Teilmengen und Operationen

Teilmengen

Definition 1: Teilmenge

Ist jedes Element einer Menge A\mathbb{A} auch in einer Menge B\mathbb{B} enthalten, so ist A\mathbb{A} eine Teilmenge von B\mathbb{B}.
Wir schreiben

AB\mathbb{A}\subset\mathbb{B}

oder seltener AB\mathbb{A}\subseteq\mathbb{B}.

Example 1
{1,2,3}N\{1,2,3\}\subset\mathbb{N}

oder

{a,b,c}{a,b,c,,x,y,z}\{a,b,c\}\subset\{a,b,c,\dots,x,y,z\}

Ferner ist 73N73\subset\mathbb{N} falsch, da 7373 keine Menge ist. Hingegen sind 73N73\in\mathbb{N} und {73}N\{73\}\subset\mathbb{N} richtige Aussagen.

Für die leere Menge \emptyset gilt der – aus unserer Sicht nicht ganz triviale –

Theorem 1: Leere Menge

Die leere Menge ist Teilmenge jeder Menge.

Proof

BWoC (Beweis durch Widerspruch). Gegenannahme: Die leere Menge sei nicht Teilmenge jeder Menge.

Wäre die leere Menge nicht Teilmenge jeder Menge, dann gäbe es mindestens eine Menge M\mathbb{M}, welche die leere Menge nicht enthalten würde, ⊄M\emptyset\not\subset\mathbb{M}. Dann müsste es aber nach Definition der Teilmenge ein Element xx\in\emptyset geben, das nicht zu M\mathbb{M} gehört (xMx\notin\mathbb{M}). Widerspruch, denn damit wäre die leere Menge ja nicht leer, weil sie dieses xx enthalten müsste. Das heisst, unsere Gegenannahme ist falsch. Es gilt also das Gegenteil der Gegenannahme: Die leere Menge ist Teilmenge jeder Menge.

(Die leere Menge ist Teilmenge jeder Menge kommentiert)

Note 1

Der Begriff „Satz“ kommt vom lateinischen propositio ~ „Vorschlag, Aussage“. In der Mathematik ist ein „Satz“ eine Aussage, die bewiesen wurde und damit für alle Zeiten gilt. Wir brauchen oft das vom Griechischen eingedeutschte „Theorem“ (θεωρημα\theta\varepsilon\omega\rho\eta\mu\alpha); wörtlich: „etwas, das man betrachtet“ oder „Gegenstand des Nachdenkens“.

Note 2

Haben zwei Mengen A\mathbb{A} und B\mathbb{B} die gleichen Elemente, so schreibt man A=B\mathbb{A}=\mathbb{B}.

Exercise 1: Richtig oder falsch?

Welche der folgenden Aussagen sind richtig?

a) 00\notin\emptyset

b) 0{0,1,2}0\subset\{0,1,2\}

c) {1,2,3}\emptyset\in\{1,2,3\}

d) {0}\emptyset\subset\{0\}

e) ={xxx}\emptyset=\{x\mid x\neq x\}

f) {1,2}⊄{2,1}\{1,2\}\not\subset\{2,1\}

g) {0}\emptyset\in\{0\}

h) {a}{a,{a}}\{a\}\in\{a,\{a\}\}

i) {,{a}}\emptyset\subset\{\emptyset,\{a\}\}

j) {,{a}}\emptyset\in\{\emptyset,\{a\}\}

Solution

a) ✓

b) ❌, 00 ist keine Menge.

c) ❌, das Element \emptyset kommt nicht vor.

d) ❌, 00 ist keine Menge.

e) ✓

f) ❌, {1,2}={2,1}\{1,2\}=\{2,1\}

g) ❌, das Element \emptyset kommt nicht vor.

h) ✓

i) ✓

j) ✓

Definition 2: Potenzmenge

Die Menge aller Teilmengen einer Menge A\mathbb{A},

P(A):={BBA},\mathcal{P}(\mathbb{A}) := \{\mathbb{B}\mid \mathbb{B}\subset\mathbb{A}\},

heisst Potenzmenge von A\mathbb{A}.

Example 2

Die Potenzmenge von A={1,2}\mathbb{A}=\{1,2\} ist

P(A)={{},{1},{2},{1,2}}\mathcal{P}(\mathbb{A})=\{\{\},\{1\},\{2\},\{1,2\}\}
Exercise 2: Potenzmenge notieren

Bestimme die Potenzmenge P(A)\mathcal{P}(\mathbb{A}) von

A={a,b,c}\mathbb{A}=\{a,b,c\}
Solution

P(A)={,{a},{b},{c},{a,b},{a,c},{b,c},A}\mathcal{P}(\mathbb{A})=\{\emptyset,\{a\},\{b\},\{c\},\{a,b\},\{a,c\},\{b,c\},\mathbb{A}\}

Exercise 3: 🧩

Wie viele Elemente hat die Potenzmenge einer Menge A\mathbb{A} mit card(A)=n\text{card}(\mathbb{A})=n?

