Natürliche Zahlen

Exercise 1: Bruch

Was ist ein Bruch?

Solution

Unter einem Bruch wollen wir einen Quotienten ab\frac{a}{b} verstehen, wobei aa und b0b\neq0 reelle Zahlen sind.

Die Geschichte der Zahlenmengen ist nicht nur eine Geschichte von Symbolen und Rechenregeln, sondern auch eine Geschichte von Kulturen, Denkweisen und Namen, die bis heute in unserer Sprache nachklingen.

Die natürlichen Zahlen – 1, 2, 3, ... – entspringen der elementarsten menschlichen Tätigkeit: dem Zählen.

Ein zentraler Name ist al-Chwarizmi (9. Jh.), der in Bagdad wirkte. Von ihm stammt nicht nur der Begriff Algorithmus, sondern auch entscheidende Abhandlungen über das Rechnen mit indisch-arabischen Ziffern, die unser heutiges Stellenwertsystem erst in Europa verbreiteten.

Ebenfalls bedeutend ist die Einführung des Begriffs al-jabr („das Wiederherstellen“), aus dem sich unser Wort Algebra entwickelte. Hier zeigt sich, wie eng die Erweiterung der Zahlenmengen mit dem Bedürfnis verbunden war, Gleichungen zu lösen – auch dann, wenn die Lösung auf den ersten Blick „unsichtbar“ war: negative oder gar irrationale Zahlen.

So entstand Schritt für Schritt die heute gebräuchliche Hierarchie von Zahlenmengen:

Die Entwicklung von Zahlenmengen ist also nicht nur eine mathematische Notwendigkeit, sondern auch ein Spiegel historischer Kreativität und kulturellen Austausches – von den babylonischen Keilen über die arabischen Schriften bis zu unseren heutigen Symbolen.

Natürliche Zahlen

Beim Zählen benutzte der Mensch die Finger. Dies spiegelt sich auch in den frühen Zahlenzeichen wider. Häufig waren dies Striche oder Kerben. Alte Kulturvölker wie die Babylonier, Ägypter oder Römer schufen bestimmte Symbole für die Zahlen 1,5,10,100,10001, 5, 10, 100, 1000 unter anderem und bildeten damit durch Aneinanderreihen die übrigen natürlichen Zahlen. Die Inder entwickelten ein Stellenwertsystem und erfanden für eine leere Stelle ein besonderes Zeichen: die Null. Ein Stellenwertsystem und ein Zeichen für die Null hatten vor den Indern auch schon die Babylonier, die sich als Astronomen mit Zeit- und Winkelmessungen auseinandersetzten. Bei ihnen war übrigens die 6060 die Grundzahl.

Note 1

Die Menge der natürlichen Zahlen wird mit

N:={1,2,3,}\N := \{1, 2, 3, \dots\}

abgekürzt.

Der Zahlenstrahl

Note 2: Zahlenstrahl

Wir können natürliche Zahlen auf dem Zahlenstrahl visualisieren. Beginnend vom Ursprung aus zeichnen wir einen «Zahlenpfeil» bis zur entsprechenden Markierung derjenigen Zahl, die wir durch den Pfeil repräsentieren wollen.

Beachte, dass die Addition a+ba+b zweier natürlicher Zahlen a,bNa, b \in \N geometrisch dem Aneinanderhängen der Pfeile entspricht. Beispielsweise ist 2+3=52+3=5.

Definition 1: Summe

Unter der Summe a+ba + b zweier Zahlen aa und bb verstehen wir diejenige Zahl, deren Pfeil sich durch Aneinanderhängen der Pfeile aa und bb ergibt.

Grösser als & kleiner als

Definition 2: Kleiner- und Grösser-Zeichen

Seien a,bRa, b \in \R.

  • a<ba < b bedeutet: aa liegt auf dem Zahlenstrahl links von bb.
  • a>ba > b bedeutet: aa liegt auf dem Zahlenstrahl rechts von bb.

Manchmal sagt man auch: aa ist kleiner als bb bzw. bb ist grösser als aa.

Note 3: Regeln für Ungleichungen
  • Addiert man auf beiden Seiten dieselbe Zahl, bleibt die Ungleichung erhalten.
  • Multipliziert man mit einer positiven Zahl, bleibt das Zeichen gleich.
  • Multipliziert man mit einer negativen Zahl, kehrt sich das Zeichen um.
Example 1

Auf der Zahlengeraden gilt:

  • 3<53 < 5, weil 33 links von 55 liegt.
  • 2>5-2 > -5, weil 2-2 rechts von 5-5 liegt.
Exercise 2: Grösser oder kleiner als

a) Vergleiche: 7117 \,\square\, 11

b) Vergleiche: 474 \,\square\, 7

c) Ergänze: Multipliziere 3<53 < 5 mit 2-2. Welche Ungleichung entsteht?

d) Vergleiche: 12812 \,\square\, 8

e) Vergleiche: 393 \,\square\, 9

f) Überprüfe: Gilt aus a<ba < b immer a+4<b+4a+4 < b+4?

