Reihen

Historisches zu "unendlich lange Summen"

Die folgenden Formeln sind Näherungen unendlich langer Summen; wir analysieren deren Qualität.

Exercise 1: Näherungen

Es gelten die folgenden Näherungsformeln:

π4113+1517+19cos(x)1x22!+x44!x66!11+x1x+x2x3x<1\begin{align*} \frac{\pi}{4}&\approx1-\frac{1}{3}+\frac{1}{5}-\frac{1}{7}+\frac{1}{9}\\ \cos(x)&\approx1-\frac{x^2}{2!}+\frac{x^4}{4!}-\frac{x^6}{6!}\\ \frac{1}{1+x}&\approx1-x+x^2-x^3\quad|x|<1 \end{align*}

Berechne damit π\pi, cos(π3)\cos(\frac{\pi}{3}) und 11+0.13\frac{1}{1+0.13}. Um wie viel Prozent weicht die Näherung vom "tatsächlichen" Wert ab?

Solution

a) 4(113+1517+19)3.339684(1-\frac{1}{3}+\frac{1}{5}-\frac{1}{7}+\frac{1}{9})\approx3.33968. Das sind ca. 6.3%6.3\,\% Abweichung.

b) 1(π3)22!+(π3)44!(π3)66!0.499961-\frac{(\tfrac{\pi}{3})^2}{2!}+\frac{(\tfrac{\pi}{3})^4}{4!}-\frac{(\tfrac{\pi}{3})^6}{6!}\approx0.49996, das sind etwa 0.007%0.007\,\% Abweichung.

c) 10.13+0.1320.1330.88471-0.13+0.13^2-0.13^3\approx0.8847. Ich kriege eine Abweichung von ca. 0.03%0.03\,\%

Je mehr Summanden berücksichtigt werden, desto genauer werden die Näherungswerte. Die Näherungsformel im dritten Beispiel wird in einer späteren Aufgabe begründet.

Der Mönch Guido Grandi, ein Mathematiker der Universität Pisa, kam 1703 in einer seiner Schriften zu dem Ergebnis, dass

11+11+11+1=12.1-1+1-1+1-1+1-\dots=\frac{1}{2}.

Obwohl er immer zwei aufeinanderfolgende Summanden zusammenfasste, zog er den Schluss:

0+0+0+0+0+0+=12.0+0+0+0+0+0+\dots=\frac{1}{2}.

Dies wurde als Beweis dafür interpretiert, dass Gott die Welt aus dem Nichts erschaffen könne. Leibniz stimmte 1713 zwar nicht in dieser Interpretation, wohl aber in der Argumentation zu. Denn betrachtet man die alternierende Reihe

11+11+11+,1-1+1-1+1-1+\dots,

und bricht sie nach einer geraden Anzahl von Gliedern ab, ergibt sich der Wert 00. Bricht man sie nach einer ungeraden Anzahl ab, ergibt sich der Wert 11. Da die Reihe unendlich viele Glieder enthält und man dem Unendlichen weder den Charakter einer geraden noch einer ungeraden Zahl zuschreiben kann, folgt, dass die Reihe weder den Wert 00 noch den Wert 11 besitzt. Daher müsse man ihr den Wert 1+02=12\tfrac{1+0}{2}=\frac{1}{2} zuschreiben.

Später wurde erkannt, dass es sich hierbei um ein Scheinproblem handelt. Zunächst muss präzise definiert werden, was unter der Summe unendlich vieler Glieder zu verstehen ist, da der Summenbegriff ursprünglich nur für Partialsummen eingeführt war.

Die Reihe

Aus den Gliedern einer Folge bildet man Partialsummen und damit die Folge ihrer Partialsummen:

sk+1=sk+ak+1s1=a1s_{k+1} = s_{k}+a_{k+1} \quad s_1=a_1

Erst durch diese Definition wird die Addition von unendlich vielen Summanden sinnvoll. Denn die Glieder der Partialsummenfolge können nun einem bestimmten Wert zustreben oder nicht. Entsprechend nennt man die Reihe konvergent oder divergent. Beispielsweise:

Definition 1: Reihe

Bei einer konvergenten Partialsummenfolge schreibt man

a1+a2+a3++ak+=limksk=:sa_1+a_2+a_3+\dots+a_k+\dots = \lim_{k\to\infty} s_k =: s

und bezeichnet den Grenzwert ss als die Reihe der Folge ak\langle a_k\rangle.

