n2)=n(n1)2\binom{n}{2} = \frac{n(n-1)}{2}

Solution

a) (n0)=n!0!n!=n!1n!=1\binom{n}{0} = \frac{n!}{0!\cdot n!} = \frac{n!}{1\cdot n!} = 1

b) (nk)=n!k!(nk)!=n!(nk)!k!=n!(nk)!(n(nk))!=(nnk)\binom{n}{k} = \frac{n!}{k!\cdot (n-k)!} = \frac{n!}{(n-k)!\cdot k!} = \frac{n!}{(n-k)!\cdot (n-(n-k))!} = \binom{n}{n-k}

c) (n2)=n!2!(n2)!=n!2(n2)!=n(n1)2\binom{n}{2} = \frac{n!}{2!\cdot(n-2)!} = \frac{n!}{2\cdot(n-2)!} = \frac{n(n-1)}{2}

Exercise 17: Schülerdelegation

Aus zehn Schülern soll eine Delegation von vier Mitgliedern und innerhalb der Delegation ein Sprecher bestimmt werden. Auf wie viele Arten geht dies? Verallgemeinere auf nn Schüler und kk Delegationsmitglieder und leite so eine allgemeine Beziehung her.

Solution

Aus nn Schülern die geforderten kk Delegationsmitglieder auswählen kann man auf (nk)\binom{n}{k} Arten. Aus den jeweils kk Delegierten gibt es kk mögliche Sprecher: k(nk)k\cdot\binom{n}{k}.

Exercise 18: Handshake

Wie viele Händedrücke gibt es, wenn sich nn Personen begrüssen und jeder jedem nur einmal die Hand gibt?

Solution

Es sind (n2)\binom{n}{2} oder anders formuliert: Eine Person grüsst (n1)(n-1) Leute. Da es nn Personen sind und egal ist, ob beispielsweise A B grüsst oder B A, gibt es n(n1)2\frac{n(n-1)}{2} Begrüssungen.

Exercise 19: Jasskarten verteilen

Auf wie viele Arten kann man die 36 Jasskarten an

a) zwei

b) drei

c) vier

Spieler verteilen?

Solution

a) (3618)(1818)9109\binom{36}{18}\cdot\binom{18}{18} \approx 9\cdot10^{9}

b) (3612)(2412)3.41015\binom{36}{12}\cdot\binom{24}{12} \approx 3.4\cdot10^{15}

c) (369)(279)(189)2.11019\binom{36}{9}\cdot\binom{27}{9}\cdot\binom{18}{9} \approx 2.1\cdot10^{19}

Ungeordnete Stichprobe mit Zurücklegen

Für den schwierigsten Fall der ungeordneten Stichproben mit Zurücklegen formulieren wir die Apfelkuchen-Aufgabe ein wenig um: Auf wie viele Arten kann man Äpfel aus der Menge {Delicious, Gravensteiner}\{\text{Delicious, Gravensteiner}\} eine ungeordnete Stichprobe vom Umfang vier entnehmen?

Bezeichnet man mit x1N0x_1\in\mathbb{N}_0 die Anzahl DD und mit x2N0x_2\in\mathbb{N}_0 die Anzahl GG, so muss die Anzahl der Lösungen der Gleichung

x1+x2=4x_1+x_2=4

ermittelt werden. Jede Lösung erhält man, wenn man in der Figur 1111 an geeigneter Stelle einen Trennstrich einsetzt. Zum Beispiel entspricht der Figur

1111111|1

die Lösung drei Delicious und ein Gravensteiner. Für die Setzung des Trennstriches gibt es fünf Möglichkeiten, da der Trennstrich sowohl am Anfang als auch am Ende der Figur gesetzt werden kann. Es gibt demnach (51)=5\binom{5}{1}=5 Stichproben.

