Logarithmen
Wir starten beispielhaft mit einer Exponentialfunktion, welche einen radioaktiven Zerfall beschreibt.
Nach welcher Zeit sinkt die Menge eines radioaktiven Stoffes mit der Halbwertszeit auf einen Zehntel des ursprünglichen Wertes? Wir bezeichnen die Zeit mit und nehmen als Einheit , die Masse zu Beginn sei . Also haben wir für die Restmasse zur Zeit :
Um zu berechnen, wann noch übrig sind, lösen wir die zugehörige Gleichung nach auf:
Das Auflösen nach gelingt uns leider nicht, weil die gesuchte Variable im Exponenten steht. Wir sind gezwungen zu raten und mit "trial and error" zu approximieren. Wegen ist , und man findet als Näherung:

Antwort: Man hat nach ca. noch einen Zehntel der ursprünglichen Masse.
Diese Lösung ist unbefriedigend, da nicht genau bestimmt werden konnte. Das Problem liegt darin, dass wir zur Exponentialfunktion zwar den -Wert kennen, nicht aber den -Wert. Wir suchen also die Inversfunktion der Exponentialfunktion , die zu einem gegebenen -Wert den ursprünglichen -Wert liefert. Wie diese Funktion heisst bzw. definiert ist, wird im nächsten Abschnitt erläutert.
Die Logarithmusfunktion
Wir möchten also eine gegebene Gleichung mit einer Variable im Exponenten lösen können. Dafür gehen wir von den bereits bekannten Exponentialfunktionen aus. Die Exponentialfunktion
ist für streng monoton fallend und für streng monoton wachsend und damit injektiv. Deshalb existiert eine Umkehrfunktion . Diese nennt man Logarithmusfunktion zur Basis und bezeichnet sie mit .
Zeichne die Funktion und den Graphen der Inversfunktion . Siehst du den bekannten grafischen Zusammenhang zwischen Funktion und Inversfunktion?
Solution
Verwende Geogebra, um zu sehen, dass Funktion und Inversfunktion symmetrisch bezüglich der Spiegelung an der Winkelhalbierenden sind.
Betrachte den Graphen der Funktion in einem Koordinatensystem.
a) Verschiebe den Graphen in positiver -Richtung um 2 Einheiten.
b) Spiegle den Graphen an der x-Achse.
Gib jeweils die Gleichung der Bildkurve an.
Mit der \fbox{log}-Taste kann man Werte von Variablen in Exponenten bestimmen. Um sie korrekt einsetzen zu können, wird erst definiert, was unter einem Logarithmus verstanden wird. Die Definition entspricht grundsätzlich einer Regel zum Umschreiben von Exponentialfunktionen.
Unter dem Logarithmus von zur Basis , geschrieben
versteht man diejenige Zahl , welche als Exponent der Basis den Wert ergibt. Mathematisch notiert wird diese Aussage übersichtlich:
nennt man Numerus und Basis des Logarithmus.
Bei Betrachtung obiger Äquivalenz wird klar, dass der Logarithmus nur für und definiert ist.
Überlege kurz, welche Probleme entstünden, wenn man zulassen würde.
Solution
Für gäbe es im Allgemeinen keinen Funktionswert. Für gäbe es für gerade Exponenten oder Wurzeln allenfalls keine Funktionswerte.
- Den Logarithmus von zur Basis zu finden, ist gleichwertig mit der Beantwortung der Frage: " hoch was ergibt ?"
- : Der Logarithmus von zur Basis ist , denn .
- , weil .
- , da .
Bestimme ohne Taschenrechner:
a) , , ,
b) , , ,
c) , , ,
d) , , , ,
e) , , ,
Solution
a) , , ,
b) , , ,
c) , , ,
d) , , , ,
e) , , , n.d.
Der folgende Satz folgt direkt aus der Definition und bringt die saloppe Formulierung aus dem obigen Beispiel auf den Punkt.
Jeder Logarithmus ist ein Exponent.
Proof
Trivial: Nach Definition mit den üblichen Parametern ist , also steht der Logarithmus im Exponenten.