Exercise 2: Leibniz

Bilde bei der Zahlenfolge die Folge der Partialsummen und entscheide dann, ob die zur gegebenen Folge zugehörige Reihe konvergiert. Berechne gegebenenfalls die Summe ss dieser unendlichen Reihe und die Nummer N(ε)N(\varepsilon), von der an für ε=11000\varepsilon=\frac{1}{1000} der Abstand sks<ε|s_k-s|<\varepsilon wird.

112,123,134,,1k(k+1),.\frac{1}{1\cdot2}, \frac{1}{2\cdot3}, \frac{1}{3\cdot4}, \dots, \frac{1}{k(k+1)}, \dots.

Als Leibniz bei seinem ersten Besuch in Paris mit Huygens zusammentraf, wurde ihm diese Aufgabe vorgelegt. Er konnte dieses Problem lösen, obwohl er sich bis zu diesem Zeitpunkt kaum mit Mathematik beschäftigt hatte.

Solution

Dieses Problem haben wir bereits gelöst. Die einzelnen Folgeglieder streben gegen 00 und die Summe strebt gegen 11.

Exkurs Harmonische Reihe
Theorem 1

Wenn die Reihe einer Folge ak\langle a_k\rangle konvergiert, dann ist limkak=0\lim_{k\to\infty}a_k = 0.

Proof

Es gilt ak=sksk1a_k=s_k-s_{k-1}. Betrachte limkak=limk(sksk1)\lim_{k\to\infty}a_k=\lim_{k\to\infty}(s_k-s_{k-1}).

Note 1: Die harmonische Reihe

Die Umkehrung des obigen Satzes gilt nicht: Aus limkak=0\lim_{k\to\infty}a_k=0 folgt nicht die Konvergenz der entsprechenden Reihe.

Die harmonische Reihe divergiert aufreizend langsam. s100s_{100} ist nur wenig grösser als 55 und erst s12367s_{12367} ist grösser als 1010. Streicht man aus der harmonischen Reihe sämtliche Summanden, deren Nenner im Dezimalsystem geschrieben die Ziffer 9 enthalten, so konvergiert merkwürdigerweise die übrigbleibende Teilreihe. Erstaunlich ist ebenfalls, dass die Reihe

1+12p+13p++1np+1+\frac{1}{2^p}+\frac{1}{3^p}+\dots+\frac{1}{n^p}+\dots

für p>1p>1 konvergiert und für p1p\leq1 bestimmt divergiert.

Die Kontraposition des ersten Satzes ergibt

Theorem 2

Ist limkak0\lim_{k\to\infty}a_k\neq0, so ist die Reihe zur Folge ak\langle a_k\rangle divergent.

Konvergenz geometrischer Reihen

Wir lassen in den folgenden Überlegungen die konstanten Folgen, insbesondere die Nullfolge, weg.
Klar ist, dass die Partialsummenfolgen arithmetischer Folgen divergieren. Bei den geometrischen Folgen hängt die Konvergenz der Partialsummenfolge vom Term qnq^n ab. Denn wir erinnern uns, dass für eine geometrische Folge gilt:

sk=a11qk1q.s_k=a_1\frac{1-q^k}{1-q}.

Das heisst das Verhalten von limksk\lim_{k\to\infty}s_k ist durch limkqk\lim_{k\to\infty}q^k bestimmt.

Uncollapse

Überlege dir, dass limkqk=0\lim_{k\to\infty}q^k=0 falls 1<q<1-1<q<1.
Es ist q[0,1)|q|\in[0,1) und ich nehme 0<q<10<q<1. Sei ε>0\varepsilon>0 beliebig. Wähle

N>ln(ε)ln(q),N>\frac{\ln(\varepsilon)}{\ln(q)},

denn so ist

qk=qkqN<ε.|q^k|=q^k\le q^N<\varepsilon.

Also limkqk=0\lim_{k\to\infty} q^k=0.

Theorem 3

Eine geometrische Reihe konvergiert, wenn 1<q<1-1<q<1 ist. Dann gilt für den Wert der Reihe

limksk=s=a11q.\lim_{k\to\infty}s_k=s=\frac{a_1}{1-q}.
Proof

Man setzt die Formel der geometrischen Partialsummen für kk\to\infty fort. Die Fälle q=0q=0 und q=1q=1 betrachtet man separat.