Solution

a) 7<117 < 11
b) 4<74 < 7
c) 6>10-6 > -10
d) 12>812 > 8
e) 3<93 < 9
f) Ja, bleibt immer erhalten.

Note 4

Neben << und >> gibt es auch die Zeichen \leq und \geq:

  • aba \leq b bedeutet: aa ist kleiner oder gleich bb.
  • aba \geq b bedeutet: aa ist grösser oder gleich bb.

Beispiele:

  • 444 \leq 4 ist wahr, weil 4=44 = 4.
  • 727 \geq 2 ist wahr, weil 7>27 > 2.

Primzahlen

Unter den natürlichen Zahlen gibt es solche, die jedem Divisionsversuch mit einem natürlichen Divisor, der zwischen 11 und der Zahl selbst liegt, widerstehen. Solche Zahlen, die keine echten Teiler haben, werden Primzahlen genannt.

Definition 3: Teiler

Seien a,bZa, b \in \Z mit b0b \neq 0. bb ist ein Teiler von aa, wenn es ein cZc \in \Z gibt, sodass

a=bca = b \cdot c

gilt. Man schreibt bab \mid a.

Definition 4: Primzahl

Eine Zahl pNp \in \N heisst Primzahl, wenn pp genau zwei verschiedene natürliche Teiler hat.

P:={2,3,5,7,11,13,17,19,23,}\mathbb{P} := \{2, 3, 5, 7, 11, 13, 17, 19, 23, \dots\}
Note 5

Beachte, dass 11 per Definition keine Primzahl ist!

Primfaktorzerlegung

Exercise 3: Primfaktorzerlegung

Zerlege die Zahlen 1717, 3535, 3232, 210210, 541541 und 17711'771 in ihre Primfaktoren.

Solution

1717

35=5735 = 5 \cdot 7

32=2532 = 2^5

210=2357210 = 2 \cdot 3 \cdot 5 \cdot 7

541541 ist prim.

1771=711231771 = 7 \cdot 11 \cdot 23

Primzahlen sind die Bausteine der natürlichen Zahlen. Dies besagt der folgende

Theorem 1: Fundamentalsatz der Arithmetik

Jede natürliche Zahl grösser als 11 lässt sich eindeutig (bis auf die Reihenfolge der Faktoren) als Produkt von Primzahlen darstellen.

Proof

BWoC: Falls die Primfaktorzerlegung in N{1}\N \setminus \{1\} nicht eindeutig wäre, dann gäbe es eine kleinste Zahl nN{1}n \in \N \setminus \{1\}, die auf mindestens zwei Arten zerlegbar wäre:

n=p1pr=q1qs.n = p_1 \cdot \dots \cdot p_r = q_1 \cdot \dots \cdot q_s.

Da nn das kleinste Beispiel ist, sind alle piqjp_i \neq q_j für alle i,ji, j in ihren Indexmengen. Ausserdem können wir OEdA annehmen, dass die Faktoren der Grösse nach sortiert seien und p1q1p_1 \neq q_1 mit p1+1q1np_1 + 1 \leq q_1 \leq \sqrt{n}.

Wir konstruieren die Zahl

m:=np1q1.m := n - p_1 q_1.

Beachte, dass mm wegen n<m<n\sqrt{n} < m < n eine eindeutige Primfaktorzerlegung hat. Aus

m=p1(p2prq1)=q1(q2qsp1)m = p_1 \cdot (p_2 \cdot \dots \cdot p_r - q_1) = q_1 \cdot (q_2 \cdot \dots \cdot q_s - p_1)

folgt p1(q2qsp1)p_1 \mid (q_2 \cdot \dots \cdot q_s - p_1), also p1(q2qs)p_1 \mid (q_2 \cdot \dots \cdot q_s). Weil aber für Zahlen kleiner als nn die Primfaktorzerlegung eindeutig ist, muss p1=qjp_1 = q_j für mindestens ein j1j \neq 1 gelten; im Widerspruch zu p1qjp_1 \neq q_j j\forall j.

ggT & kgV

Primfaktorzerlegungen spielen auch beim Bestimmen des grössten gemeinsamen Teilers (ggT) und des kleinsten gemeinsamen Vielfachen (kgV) zweier natürlicher Zahlen aa und bb eine wichtige Rolle.

Note 6

Wir können von zwei Zahlen a,bZa, b \in \Z den ggT oder das kgV bestimmen, indem wir ihre Primfaktorzerlegungen vergleichen. Da die Primfaktorzerlegung eindeutig ist, ist der ggT gleich dem Produkt der gemeinsamen Primfaktoren und das kgV gleich dem Produkt jeder vorkommenden Primzahl mit dem höchsten Exponenten aus beiden Zerlegungen.