Bevor auf mm Sorten und kk Äpfel verallgemeinert wird, betrachten wir noch ein weiteres Beispiel mit m=4m=4 und k=10k=10. Die zugehörige Gleichung lautet:

x1+x2+x3+x4=10x_1+x_2+x_3+x_4=10

Aus der mit vertikalen Trennstrichen versehenen Figur

1111111111111|11||11111

kann man die spezielle Lösung x1=3,x2=2,x3=0x_1 = 3, x_2 = 2, x_3 = 0 und x4=5x_4 = 5 ablesen. In diesem Beispiel hat man drei Trennstriche anzubringen. Die vollständige Figur besteht dann aus zehn Einsen und drei Trennstrichen. Man hat aus 13 Plätzen 10 Plätze für die Einsen oder 3 Plätze für die Trennstriche auszuwählen, um alle gewünschten Stichproben zu erhalten. Dies geht auf (1310)=(133)=286\binom{13}{10}=\binom{13}{3}=286 Arten.

Im allgemeinen Fall sind (m1)(m-1) Trennstriche anzubringen; die vollständige Figur besteht aus kk Einsen und (m1)(m-1) Trennstrichen. Schliesslich sind aus k+(m1)k+(m-1) Plätzen deren kk für die Einsen oder deren (m1)(m-1) für die Trennstriche auszuwählen. Die Anzahl der ungeordneten Stichproben mit Zurücklegen beträgt also

Am,k=(m+k1k)=(m+k1m1)A_{m,k} = \binom{m+k-1}{k} = \binom{m+k-1}{m-1}
Exercise 20

Wie viele Lösungen hat die Gleichung

x1+x2+x3++x10=13(xN0)?x_1+x_2+x_3+\dots+x_{10} = 13\quad (x\in\mathbb{N}_0)?
Solution

(13+99)=497420\binom{13+9}{9}=497'420

Bei der dualen Version sind kk ununterscheidbare Dinge in mm Urnen zu legen. Bezeichnet man die Dinge mit Einsen, so müssen in der Figur

1111111111111\dots111

(m1)(m-1) Trennstriche als Markierungen für die Urnen gesetzt werden. Dazu gibt es, wie oben gezeigt,

(m+k1k)=(m+k1m1)\binom{m+k-1}{k} = \binom{m+k-1}{m-1}

Möglichkeiten.

Exercise 21: Parlamentssitze

Auf wie viele Arten können 60 Parlamentssitze auf drei Parteien verteilt werden?

Solution

(60+22)=1891\binom{60+2}{2} = 1891

Exercise 22: Kaninchen

Zehn ununterscheidbare Kaninchen sollen auf drei Käfige verteilt werden. Auf wie viele Arten geht dies, wenn

a) keine Einschränkungen vorgeschrieben sind

b) kein Käfig leer sein darf

c) kein Kaninchen allein und kein Käfig leer sein darf

Solution

a) (10+22)=66\binom{10+2}{2} = 66

b) Man stecke in jeden Käfig ein Kaninchen und verteile die restlichen 77 nach Belieben: (7+22)=36\binom{7+2}{2} = 36.

c) (4+22)=15\binom{4+2}{2} = 15

Vermischte Aufgaben

Exercise 23: Zahlen bilden

Gegeben seien die Ziffern 1, 2, 3, 4, 5, 6 und 7.

a) Wie viele dreistellige Zahlen mit verschiedenen Ziffern lassen sich bilden?

Wie viele davon sind

b) kleiner als 600

c) kleiner als 600 und grösser als 300

d) gerade

e) ungerade

f) durch 5 teilbar

g) durch 25 teilbar?

Solution

a) 765=2107\cdot6\cdot5=210

b) 565=1505\cdot6\cdot5=150

c) 365=903\cdot6\cdot5=90

d) 365=903\cdot6\cdot5=90

e) 465=1204\cdot6\cdot5=120

f) 165=301\cdot6\cdot5=30

g) 125=101\cdot2\cdot5=10

Pascalsches Dreieck

Das Pascalsche Dreieck

Von der Algebra her weiss man, dass die Koeffizienten der Potenzen des Binoms (a+b)(a+b) in einem interessanten dreieckigen Zahlenschema übersichtlich dargestellt werden können. Potenzen vom Typ (a+b)(a+b) sehen in der sukzessiven Entwicklung wie folgt aus:

(a+b)0=1(a+b)1=a+b(a+b)2=a2+2ab+b2(a+b)3=a3+3a2b+3ab2+b3=(a+b)n=an+nan1b++nabn1+bn\begin{align*} (a+b)^0&=1\\ (a+b)^1&=a+b\\ (a+b)^2&=a^2+2ab+b^2\\ (a+b)^3&=a^3+3a^2b+3ab^2+b^3\\ \dots\quad &= \quad\dots\\ (a+b)^n&=a^n+na^{n-1}b+\dots+nab^{n-1}+b^n \end{align*}

Das Pascalsche Dreieck gibt die Koeffizienten der zusammengefassten Summanden wieder:

11111\quad11211\quad2\quad113311\quad3\quad3\quad1146411\quad4\quad6\quad4\quad1151010511\quad5\quad10\quad10\quad5\quad1\dots\quad\quad\dots\quad\quad\dots1nn11\quad n\quad\quad\quad\dots\quad\quad\quad n\quad1
Note 2

Man beachte, dass die Exponenten der Summanden für aa von nn bis 00 fallen, die von bb steigen von 00 bis nn.

Exercise 24

Berechne die ersten fünf Zeilen des folgenden Schemas:

(00)\binom{0}{0}(10)(11)\binom{1}{0}\quad\binom{1}{1}(20)(21)(22)\binom{2}{0}\quad\binom{2}{1}\quad\binom{2}{2}(30)(31)(32)(33)\binom{3}{0}\quad\binom{3}{1}\quad\binom{3}{2}\quad\binom{3}{3}\dots\quad\quad\dots\quad\quad\dots(n0)(n1)(nn1)(nn)\binom{n}{0}\quad\binom{n}{1}\quad\quad\dots\quad\quad\binom{n}{n-1}\quad\binom{n}{n}
Solution

Man notiere das Pascalsche Dreieck.

Binomialkoeffizient

Theorem 5

Berechnet man die nn-te Potenz des Binoms (a+b)(a + b), so ist der Koeffizient von ankbka^{n-k}b^k gleich (nk)\binom{n}{k} für 0kn0\leq k\leq n.

Proof

Um den Term mit ankbka^{n-k}b^k zu bekommen, muss man aus den nn Faktoren von (a+b)n=(a+b)(a+b)(a+b)(a + b)^n = (a + b)(a + b)\dots(a + b) kk-mal den Summanden bb auswählen. Aus den restlichen nkn-k Faktoren wird dann nur noch der Summand aa berücksichtigt. Diese Auswahl kann auf (nk)\binom{n}{k} Arten erfolgen.

Theorem 6
(a+b)n=(n0)an+(n1)an1b+(n2)an2b2++(nn1)abn1+(nn)bn\begin{align*} (a+b)^n &= \binom{n}{0}a^n+\binom{n}{1}a^{n-1}b+\binom{n}{2}a^{n-2}b^2+\dots\\ & \dots+\binom{n}{n-1}ab^{n-1}+\binom{n}{n}b^n \end{align*}
Note 3

Die aus der Kombinatorik bekannte Zahl (nk)\binom{n}{k} nennt man deshalb auch Binomialkoeffizient.

Exercise 25: Binomialkoeffizient

a) Welche Eigenschaft der Binomialkoeffizienten ergibt sich aus der Tatsache, dass jede Zeile im Pascalschen Dreieck symmetrisch ist?

b) Zeige

(nk)+(nk+1)=(n+1k+1)\binom{n}{k}+\binom{n}{k+1} = \binom{n+1}{k+1}

für 0kn10 \leq k \leq n-1. Interpretiere diese Beziehung im Pascalschen Dreieck.

Solution

a) (nk)=(nnk)\binom{n}{k} = \binom{n}{n-k}

b) Die Summe zweier benachbarter Binomialkoeffizienten ergibt den Binomialkoeffizienten eine Zeile weiter unten mittig.