Exercise 3: Geometrische Reihen

Ermittle die geometrische Reihe:

a) 1+23+1+\frac{2}{3}+\dots

b) 223+2-\frac{2}{3}+\dots

c) 199100+1-\frac{99}{100}+\dots

Solution

a) 1123=113=3\frac{1}{1-\tfrac{2}{3}}=\frac{1}{\tfrac{1}{3}}=3

b) 21(13)=243=32\frac{2}{1-(-\tfrac{1}{3})}=\frac{2}{\tfrac{4}{3}}=\tfrac{3}{2}

c) 11(99100)=1199100=100199\frac{1}{1-(-\tfrac{99}{100})}=\frac{1}{\tfrac{199}{100}}=\tfrac{100}{199}

Exercise 4: Geometrische Reihen II

Falls die Reihe geometrisch ist, entscheide, ob sie konvergiert und berechne gegebenenfalls ihren Wert.

a) 3+34+316+3 + \frac{3}{4} + \frac{3}{16} + \dots

b) 552+545 - \frac{5}{2} + \frac{5}{4} - \dots

c) 23+12+25+\frac{2}{3} + \frac{1}{2} + \frac{2}{5} + \dots

d) 10+5+2.5+10 + 5 + 2.5 + \dots

e) 3294+278\frac{3}{2} - \frac{9}{4} + \frac{27}{8} - \dots

Solution

a) 3114=334=4\frac{3}{1 - \tfrac{1}{4}} = \frac{3}{\tfrac{3}{4}} = 4

b) 51(12)=532=103\frac{5}{1 - (-\tfrac{1}{2})} = \frac{5}{\tfrac{3}{2}} = \tfrac{10}{3}

c) nicht geometrisch; diese Reihe konvergiert nicht, da es sich um eine um zwei Summanden "verschobene" und mit 22 multiplizierte harmonische Reihe handelt: 2(13+14+15+)2(\tfrac{1}{3}+\tfrac{1}{4}+\tfrac{1}{5}+\dots).

d) 10112=1012=20\frac{10}{1 - \tfrac{1}{2}} = \frac{10}{\tfrac{1}{2}} = 20

e) Es ist q=32<1q=-\frac{3}{2}<-1, d.h. diese geometrische Reihe divergiert.

Exercise 5: 🧩

Periodische Dezimalbrüche kann man als konvergente geometrische Reihe auffassen. Zeige dies für 0.40.\overline{4} und berechne den Wert der Reihe.

Solution

Es ist 0.4=0.4+0.04+0.004+0.\overline{4}=0.4+0.04+0.004+\dots, also q=110q=\tfrac{1}{10} und a1=0.4a_1=0.4.
Damit 0.4=0.410.1=490.\overline{4}=\tfrac{0.4}{1-0.1}=\tfrac{4}{9}.

Exercise 6: Finde p

Für welchen Wert von pRp\in\mathbb{R} ist die geometrische Reihe

p3+p627+p9729+p^3+\frac{p^6}{27}+\frac{p^9}{729}+\dots

konvergent?

Solution

Es muss p627p3=p327=(p3)3\frac{\tfrac{p^6}{27}}{p^3}=\frac{p^3}{27}=\left(\tfrac{p}{3}\right)^3 betragsmässig kleiner als 11 sein, also 3<p<3-3<p<3.

Exercise 7: Partialsumme nahe an Reihe

Gegeben sei die unendlich geometrische Folge

113191\quad\frac{1}{3}\quad\frac{1}{9}\quad\dots

a) Berechne den Quotienten qq und gib eine rekursive Definition für das kk-te Glied aka_k.

b) Berechne s1,,s4s_1,\dots,s_4 und die 100100-ste Partialsumme.

c) Berechne den Wert der Reihe ss.

Solution

a) q=13q=\tfrac{1}{3} und ak=ak113a_k=a_{k-1}\cdot\tfrac{1}{3} mit a1=1a_1=1. Explizit wäre ak=(13)k1a_k=(\tfrac{1}{3})^{k-1}.

b) s1=1s_1=1, s2=43s_2=\tfrac{4}{3}, s3=139s_3=\tfrac{13}{9}, s4=4027s_4=\tfrac{40}{27} und

s100=11(13)100113=32(1(13)100)32.s_{100}=1\cdot\tfrac{1-(\tfrac{1}{3})^{100}}{1-\tfrac{1}{3}}=\tfrac{3}{2}\cdot(1-(\tfrac{1}{3})^{100})\approx\tfrac{3}{2}.

c) s=1113=32s=\tfrac{1}{1-\tfrac{1}{3}}=\tfrac{3}{2}.

