Logarithmen

Wir starten beispielhaft mit einer Exponentialfunktion, welche einen radioaktiven Zerfall beschreibt.

Example 1

Nach welcher Zeit tt sinkt die Menge m0m_0 eines radioaktiven Stoffes mit der Halbwertszeit T=30  yT=\qty{30}{y} auf einen Zehntel des ursprünglichen Wertes? Wir bezeichnen die Zeit mit tt und nehmen als Einheit 30  y\qty{30}{y}, die Masse zu Beginn sei m0m_0. Also haben wir für die Restmasse mm zur Zeit tt:

m(t)=m0(12)tm(t)=m_0\cdot\left(\frac{1}{2}\right)^t

Um zu berechnen, wann noch m010\frac{m_0}{10} übrig sind, lösen wir die zugehörige Gleichung nach tt auf:

m010=m0(12)t110=(12)t10=2t\begin{align*} \frac{m_0}{10}&=m_0\cdot\left(\frac{1}{2}\right)^t\tag{$\div m_0$}\\ \frac{1}{10}&=\left(\frac{1}{2}\right)^t\tag{$(\phantom{x})^{-1}$}\\ 10&=2^t \end{align*}

Das Auflösen nach tt gelingt uns leider nicht, weil die gesuchte Variable im Exponenten steht. Wir sind gezwungen zu raten und mit "trial and error" zu approximieren. Wegen 23<10<242^3<10<2^4 ist 3<t<43<t<4, und man findet als Näherung:

t3.32t\approx 3.32

Antwort: Man hat nach ca. 99.6  y\qty{99.6}{y} noch einen Zehntel der ursprünglichen Masse.

Diese Lösung ist unbefriedigend, da tt nicht genau bestimmt werden konnte. Das Problem liegt darin, dass wir zur Exponentialfunktion f(x)=2xf(x)=2^x zwar den yy-Wert 1010 kennen, nicht aber den xx-Wert. Wir suchen also die Inversfunktion der Exponentialfunktion 2x2^x, die zu einem gegebenen yy-Wert den ursprünglichen xx-Wert liefert. Wie diese Funktion heisst bzw. definiert ist, wird im nächsten Abschnitt erläutert.

Die Logarithmusfunktion

Wir möchten also eine gegebene Gleichung mit einer Variable im Exponenten lösen können. Dafür gehen wir von den bereits bekannten Exponentialfunktionen aus. Die Exponentialfunktion

f(x)=bxf(x)=b^x

ist für 0<b<10<b<1 streng monoton fallend und für b>1b>1 streng monoton wachsend und damit injektiv. Deshalb existiert eine Umkehrfunktion f1f^{-1}. Diese nennt man Logarithmusfunktion zur Basis bb und bezeichnet sie mit logb\log_b.

Exercise 1

Zeichne die Funktion f(x)=2xf(x)=2^x und den Graphen der Inversfunktion f1(x)=log2(x)f^{-1}(x)=\log_2(x). Siehst du den bekannten grafischen Zusammenhang zwischen Funktion und Inversfunktion?

Solution

Verwende Geogebra, um zu sehen, dass Funktion und Inversfunktion symmetrisch bezüglich der Spiegelung an der Winkelhalbierenden y=xy=x sind.

Exercise 2

Betrachte den Graphen der Funktion f(x)=log2(x)f(x)=\log_2(x) in einem Koordinatensystem.

a) Verschiebe den Graphen in positiver xx-Richtung um 2 Einheiten.

b) Spiegle den Graphen an der x-Achse.

Gib jeweils die Gleichung der Bildkurve an.

Solution

Wiederum konsultiert man Geogebra.

a) g(x)=f(x2)=log2(x2)g(x)=f(x-2)=\log_2(x-2)

b) g(x)=f(x)=log2(x)g(x)=-f(x)=-\log_2(x)

Mit der \fbox{log}-Taste kann man Werte von Variablen in Exponenten bestimmen. Um sie korrekt einsetzen zu können, wird erst definiert, was unter einem Logarithmus verstanden wird. Die Definition entspricht grundsätzlich einer Regel zum Umschreiben von Exponentialfunktionen.