Solution

Sei KK die Anzahl der Elemente der Potenzmenge. Wir kennen die ersten paar Zuordnungen (nK)(n|K):

(01),(12),(24),(38)(0|1),(1|2),(2|4),(3|8)

Wir schliessen daraus, dass die Potenzmenge 2n2^n Elemente hat. Denn fügt man zur Menge A\mathbb{A} ein weiteres Element hinzu, so nimmt die Anzahl möglicher Mengenkombinationen um den Faktor 22 zu, da jede bereits vorhandene Menge in der Potenzmenge von A\mathbb{A} zusätzlich mit dem neuen Element kombiniert werden kann. Wir haben also K=2nK=2^n Elemente in der Potenzmenge für eine Menge mit nn Elementen.

Operationen

Durchschnittsmenge

Definition 3: Schnitt

Die Durchschnittsmenge oder kurz der Schnitt zweier Mengen A\mathbb{A} und B\mathbb{B} besteht aus sämtlichen Elementen, die sowohl zu A\mathbb{A} als auch zu B\mathbb{B} gehören. In mathematischer Schreibweise:

AB:={xxA und xB}\mathbb{A}\cap\mathbb{B} := \{x\mid x\in\mathbb{A}\text{ und }x\in\mathbb{B}\}
Example 3

Ist A={1,2}\mathbb{A}=\{1,2\} und B={2,3}\mathbb{B}=\{2,3\}, dann gilt

AB={2}\mathbb{A}\cap\mathbb{B}=\{2\}
Definition 4: disjunkt

Zwei Mengen heissen disjunkt, wenn sie keine gemeinsamen Elemente haben, d. h.

AB=.\mathbb{A}\cap\mathbb{B}=\emptyset.

Vereinigungsmenge

Definition 5: Vereinigungen

Die Vereinigung zweier Mengen A\mathbb{A} und B\mathbb{B} besteht aus sämtlichen Elementen, die zu A\mathbb{A} oder B\mathbb{B} gehören. Wir schreiben

AB:={xxA oder xB}\mathbb{A}\cup\mathbb{B} := \{x\mid x\in\mathbb{A}\text{ oder }x\in\mathbb{B}\}
Example 4

Für A\mathbb{A} und B\mathbb{B} wie im obigen Beispiel gilt

AB={1,2,3}\mathbb{A}\cup\mathbb{B}=\{1,2,3\}

Differenzmenge

Definition 6: Differenz

Die Differenz von A\mathbb{A} mit B\mathbb{B} besteht aus sämtlichen Elementen, die zu A\mathbb{A}, aber nicht zu B\mathbb{B} gehören. Wir schreiben

AB:={xxA und xB}\mathbb{A}\setminus\mathbb{B} := \{x\mid x\in\mathbb{A}\text{ und }x\notin\mathbb{B}\}
Example 5

Mit A\mathbb{A} und B\mathbb{B} wie oben gilt

AB={1}\mathbb{A}\setminus\mathbb{B}=\{1\}

Komplementärmenge

Definition 7: Komplement

Es sei AG\mathbb{A}\subset\mathbb{G}. Das Komplement von A\mathbb{A} bezüglich der Grundmenge G\mathbb{G} besteht aus sämtlichen Elementen von G\mathbb{G}, die nicht zu A\mathbb{A} gehören. Wir schreiben

A:={xxG und xA}\overline{\mathbb{A}} := \{x\mid x\in\mathbb{G}\text{ und }x\notin\mathbb{A}\}
Example 6

Ist G={1,2,3}\mathbb{G}=\{1,2,3\} und A\mathbb{A} wie oben, dann gilt

A={3}\overline{\mathbb{A}}=\{3\}
Exercise 4: Mengenoperationen

Es sei die Grundmenge

G={1,2,3,4,,19,20}\mathbb{G}=\{1,2,3,4,\dots,19,20\}

sowie Teilmengen von G\mathbb{G}

A={xGx ist Viererzahl}B={8,9,10,11,12,13}C={xGx ist ungerade}\begin{align*} \mathbb{A}&=\{x\in\mathbb{G}\mid x\text{ ist Viererzahl}\}\\ \mathbb{B}&=\{8,9,10,11,12,13\}\\ \mathbb{C}&=\{x\in\mathbb{G}\mid x\text{ ist ungerade}\} \end{align*}