Exercise 8: s_k nahe an s

Gegeben sei der Beginn einer Folge:

939\quad 3\quad \dots

a) Sei die Folge arithmetisch. Berechne dd und a3a_3.

Sei die Folge nun geometrisch.

b) Berechne qq und a3a_3.

c) Berechne die 66te Partialsumme.

d) Falls die Reihe der Folge konvergiert: Gegen welchen Wert ss konvergiert die Reihe?

e) Wie viele Glieder muss man mindestens addieren, damit die kkte Partialsumme weniger als ein Millionstel vom Reihenwert ss abweicht?

Solution

a) Die Differenz dd ergibt sich aus a2a1=39=6a_2 - a_1 = 3 - 9 = -6. Damit ist a3=a2+d=3+(6)=3a_3 = a_2 + d = 3 + (-6) = -3.

d=6und damita3=3.d = -6 \quad \text{und damit} \quad a_3 = -3.

b) Der Quotient qq ergibt sich aus a2a1=39=13\frac{a_2}{a_1} = \frac{3}{9} = \frac{1}{3}. Damit ist a3=a2q=313=1a_3 = a_2 \cdot q = 3 \cdot \frac{1}{3} = 1.

q=13und damita3=1.q = \frac{1}{3} \quad \text{und damit} \quad a_3 = 1.

c) Die 66te Partialsumme s6s_6 ist:

s6=a11q61q=91(13)6113=91172923s_6 = a_1 \cdot \frac{1-q^6}{1-q} = 9 \cdot \frac{1-(\frac{1}{3})^6}{1-\frac{1}{3}} = 9 \cdot \frac{1-\frac{1}{729}}{\frac{2}{3}}s6=932(7291729)=272728729s_6 = 9 \cdot \frac{3}{2} \cdot \left(\frac{729-1}{729}\right) = \frac{27}{2} \cdot \frac{728}{729}

Da 729=2727729 = 27 \cdot 27 ist:

s6=1272827=3642713.48.s_6 = \frac{1}{2} \cdot \frac{728}{27} = \frac{364}{27} \approx 13.48.

d) Wegen q=13<1|q| = |\frac{1}{3}| < 1 konvergiert die Reihe. Der Grenzwert ss ist:

s=a11q=9113=923=932=272=13.5.s = \frac{a_1}{1-q} = \frac{9}{1-\frac{1}{3}} = \frac{9}{\frac{2}{3}} = 9 \cdot \frac{3}{2} = \frac{27}{2} = 13.5.

e) Die Abweichung vom Reihenwert ist sks|s_k - s|. Da alle Terme positiv sind, gilt ssk=Rk=sqks - s_k = R_k = s \cdot q^k. Wir suchen das kleinste kk, für das gilt:

sks=272(13)k<1106|s_k - s| = \left| \frac{27}{2} \cdot \left(\frac{1}{3}\right)^k \right| < \frac{1}{10^6}272(13)k<1106\frac{27}{2} \cdot \left(\frac{1}{3}\right)^k < \frac{1}{10^6}

Wir stellen nach 3k3^k um:

(13)k<2271063k>271062=13500000\left(\frac{1}{3}\right)^k < \frac{2}{27 \cdot 10^6} \quad \Leftrightarrow \quad 3^k > \frac{27 \cdot 10^6}{2} = 13'500'000

Anwendung des Logarithmus zur Basis 3:

k>log3(13500000)14.86k > \log_3(13'500'000) \approx 14.86

Da kk ganzzahlig sein muss, gilt ab k15k \geq 15.

Es mu¨ssen mindestens k=15 Glieder addiert werden.\text{Es müssen mindestens } k = 15 \text{ Glieder addiert werden.} \quad \checkmark
Exercise 9: Nahe an die Reihe

Gegeben sei der Beginn einer Folge:

64-6\quad 4\quad \dots

a) Sei die Folge arithmetisch. Berechne dd und a3a_3.