Definition 1

Unter dem Logarithmus von yy zur Basis bb, geschrieben

logby,\log_b{y},

versteht man diejenige Zahl xRx\in\mathbb{R}, welche als Exponent der Basis bR+{1}b\in\mathbb{R}^+\setminus{\{1\}} den Wert yy ergibt. Mathematisch notiert wird diese Aussage übersichtlich:

x=logb(y):bx=yx=\log_b{(y)}\quad :\Leftrightarrow \quad b^x=y

yy nennt man Numerus und bb Basis des Logarithmus.

Note 1

Bei Betrachtung obiger Äquivalenz wird klar, dass der Logarithmus nur für y,bR+y,b\in\mathbb{R}^+ und b1b\neq 1 definiert ist.

Exercise 3

Überlege kurz, welche Probleme entstünden, wenn man y,bRy,b\in\mathbb{R} zulassen würde.

Solution

Für b=1b=1 gäbe es im Allgemeinen keinen Funktionswert. Für yRy\in\mathbb{R}^- gäbe es für gerade Exponenten oder Wurzeln allenfalls keine Funktionswerte.

Example 2
  • Den Logarithmus von yy zur Basis bb zu finden, ist gleichwertig mit der Beantwortung der Frage: "bb hoch was ergibt yy?"
  • log2(8)=3\log_2{(8)}=3: Der Logarithmus von 88 zur Basis 22 ist 33, denn 23=82^3=8.
  • log10(100)=2\log_{10}{(100)}=2, weil 102=10010^2=100.
  • log13(19)=2\log_{\frac{1}{3}}{(\frac{1}{9})}=2, da (13)2=19(\frac{1}{3})^2=\frac{1}{9}.
Exercise 4

Bestimme ohne Taschenrechner:

a) log10(1000)\log_{10}(1000), log10(1000000)\log_{10}(1000000), log10(106)\log_{10}(10^6), log10(10837)\log_{10}(10^{837})

b) log10(0.1)\log_{10}(0.1), log10(0.01)\log_{10}(0.01), log10(110)\log_{10}(\frac{1}{10}), log10(110000)\log_{10}(\frac{1}{10\,000})

c) log2(4)\log_{2}(4), log2(1024)\log_{2}(1024), log2(14)\log_{2}(\frac{1}{4}), log2(1512)\log_{2}(\frac{1}{512})

d) loge(1)\log_{\mathrm{e}}(1), loge(e)\log_{\mathrm{e}}(\mathrm{e}), loge(e3)\log_{\mathrm{e}}(\mathrm{e}^3), loge(1e4)\log_{\mathrm{e}}(\frac{1}{\mathrm{e}^4}), loge(e)\log_\mathrm{e}(\sqrt{\mathrm{e}})

e) logb(1)\log_b(1), logb(bk)\log_b(\sqrt[k]{b}), logb(1b2)\log_b(\frac{1}{b^2}), logb(0)\log_b(0)

Solution

a) 33, 66, 66, 837837

b) 1-1, 2-2, 1-1, 4-4

c) 22, 1010, 2-2, 9-9

d) 00, 11, 33, 4-4, 12\frac{1}{2}

e) 00, 1k\frac{1}{k}, 2-2, n.d.

Der folgende Satz folgt direkt aus der Definition und bringt die saloppe Formulierung aus dem obigen Beispiel auf den Punkt.

Theorem 1

Jeder Logarithmus ist ein Exponent.

Proof

Trivial: Nach Definition mit den üblichen Parametern ist logb(y)=x:bx=y\log_b(y)=x :\Leftrightarrow b^x=y, also steht der Logarithmus im Exponenten.

Erstens wird anstelle von logb(y)\log_b(y) nun oft logb(x)\log_b(x) geschrieben. Das yy wurde verwendet, um klar darzustellen, dass der Logarithmus x=logb(y)x=\log_b(y) die Umkehrfunktion einer Exponentialfunktion y=bxy=b^x ist. In anderen Worten wird hier der Schritt "Vertauschung der Variablen" – der ja beim Algorithmus zur Bestimmung von Inversfunktionen als letzter erfolgt – schliesslich vorgenommen. Zweitens kommt als Basis bb des Logarithmus

logb(x)\log_b(x)

oft eine der drei Zahlen 22, e\mathrm{e} (Eulersche Zahl) oder 1010 vor. Deshalb legt man folgende, kürzere Schreibweisen fest:

Oft wird der Numerus in Klammern geschrieben, um deutlich zu kennzeichnen, was alles zum Logarithmus gehört. Zum Beispiel:

log3.5(4x3+2x1)\log_{3.5}(4x^3+2x-1)
Exercise 5

Lasse von Geogebra folgende Logarithmusfunktionen zeichnen:

  • f(x)=log(x)f(x) = \log (x)

  • g(x)=ln(x)g(x) = \ln (x)

Solution
Exercise 6

Die Funktion

f(x)=logb(x)f(x)=\log_b(x)

ist für b>1b >1 eine monoton wachsende Funktion. Allerdings ist dieses Wachstum sehr langsam. Um einen Eindruck davon zu bekommen, denke man sich ein Koordinatensystem, dessen xx-Achse mehrere Äquatorumfänge lang ist. Die Einheit sei 1  cm\qty{1}{cm}. Überprüfe die Abbildung für den Graphen von log(x)\log(x) und zeichne die Werte von zwei weiteren "Erdumrundungen" in die Abbildung ein.

Berechne abschliessend die durchschnittliche Änderungsrate des Zehnerlogarithmus über der Strecke von 1  cm\qty{1}{cm} bis zu einem Erdumfang: Δlog(x)Δx\frac{\Delta\log(x)}{\Delta x} über dem Intervall [1,2πrErde][1, 2\pi r_{\mathrm{Erde}}].

Solution

Wir nehmen für den mittleren Erdradius rE=6370  kmr_E=\qty{6370}{km}, was einen Umfang von UE40000  kmU_E\approx\qty{40\,000}{km} ergibt. Das sind 4000000000  cm\qty{4\,000\,000\,000}{cm}, und es ist log(4000000000)9.6\log(4\,000\,000\,000)\approx 9.6. Eine Runde später haben wir ungefähr 9.99.9 und nach der dritten Runde approximativ 10.210.2.

Die durchschnittliche Änderungsrate ist:

Δlog(x)Δx=log(2πrE)log(1)2πrE1log(4109)41092.4109\frac{\Delta\log(x)}{\Delta x}=\frac{\log(2\pi r_E)-\log(1)}{2\pi r_E-1}\approx\frac{\log(4\cdot 10^9)}{4\cdot 10^9}\approx 2.4\cdot 10^{-9}

Rechnen wir das in mmkm\frac{\mathrm{mm}}{\mathrm{km}} um, so sind es 0.00240.0024 Millimeter Höhe pro Kilometer Länge!

Exercise 7

Berechne mit dem Taschenrechner folgende Logarithmen, und kontrolliere deine Berechnung, indem du 1010 "hoch" dein jeweiliges Resultat eintippst:

a) log(7)\log_{}{(7)}

b) log(1001)\log_{}{(1001)}

c) log(1024)\log_{}{(1024)}

d) log(0.101)\log_{}{(0.101)}

e) log(1023)\log_{}{(10^{-23})}

f) log(0.5)\log_{}{(0.5)}

Solution

a) 0.85\approx 0.85

b) 3\approx 3

c) 3.01\approx 3.01

d) 0.996\approx -0.996

e) 23-23

f) 0.3\approx -0.3

Exercise 8: Potenzen

Löse die Gleichung ex=e\mathrm{e}^x = \sqrt{\mathrm{e}}.

Solution

Durch Umschreiben sieht man, dass wegen e=e12\sqrt{\mathrm{e}}=\mathrm{e}^\frac{1}{2} gilt: x=12x=\frac{1}{2}.

Exercise 9

Löse jeweils nach xx:

a) 3=10x3=10^x

b) 30=78x30=7\cdot 8^x

c) 513x3=375\cdot 13^{x-3}=\sqrt{37}

d) 22x=492\cdot 2^x=49

e) 3=10x-3=10^x

f) 2x=10x2x=10^x

Solution

a) x=log(3)0.477x=\log(3)\approx 0.477

b) 307=8xx=log8(307)0.7\frac{30}{7}=8^x\Leftrightarrow x=\log_8(\frac{30}{7})\approx 0.7

c) x3=log13(375)x=3+log13(375)3.0764x-3=\log_{13}(\frac{\sqrt{37}}{5})\Leftrightarrow x=3+\log_{13}(\frac{\sqrt{37}}{5})\approx 3.0764

d) 2x+1=49x+1=log2(49)x=log2(49)14.62^{x+1}=49\Leftrightarrow x+1=\log_2(49)\Leftrightarrow x=\log_2(49)-1\approx 4.6

e) Hat keine Lösung, da 10x>0  xR10^x>0\;\forall x\in\mathbb{R}.

f) Ist analytisch ohne Weiteres nicht lösbar, da die gesuchte Variable nicht isoliert werden kann: x=log(2x)x=\log(2x).