Erstens wird anstelle von nun oft geschrieben. Das wurde verwendet, um klar darzustellen, dass der Logarithmus die Umkehrfunktion einer Exponentialfunktion ist. In anderen Worten wird hier der Schritt "Vertauschung der Variablen" – der ja beim Algorithmus zur Bestimmung von Inversfunktionen als letzter erfolgt – schliesslich vorgenommen. Zweitens kommt als Basis des Logarithmus
oft eine der drei Zahlen , (Eulersche Zahl) oder vor. Deshalb legt man folgende, kürzere Schreibweisen fest:
- (Zehnerlogarithmus)
- (Logarithmus naturalis)
- (Logarithmus dualis)
Oft wird der Numerus in Klammern geschrieben, um deutlich zu kennzeichnen, was alles zum Logarithmus gehört. Zum Beispiel:
Die Funktion
ist für eine monoton wachsende Funktion. Allerdings ist dieses Wachstum sehr langsam. Um einen Eindruck davon zu bekommen, denke man sich ein Koordinatensystem, dessen -Achse mehrere Äquatorumfänge lang ist. Die Einheit sei . Überprüfe die Abbildung für den Graphen von und zeichne die Werte von zwei weiteren "Erdumrundungen" in die Abbildung ein.
Berechne abschliessend die durchschnittliche Änderungsrate des Zehnerlogarithmus über der Strecke von bis zu einem Erdumfang: über dem Intervall .

Solution
Wir nehmen für den mittleren Erdradius , was einen Umfang von ergibt. Das sind , und es ist . Eine Runde später haben wir ungefähr und nach der dritten Runde approximativ .
Die durchschnittliche Änderungsrate ist:
Rechnen wir das in um, so sind es Millimeter Höhe pro Kilometer Länge!
Berechne mit dem Taschenrechner folgende Logarithmen, und kontrolliere deine Berechnung, indem du "hoch" dein jeweiliges Resultat eintippst:
a)
b)
c)
d)
e)
f)
Solution
a)
b)
c)
d)
e)
f)
Löse die Gleichung .
Solution
Durch Umschreiben sieht man, dass wegen gilt: .
Löse jeweils nach :
a)
b)
c)
d)
e)
f)
Solution
a)
b)
c)
d)
e) Hat keine Lösung, da .
f) Ist analytisch ohne Weiteres nicht lösbar, da die gesuchte Variable nicht isoliert werden kann: .
Schreibe folgende Exponentialfunktionen zur Basis (e.g. als ):
a)
b)
c)
d)
e)
f)
Solution
Um eine Basis zur Basis umzuschreiben, nutzt man die Identität . Daraus folgt allgemein .
a)
b)
c)
d)
e)
f)
Alternativer Rechenweg über die Potenzgesetze: \left(\frac{\sqrt{2}}{5}\right)^{2x} = \left(\frac{2}{25}\right)^x \Rightarrow f(x) = 1.5\cdot \mathrm{e}^{\ln\left(\frac{2}{25}\right)\cdot x}\right)
Die Logarithmensätze
Es folgen vier Logarithmenregeln. Die erste ist hilfreich beim Eintippen in den Taschenrechner. Die letzte beschreibt, wie man Gleichungen nach einer im Exponenten stehenden Variablen auflöst. Damit wird man in der Lage sein, die für unser Ausgangsproblem gesuchte Variable exakt zu bestimmen.
Die erste Regel besagt, dass jeder Logarithmus zu einer beliebigen Basis als Quotient von Logarithmen zu einer beliebigen Basis geschrieben werden kann.
Um diesen Satz zu beweisen, brauchen wir eine der folgenden drei Rechenregeln, die leicht mit der Definition nachgewiesen werden können.
Es gilt:
Proof
Nach Definition; Hinweis: Erinnere dich daran, dass ein Logarithmus die Inversfunktion einer Exponentialfunktion ist und daher die Gesetze ähnlich zu den Potenzgesetzen sein müssen.
Die erste Regel: Wir setzen und . Es ist und , woraus folgt, also mit der Definition .
Zur zweiten: Analog wie oben sieht man und damit .
Die dritte Aussage erhält man mit vollständiger Induktion aus der Additionsregel oder und daraus . Also .