Sei die Folge nun geometrisch.

b) Berechne qq und a3a_3.

c) Berechne die 66te Partialsumme.

d) Falls die Reihe der Folge konvergiert: Gegen welchen Wert ss konvergiert die Reihe?

e) Wie viele Glieder muss man mindestens addieren, damit die kkte Partialsumme weniger als ein Millionstel vom Reihenwert ss abweicht?

Solution

a) d=10d=10 und damit a3=14a_3 = 14.
b) Aus 6q=4-6\cdot q = 4 folgt q=23q=-\frac{2}{3} und damit a3=83a_3=-\frac{8}{3}.
c)

s6=(6)1(23)61(23)=185(1(23)6)3.28.s_6 = (-6)\cdot\frac{1-(-\tfrac{2}{3})^6}{1-(-\tfrac{2}{3})} = -\frac{18}{5}(1-(\tfrac{2}{3})^6) \approx -3.28.

d) Wegen 1<23<1-1 < -\frac{2}{3} < 1 konvergiert die Reihe und es ist

s=61(23)=185=3.6.s = \frac{-6}{1-(-\tfrac{2}{3})} = -\frac{18}{5} = -3.6.

e)

sks<1106sks<1106(6)1(23)k1(23)(185)<1106185(23)k<1106(23)k<518106(23)k<518106k=log23(518106)37.2.\begin{align*} |s_k-s| &< \frac{1}{10^6}\\ s_k-s &< \frac{1}{10^6}\\ (-6)\cdot\frac{1-(-\tfrac{2}{3})^k}{1-(-\tfrac{2}{3})} -(-\tfrac{18}{5}) &< \frac{1}{10^6}\\ \frac{18}{5}(-\frac{2}{3})^k &< \frac{1}{10^6}\\ (-\frac{2}{3})^k &< \frac{5}{18\cdot 10^6}\\ \rightarrow (\frac{2}{3})^k &< \frac{5}{18\cdot 10^6}\\ k &= \log_{\tfrac{2}{3}}(\frac{5}{18\cdot 10^6}) \approx 37.2. \end{align*}

Das heisst ab k38k \geq 38 ist sks_k näher als ein Millionstel an ss.

Check: s37=3.600001099s_{37} = -3.600001099 und s38=3.599999267s_{38} = -3.599999267. ✓

Exercise 10: Verschachtelte Quadrate

Einem Quadrat mit der Seitenlänge aa ist ein zweites einbeschrieben, dessen Eckpunkte auf den Mitten der Seiten des ersten Quadrates liegen. In der gleichen Weise ist dem zweiten Quadrat ein drittes, dem dritten ein viertes usw. einbeschrieben. Zeichne eine Figur mit vier ineinander geschachtelten Quadraten. Berechne die Summe der unendlich vielen Flächeninhalte und Umfänge.

Solution

Für den aufsummierten Flächeninhalt gilt

A=a2+a22+a24+=a2112=2a2.\begin{align*} A &= a^2 + \frac{a^2}{2} + \frac{a^2}{4} + \dots \\ &= \frac{a^2}{1-\tfrac{1}{2}} = 2a^2. \end{align*}

Für den Umfang:

U=4a+4a2+4a2+4a22+=4a112=4a222=8a22=4a(2+2).\begin{align*} U &= 4a + \frac{4a}{\sqrt{2}} + \frac{4a}{2} + \frac{4a}{2\sqrt{2}} + \dots \\ &= \frac{4a}{1-\tfrac{1}{\sqrt{2}}} \\ &= \frac{4a}{\tfrac{2-\sqrt{2}}{2}} \\ &= \frac{8a}{2-\sqrt{2}} \\ &= 4a(2+\sqrt{2}). \end{align*}
Exercise 11: Quadrate stapeln

Ein Quadrat mit Seite aa wird so erweitert, dass an jede Quadratseite ein weiteres Quadrat mit Seitenlänge a3\tfrac{a}{3} an das mittlere Drittel der ursprünglichen Seite angehängt wird. Dieses Verfahren setzt man beliebig fort.

a) Berechne die Gesamtfläche der Figur.

b) Berechne den Umfang der Figur.