Ermittle:

a) AB\mathbb{A}\cap\mathbb{B}

b) AC\mathbb{A}\cap\mathbb{C}

c) CB\overline{\mathbb{C}\cup\mathbb{B}}

d) CA\overline{\mathbb{C}}\setminus\mathbb{A}

e) (AC)B(\mathbb{A}\cup\mathbb{C})\cap\mathbb{B}

f) (BC)(AC)(\mathbb{B}\setminus\mathbb{C})\cup(\mathbb{A}\cap\mathbb{C})

g) B(AC)\overline{\mathbb{B}}\cap(\mathbb{A}\cup\mathbb{C})

Solution

a) AB={8,12}\mathbb{A}\cap\mathbb{B}=\{8,12\}

b) AC=\mathbb{A}\cap\mathbb{C}=\emptyset

c) CB={2,4,6,14,16,18,20}\overline{\mathbb{C}\cup\mathbb{B}}=\{2,4,6,14,16,18,20\},
c) \phantom{c)\ }da CB={1,3,5,7,8,9,10,11,12,13,15,17,19}\mathbb{C}\cup\mathbb{B}=\{1,3,5,7,8,9,10,11,12,13,15,17,19\}

d) CA={2,6,10,14,18}\overline{\mathbb{C}}\setminus\mathbb{A}=\{2,6,10,14,18\}

e) (AC)B={8,9,11,12,13}(\mathbb{A}\cup\mathbb{C})\cap\mathbb{B}=\{8,9,11,12,13\}

f) (BC)(AC)={8,10,12}(\mathbb{B}\setminus\mathbb{C})\cup(\mathbb{A}\cap\mathbb{C})=\{8,10,12\}

g) B(AC)={1,3,4,5,7,15,16,17,19,20}\overline{\mathbb{B}}\cap(\mathbb{A}\cup\mathbb{C})=\{1,3,4,5,7,15,16,17,19,20\}

Exercise 5: Physik oder Chemie?

Von 4545 Schülerinnen nehmen 2626 an einer Arbeitsgemeinschaft für Physik und 1414 an einer Arbeitsgemeinschaft für Chemie teil. Wie viele Schülerinnen nehmen mindestens an keiner der beiden Arbeitsgemeinschaften teil, wie viele höchstens?

Solution

Sollen möglichst viele Schülerinnen an keiner der beiden Arbeitsgemeinschaften teilnehmen, dann kommen alle 1414 der Chemie in den Schnitt mit der Physik. Dies ergibt dann 4526=1945-26=19 Personen.

Für möglichst wenige Schülerinnen in Arbeitsgemeinschaften lassen wir den Schnitt von Chemie und Physik leer: 45(26+14)=545-(26+14)=5.

Exercise 6: Klubmitglieder

Betrachte folgende Mengen: Grundmenge

G={xx ist Klubmitglied}\mathbb{G}=\{x\mid x\text{ ist Klubmitglied}\}A={xGx tra¨gt eine Krawatte}B={xGx hat seinen Arbeitsplatz in Basel}C={xGx hat braune Augen}D={xGx ist a¨lter als 20 Jahre}\begin{align*} \mathbb{A}&=\{x\in\mathbb{G}\mid x\text{ trägt eine Krawatte}\}\\ \mathbb{B}&=\{x\in\mathbb{G}\mid x\text{ hat seinen Arbeitsplatz in Basel}\}\\ \mathbb{C}&=\{x\in\mathbb{G}\mid x\text{ hat braune Augen}\}\\ \mathbb{D}&=\{x\in\mathbb{G}\mid x\text{ ist älter als 20 Jahre}\} \end{align*}

Übersetze die folgenden Sätze in die Mengensprache:

a) Es gibt keine Klubmitglieder mit braunen Augen, die älter als 20 Jahre sind.

b) Alle Klubmitglieder, die eine Krawatte tragen, arbeiten in Basel.

c) Alle Klubmitglieder mit braunen Augen sind älter als 20 Jahre.

d) Es gibt Klubmitglieder, die in Basel arbeiten oder eine Krawatte tragen.

e) Kein Klubmitglied mit braunen Augen trägt eine Krawatte.

f) Jedes Klubmitglied, das nicht älter als 20 ist, trägt keine Krawatte.

g) Es gibt mindestens ein Klubmitglied, das älter als 20 Jahre ist, in Basel arbeitet und keine Krawatte trägt.

Solution

a) CD=\mathbb{C}\cap\mathbb{D}=\emptyset

b) AB\mathbb{A}\subset\mathbb{B}

c) CD\mathbb{C}\subset\mathbb{D}

d) AB\mathbb{A}\cup\mathbb{B}\neq\emptyset

e) AC=\mathbb{A}\cap\mathbb{C}=\emptyset

f) DA\overline{\mathbb{D}}\subset\overline{\mathbb{A}}

g) (DBA)(\mathbb{D}\cap\mathbb{B}\cap\overline{\mathbb{A}})\neq\emptyset