Wir haben ein paar Graphen anhand von Wertetabellen oder mit Geogebra gezeichnet.
Skizziere die Graphen der Funktionen und in ein und dasselbe Koordinatensystem. Was fällt auf?
Solution
Es sei , also . Diese Exponentialgleichung logarithmieren wir auf beiden Seiten:
Mit der dritten Logarithmenregel folgt dann . Daraus folgt unmittelbar die Behauptung.
Skizziere die Graphen der Funktionen und in ein und dasselbe Koordinatensystem. Was fällt auf? Erkläre das Ergebnis.
Solution
Wiederum überprüft man die Skizze mit Geogebra. Da und Inversfunktionen voneinander sind, sind die Graphen symmetrisch bezüglich der Achse .
Vereinfache , , , .
Solution
, , ,
Graphen von Logarithmusfunktionen haben folgende Eigenschaften:
-
Sie gehen alle durch den Punkt .
-
Die Graphen von und sind achsensymmetrisch bezüglich der -Achse.
Proof
Wir betrachten eine beliebige Logarithmusfunktion . Es gilt genau dann, wenn , d. h. , und der erste Punkt ist bewiesen.
Um den zweiten Punkt zu verifizieren, betrachten wir:
Also sind die Graphen von und symmetrisch bezüglich der -Achse.
Gegeben sei die natürliche Exponentialfunktion:
a) Zeichne den Graphen von und spiegle diesen an der Winkelhalbierenden durch den 1. und 3. Quadranten. Überlege, dass durch die Spiegelung der Graph einer neuen Funktion entsteht.
b) Bestimme die Funktionswerte von an den Stellen , , und .
Schliesslich halten wir noch fest:
Jede Logarithmusfunktion ist die Inverse einer Exponentialfunktion und umgekehrt.
Proof
Wir bestimmen die Inversfunktion einer beliebigen Exponentialfunktion:
Variablen umbenennen und die Inversfunktion mit bezeichnen: Die Umkehrung gilt ebenfalls, weil wir ausschliesslich Identitäten und Äquivalenzen verwendet haben.
Weitere Anwendungen
Logarithmen kann man benutzen, um Zahlen zu berechnen, welche ausserhalb der Kapazität des Taschenrechners liegen.
Wir wollen berechnen. Eingetippt in den Taschenrechner erhalten wir leider nur die obere Kapazitätsgrenze; das Gerät ist überfordert. Wir helfen der Rechenmaschine etwas nach:
Das bedeutet:
Berechne .
Solution
, und damit .
Der pH-Wert ist ein Mass für die HO-Konzentration einer Lösung. Es gilt:
wobei die Konzentration von HO in bezeichnet.

a) Für Tomaten ist , für Milch . Berechne die zugehörigen pH-Werte.
b) Welchen pH-Wert hat eine Lösung mit ?
Solution
a) Tomaten , Milch
b)
Die Lautstärke eines Geräuschs von der Intensität ist definiert durch
dB steht für Dezibel, nach dem amerikanischen Ingenieur Graham Bell (1847–1922), dem Erfinder des Telefons. bedeutet die Intensität eines Geräuschs, das vom menschlichen Ohr gerade noch wahrgenommen werden kann.
a) Die Geräuschintensität normaler Unterhaltung ist etwa eine Million Mal so gross wie . Welchem Dezibel-Wert entspricht das?
b) Eine Intensitätszunahme von empfindet das menschliche Ohr als Verdoppelung der Lautstärke. Welcher Intensitätszunahme in Prozent entspricht dies?
c) Ein Düsenflugzeug entwickelt beim Start eine Intensität von . Dezibel-Werte von mehr als gelten als gehörschädigend; ist es die angegebene Intensität?
Solution
a)
b) , also und nach Definition . Somit gilt , d. h. eine Verzehnfachung der Intensität!
c) , ja.
Die Stärke von Erdbeben gibt man durch Werte der sogenannten Richter-Skala an. Diese ist definiert durch
wobei die Intensität eines gerade noch wahrnehmbaren Bebens bezeichnet.
a) Das Beben von San Francisco im Jahr 1906 hatte eine Intensität von . Welchem Wert auf der Richter-Skala entspricht dies?
b) Welche Intensitätsänderung bedeutet eine Zunahme von auf der Richter-Skala?