Solution

a) Die Fläche beträgt

A=a2+4(a3)2+43(a9)2+432(a27)2+=a2+4a29113=a2+23a2=53a2.\begin{align*} A &= a^2 + 4\cdot \left(\tfrac{a}{3}\right)^2 + 4\cdot 3\cdot \left(\tfrac{a}{9}\right)^2 + 4\cdot 3^2\cdot \left(\tfrac{a}{27}\right)^2 + \dots \\ &= a^2 + \frac{\tfrac{4a^2}{9}}{1-\tfrac{1}{3}} \\ &= a^2 + \tfrac{2}{3}a^2 \\ &= \tfrac{5}{3}a^2. \end{align*}

b) Für den Umfang:

U=4a+42a3+432a9+4322a27+U = 4a + 4\cdot2\cdot\tfrac{a}{3} + 4\cdot3\cdot2\cdot\tfrac{a}{9} + 4\cdot3^2\cdot2\cdot\tfrac{a}{27} + \dots

Ab dem zweiten Summanden haben wir eine Reihe mit q=1q=1 und damit divergiert der Umfang, U=U=\infty.

Exercise 12: Stammhalterstrategie

Bei der Frage, wie viele Kinder man zu erwarten hat, wenn man nach der Stammhalterstrategie vorgeht, muss man die Summe ss der unendlichen Reihe

s=1+2p+3p2+4p3+,0<p<1s=1 + 2p + 3p^2 + 4p^3 + \dots , \quad 0 < p < 1

berechnen. Berechne spss - ps und daraus ss.

Solution

Es folgt ps=p+2p2+3p3+ps=p+2p^2+3p^3+\dots und sofort sps=1+p+p2+p3+s-ps=1+p+p^2+p^3+\dots, was nun eine geometrische Reihe ist. Also

sps=1+p+p2+p3+s(1p)=11ps=1(1p)2.\begin{align*} s-ps &= 1+p+p^2+p^3+\dots\\ s(1-p) &= \frac{1}{1-p}\\ s &= \frac{1}{(1-p)^2}. \end{align*}
Exercise 13: Koch-Kurve

Ausgangsfigur ist ein Streckenabschnitt der Länge 11 (Schritt 00).
In jedem Schritt wird jedes vorhandene Segment in drei gleich lange Teile zerlegt. Das mittlere Drittel wird durch die beiden Schenkel eines gleichseitigen Dreiecks ersetzt.

a) Bestimme die gesamte Länge LnL_n der Kurve nach Schritt nn in Abhängigkeit von nn; untersuche das Verhalten von LnL_n für nn\to\infty.

b) Sei die Grundlinie die xx-Achse vom Start- zum Endpunkt. Berechne die gesamte Fläche AnA_n zwischen der Koch-Kurve (mit Zacken nach oben) und der Grundlinie bis einschliesslich Schritt nn, sowie den Grenzwert AA_\infty.

Solution

a) Jedes Segment erzeugt in einem Schritt 44 Segmente. Mit N0=1N_0=1 gilt Nn=4n(nN0)N_n=4^{\,n}\quad(n\in\mathbb{N}_0). Pro Schritt skaliert die Segmentlänge mit dem Faktor 13\tfrac{1}{3}. Mit l0=1l_0=1 gilt ln=(13)nl_n=\left(\tfrac13\right)^{n}. Gesamtlänge Ln=NnlnL_n=N_n\cdot l_n:

Ln=4n(13)n=(43)n.L_n=4^{\,n}\cdot\left(\tfrac13\right)^{n}=\left(\tfrac43\right)^{n}.

Da 43>1\tfrac{4}{3}>1 gilt limnLn=+\lim_{n\to\infty}L_n=+\infty.

b) Flächenzuwachs im Schritt k1k\ge1: Es werden 4k14^{\,k-1} gleichseitige Dreiecke der Seitenlänge (13)k(\tfrac13)^k hinzugefügt. Die Fläche eines solchen Dreiecks ist 34(13)2k\tfrac{\sqrt3}{4}\,(\tfrac13)^{2k}. Also

ΔAk=4k134(13)2k=316(49)k.\Delta A_k=4^{\,k-1}\cdot\frac{\sqrt3}{4}\cdot\left(\tfrac13\right)^{2k} =\frac{\sqrt3}{16}\left(\tfrac49\right)^{k}.