Example 2

Bestimmen wir den ggT und das kgV von 180180 und 168168.

Dazu zerlegen wir beide Zahlen in Primfaktoren:

180=22325168=2337\begin{aligned} 180 &= 2^2 \cdot 3^2 \cdot 5 \\ 168 &= 2^3 \cdot 3 \cdot 7 \end{aligned}
  • ggT: Wir nehmen die jeweils kleinsten Exponenten der gemeinsamen Primfaktoren:
    • bei 22: min(22,23)=22\min(2^2, 2^3) = 2^2
    • bei 33: min(32,31)=31\min(3^2, 3^1) = 3^1
    • 55 und 77 sind nicht gemeinsam.
      Also ggT(180,168)=223=12\operatorname{ggT}(180, 168) = 2^2 \cdot 3 = 12.
  • kgV: Wir nehmen die jeweils grössten Exponenten aller vorkommenden Primfaktoren:
    • bei 22: max(22,23)=23\max(2^2, 2^3) = 2^3
    • bei 33: max(32,31)=32\max(3^2, 3^1) = 3^2
    • 55: nur in 180, 515^1
    • 77: nur in 168, 717^1
      Also kgV(180,168)=233257=2520\operatorname{kgV}(180, 168) = 2^3 \cdot 3^2 \cdot 5 \cdot 7 = 2520.

Zwischen dem ggT und dem kgV besteht der folgende Zusammenhang.

Theorem 2
ab=ggT(a,b)kgV(a,b)a \cdot b = \operatorname{ggT}(a, b) \cdot \operatorname{kgV}(a, b)
Proof

Für das kgV nimmt man jeweils die maximal vorkommende Anzahl der Primfaktoren aus beiden Zahlen, für den ggT jeweils die minimale Anzahl der gemeinsamen Primfaktoren. Kommt also ein Primfaktor nur in einer der Zahlen vor, so wird er wegen des kgVs verwendet und taucht im ggT nicht auf. Kommt ein Faktor in beiden Zerlegungen vor, so wird er in seiner maximalen Anzahl für das kgV genommen und in seiner minimalen Anzahl für den ggT. Also werden insgesamt alle Faktoren genau einmal im Produkt vorkommen.

Exercise 4: ggT und kgV mit Primfaktorzerlegung

Bestimme den ggT und das kgV von 126126 und 210210.

Solution

Zerlegung in Primfaktoren:

126=2327210=2357\begin{aligned} 126 &= 2 \cdot 3^2 \cdot 7 \\ 210 &= 2 \cdot 3 \cdot 5 \cdot 7 \end{aligned}
  • ggT:

    • bei 22: min(21,21)=2\min(2^1, 2^1) = 2
    • bei 33: min(32,31)=3\min(3^2, 3^1) = 3
    • bei 77: min(71,71)=7\min(7^1, 7^1) = 7
      Also ggT(126,210)=237=42\operatorname{ggT}(126, 210) = 2 \cdot 3 \cdot 7 = 42.
  • kgV:

    • bei 22: 212^1
    • bei 33: 323^2
    • bei 55: 515^1
    • bei 77: 717^1
      Also kgV(126,210)=23257=630\operatorname{kgV}(126, 210) = 2 \cdot 3^2 \cdot 5 \cdot 7 = 630.
Exercise 5: ggT und kgV mit Primfaktorzerlegung II

Bestimme den ggT und das kgV von 8484 und 198198.

Solution

Primfaktorzerlegung:

84=2237198=23211\begin{aligned} 84 &= 2^2 \cdot 3 \cdot 7 \\ 198 &= 2 \cdot 3^2 \cdot 11 \end{aligned}

Also ggT(84,198)=23=6\operatorname{ggT}(84, 198) = 2 \cdot 3 = 6 und kgV(84,198)=2232711=2772\operatorname{kgV}(84, 198) = 2^2 \cdot 3^2 \cdot 7 \cdot 11 = 2772.

Exercise 6: 🧩

Bestimme das kgV und den ggT der Zahlen 153900153'900 und 180600180'600.

Solution

Es ist

153900=22345219180600=23352743\begin{aligned} 153\,900 &= 2^2 \cdot 3^4 \cdot 5^2 \cdot 19 \\ 180\,600 &= 2^3 \cdot 3 \cdot 5^2 \cdot 7 \cdot 43 \end{aligned}

und daher ggT(180600,153900)=22352\operatorname{ggT}(180\,600, 153\,900) = 2^2 \cdot 3 \cdot 5^2 und kgV(180600,153900)=23345271943\operatorname{kgV}(180\,600, 153\,900) = 2^3 \cdot 3^4 \cdot 5^2 \cdot 7 \cdot 19 \cdot 43.