Solution
a)
b) , woraus folgt, also das Zehnfache.
Gleichungen mit einer Variable im Exponenten
Die Lösung unseres Ausgangsproblems, die Bestimmung von Variablen in Exponenten, soll an einem Beispiel vorgeführt werden.
Wir lösen die Gleichung
nach auf. Dies können wir auf zwei Arten tun.
- Mit Logarithmieren auf beiden Seiten:
- Mit der Definition:
Kontrolle:
Löse nach auf:
Solution
Stelle drei Gleichungen auf, bei denen die Variable im Exponenten vorkommt. Löse diese und überprüfe deine Resultate durch Einsetzen in die ursprüngliche Gleichung.
Solution
Kontrolliere, indem du in das Anfangsproblem einsetzt.
Nach UNO-Angaben lebten 1988 auf der Erde 5113 Millionen Menschen; die jährliche Wachstumsrate betrug 1.7%. Wann wird unter der Annahme, dass diese Zuwachsrate konstant bleibt, jedem Menschen nur noch ein Stehplatz von zur Verfügung stehen? (Die Landfläche beträgt 29% der Erdoberfläche.)
Solution
Mit dem Startwert im Jahr 1988 haben wir die Funktion für die Anzahl Menschen nach Jahren: . Für die Fläche verwenden wir den mittleren Erdradius und berechnen die Landfläche . Wir setzen:
und erhalten damit , also etwa im Jahr 2680.
Beim radioaktiven Zerfall wird meistens die sogenannte Halbwertszeit angegeben. Die Halbwertszeit ist die Zeit, in der die Hälfte der zu Beginn vorhandenen Atome zerfällt.
Für Uran beträgt die Halbwertszeit . Stelle die Gleichung der Zerfallsfunktion auf, wenn zu Beginn Atome vorhanden sind.
Solution
Bezeichne die Anzahl Atome zum Zeitpunkt . Es ist . Wir schliessen aus der Halbwertszeit, dass gilt. Es folgt:
In lebenden Organismen besteht Kohlenstoff aus stabilen Atomkernen sowie einem Anteil () aus radioaktiven Atomkernen C, die durch kosmische Strahlung entstehen. Sobald ein organischer Stoff stirbt, nimmt der C-Anteil mit einer Halbwertszeit von 5736 Jahren exponentiell ab.
a) Im Jahre 1960 stellte man in der Leinwand einer altägyptischen Königsmumie einen C-Anteil von fest. Datiere auf hundert Jahre genau.
b) 1950 wurden in der Höhle von Lascaux (Frankreich) Holzkohlereste mit einem C-Anteil von gefunden. Berechne das Alter dieser Holzkohle.
Solution
Für die Zerfallsfunktion ermitteln wir den Faktor aus der Halbwertszeit:
und es folgt . Wir lösen:
In der Informationstheorie versteht man unter dem Informationsgehalt eines Ereignisses mit der Wahrscheinlichkeit den Logarithmus von zur Basis 2.
Welche Wahrscheinlichkeit gehört zum Informationsgehalt bit? Eine Münze (Kopf oder Zahl) wird viermal nacheinander geworfen. Berechne den Informationsgehalt der Ereignisse:
a) nie Kopf,
b) genau einmal Kopf,
c) genau zweimal Kopf,
d) genau dreimal Kopf,
e) viermal Kopf.
Solution
Zu gehört die Wahrscheinlichkeit , zu gehört , zu gehört , zu gehört , zu gehört .
a) und damit .
b) , also .
c) . Somit .
d) .
e) .
Logarithmische Skala
Manchmal verwendet man bei der Darstellung von Funktionen die logarithmische Skala. Dabei bedeutet eine Einheit eine Zehnerpotenz. Als Illustration soll die Funktion einerseits im üblichen Koordinatensystem und andererseits im Koordinatensystem mit logarithmischer y-Achse dienen. Die logarithmisch eingeteilte Achse beginnt bei .