Damit

An=k=1nΔAk=316k=1n(49)k=31649(1(49)n)149=320(1(49)n).A_n=\sum_{k=1}^{n}\Delta A_k=\frac{\sqrt3}{16}\sum_{k=1}^{n}\left(\tfrac49\right)^{k} =\frac{\sqrt3}{16}\cdot\frac{\tfrac49\left(1-(\tfrac49)^n\right)}{1-\tfrac49} =\frac{\sqrt3}{20}\left(1-\left(\tfrac49\right)^{n}\right).

Grenzwert:

A=limnAn=320.A_\infty=\lim_{n\to\infty}A_n=\frac{\sqrt3}{20}.
Exercise 14: Sierpinski Flickenteppich

Teile ein Quadrat mit der Seitenlänge 1 zunächst in neun gleiche kleinere Quadrate. Entferne das mittlere Quadrat, behandle die übrigen acht Quadrate in der gleichen Art und wiederhole den Prozess unendlich oft. Man erhält so den Sierpinski'schen Flickenteppich.

Berechne seinen Flächeninhalt.

SolutionA=119818182193=1(8019+81192+82193+)=119189=11=0.\begin{align*} A &= 1-\tfrac{1}{9}-8\cdot\tfrac{1}{81}-8^2\cdot\tfrac{1}{9^3}-\dots \\ &= 1-\left(8^0\cdot\tfrac{1}{9}+8^1\cdot\tfrac{1}{9^2}+8^2\cdot\tfrac{1}{9^3}+\dots\right) \\ &= 1-\frac{\tfrac{1}{9}}{1-\tfrac{8}{9}} \\ &= 1-1 \\ &= 0. \end{align*}
Exercise 15: Halbkreis-Spirale

Gegeben sei ein spiralförmiges Schneckenhaus, welches aus Halbkreisen zusammengesetzt sei. Der längste Radius messe 4.54.5 und das Verhältnis zweier aufeinanderfolgender Radien rk/rk+1r_k/r_{k+1} sei 3/23/2.

a) Aus wie vielen Halbkreisen besteht die Spirale, wenn die letzte noch mindestens 0.030.03 lang sein soll?

b) Wie lang wäre eine Spirale, bestünde sie aus unendlich vielen Halbkreisen?

c) Wo auf der xx-Achse endet diese unendlich lange Spirale?

d) Aus wie vielen Halbkreisen besteht die Spirale mindestens, wenn ihre Länge mehr als 99%99\% der unendlich langen Spirale ist?

Solution

Hier seht ihr die originale Aufgabe und eine mögliche Lösung kommentiert.

Exercise 16: 🧩

a) Eine positive, geometrische Folge ak\langle a_k\rangle erfüllt a3=18a_3=18 und a6=2.25a_6=2.25. Bestimme den Quotienten qq, den Anfangswert a1a_1 sowie die rekursive und die explizite Formel von aka_k.

b) Bestimme die Partialsumme sn=k=1naks_n=\sum_{k=1}^{n} a_k in geschlossener Form sowie (falls existent) s=k=1aks_\infty=\sum_{k=1}^{\infty} a_k.

c) Bestimme das kleinste nNn\in\mathbb{N} mit sn130s_n\ge 130.

d) Untersuche die Reihe k=1k3k\sum_{k=1}^{\infty}\frac{k}{3^k} auf Konvergenz und bestimme ihren Wert.

Solution

a) Aus

a6a3=q63=q3=2.2518=0.125=18\frac{a_6}{a_3}=q^{6-3}=q^3=\frac{2.25}{18}=0.125=\frac{1}{8}

folgt q=12q=\frac{1}{2} (positiv wegen positiver Glieder). Dann a3=a1q2a1=18(12)2=1814=72a_3=a_1 q^2\Rightarrow a_1=\frac{18}{(\tfrac{1}{2})^2}=\frac{18}{\tfrac{1}{4}}=72. Rekursiv ak+1=12ak,  a1=72a_{k+1}=\frac{1}{2}a_k,\; a_1=72, explizit ak=72(12)k1a_k=72\cdot\left(\frac{1}{2}\right)^{k-1}.

b) Für q=12q=\frac{1}{2} gilt für die geometrische Reihe

sn=a11qn1q=721(12)n112=721(12)n12=144(1(12)n).s_n=a_1\frac{1-q^{\,n}}{1-q}=72\cdot\frac{1-(\tfrac{1}{2})^n}{1-\tfrac{1}{2}}=72\cdot\frac{1-(\tfrac{1}{2})^n}{\tfrac{1}{2}}=144\bigl(1-(\tfrac{1}{2})^n\bigr).

Da q<1|q|<1, existiert s=a11q=7212=144s_\infty=\frac{a_1}{1-q}=\frac{72}{\tfrac{1}{2}}=144.

c) Bedingung sn130s_n\ge 130 wird zu

144(1(12)n)130    (12)n14144=772.144\bigl(1-(\frac{1}{2})^n\bigr)\ge 130\;\Longleftrightarrow\;(\tfrac{1}{2})^n\le \frac{14}{144}=\frac{7}{72}.

Logarithmieren liefert

nln(727)ln22.3320.6933.36,n\ge \frac{\ln(\tfrac{72}{7})}{\ln 2}\approx \frac{2.332}{0.693}\approx 3.36,

also minimal n=4n=4.
Kontrolle: s3=144(1(12)3)=14478=126<130s_3=144\bigl(1-(\tfrac{1}{2})^3\bigr)=144\cdot\frac{7}{8}=126<130, s4=144(1(12)4)=1441516=135130s_4=144\bigl(1-(\tfrac{1}{2})^4\bigr)=144\cdot\frac{15}{16}=135\ge 130.

d) Setze r=13r=\frac{1}{3}. Die Potenzreihe n=1nrn\sum_{n=1}^{\infty} n r^{\,n} konvergiert für r<1|r|<1 und es gilt die bekannte Formel

n=1nrn=r(1r)2\sum_{n=1}^{\infty} n r^{\,n}=\frac{r}{(1-r)^2}

(Stammhalterstrategie). Mit r=13r=\frac{1}{3} ergibt sich

k=1k3k=13(113)2=13(23)2=1349=912=34.\sum_{k=1}^{\infty}\frac{k}{3^k}=\frac{\tfrac{1}{3}}{\left(1-\tfrac{1}{3}\right)^2}=\frac{\tfrac{1}{3}}{(\tfrac{2}{3})^2}=\frac{\tfrac{1}{3}}{\tfrac{4}{9}}=\frac{9}{12}=\frac{3}{4}.
Exercise 17: 🧩

Die folgende Geschichte – Auszug aus dem Lehrgedicht "Achilles und die Schildkröte" von H. Cremer – ist als Zenon'sches Paradoxon bekannt.

Der Zenon, den ein jeder kennt,

war zu Elea einst Dozent.

Schildkröten sind uns hierzuland

als plump und langsam wohl bekannt.

Achill, so schliess ich, weil ich hell,

läuft sicherlich zehnmal so schnell.

Je nun, er rennt, so denk ich mir,

mal um die Wette mit dem Tier.

Zehn Meter Vorsprung geb' er bloss;

dies Zugeständnis scheint nicht gross.

Die Glocke tönt, der Kampf fängt an,

nun, gute Kröte, halt' Dich ran!

Zehn Meter läuft Achilles heiter;

die Kröte ist 'nen Meter weiter.

Auch diesen läuft Achill in Eil;

die Kröte läuft den zehnten Teil.

Auch dieses Stück durchmisst Achill,

doch ach, das Vieh steht auch nicht still;

sie ist trotz allem etwas weiter;

Achilles ist schon nicht mehr heiter.

So wiederholt sich stets dies Spiel,

und nimmer kommt der Held zum Ziel.

Nimmt er der Kröte alten Ort, schwupp!

ist sie auch schon wieder fort.

Er kommt in Wut bis zur Ekstase;

die Kröte dreht ihm eine Nase.

Sie bleibt ihm stets ein Stück voraus;

Achilles schleicht geknickt nach Haus;

die Kröte aber triumphiert

und wird mit Orden dekoriert.

Auf welchem Trugschluss beruht das Sophisma des Zenon vom Wettlauf des Achilles mit der Schildkröte? Wann holt Achilles die Schildkröte wirklich ein?

Solution

Obwohl man die Zeitabschnitte bzw. Teilstrecken in immer kleinere Stücke teilt ist doch die Summe dieser unendlich vielen Abschnitte endlich. Daher holt Achilles die Schildkröte nach

10+1+0.1+=101110=100911.210+1+0.1+\dots=\frac{10}{1-\tfrac{1}{10}}=\tfrac{100}{9}\approx11.2

Metern ein.