Exercise 10

Schreibe folgende Exponentialfunktionen zur Basis e\mathrm{e} (e.g. abxa\cdot b^x als aecxa\cdot\mathrm{e}^{cx}):

a) f(x)=32xf(x) = 3\cdot 2^x

b) f(x)=54xf(x) = 5\cdot 4^x

c) f(x)=20.7xf(x) = 2\cdot 0.7^x

d) f(x)=65x3f(x) = 6\cdot 5^{\frac{x}{3}}

e) f(x)=43xf(x) = 4\cdot \sqrt{3}^x

f) f(x)=1.5(25)2xf(x) = 1.5\cdot \left(\frac{\sqrt{2}}{5}\right)^{2x}

Solution

Um eine Basis bb zur Basis e\mathrm{e} umzuschreiben, nutzt man die Identität b=eln(b)b = \mathrm{e}^{\ln(b)}. Daraus folgt allgemein bg(x)=eln(b)g(x)b^{g(x)} = \mathrm{e}^{\ln(b)\cdot g(x)}.

a) f(x)=32x=3eln(2)xf(x) = 3\cdot 2^x = 3\cdot \mathrm{e}^{\ln(2)\cdot x}

b) f(x)=54x=5eln(4)x(oder 5e2ln(2)x)f(x) = 5\cdot 4^x = 5\cdot \mathrm{e}^{\ln(4)\cdot x} \quad \left(\text{oder } 5\cdot \mathrm{e}^{2\ln(2)\cdot x}\right)

c) f(x)=20.7x=2eln(0.7)xf(x) = 2\cdot 0.7^x = 2\cdot \mathrm{e}^{\ln(0.7)\cdot x}

d) f(x)=65x3=6eln(5)x3=6eln(5)3xf(x) = 6\cdot 5^{\frac{x}{3}} = 6\cdot \mathrm{e}^{\ln(5)\cdot \frac{x}{3}} = 6\cdot \mathrm{e}^{\frac{\ln(5)}{3}\cdot x}

e) f(x)=43x=4(312)x=43x2=4eln(3)2xf(x) = 4\cdot \sqrt{3}^x = 4\cdot \left(3^{\frac{1}{2}}\right)^x = 4\cdot 3^{\frac{x}{2}} = 4\cdot \mathrm{e}^{\frac{\ln(3)}{2}\cdot x}

f) f(x)=1.5(25)2x=1.5eln(25)2x=1.5e2ln(25)xf(x) = 1.5\cdot \left(\frac{\sqrt{2}}{5}\right)^{2x} = 1.5\cdot \mathrm{e}^{\ln\left(\frac{\sqrt{2}}{5}\right)\cdot 2x} = 1.5\cdot \mathrm{e}^{2\cdot \ln\left(\frac{\sqrt{2}}{5}\right)\cdot x}

Alternativer Rechenweg über die Potenzgesetze: \left(\frac{\sqrt{2}}{5}\right)^{2x} = \left(\frac{2}{25}\right)^x \Rightarrow f(x) = 1.5\cdot \mathrm{e}^{\ln\left(\frac{2}{25}\right)\cdot x}\right)

Die Logarithmensätze

Es folgen vier Logarithmenregeln. Die erste ist hilfreich beim Eintippen in den Taschenrechner. Die letzte beschreibt, wie man Gleichungen nach einer im Exponenten stehenden Variablen auflöst. Damit wird man in der Lage sein, die für unser Ausgangsproblem gesuchte Variable tt exakt zu bestimmen.

Die erste Regel besagt, dass jeder Logarithmus zu einer beliebigen Basis bb als Quotient von Logarithmen zu einer beliebigen Basis nn geschrieben werden kann.

Theorem 2
logb(x)=logn(x)logn(b)\log_b{(x)} = \frac{\log_n{(x)}}{\log_n{(b)}}

Um diesen Satz zu beweisen, brauchen wir eine der folgenden drei Rechenregeln, die leicht mit der Definition nachgewiesen werden können.

Theorem 3

Es gilt:

logb(uv)=logb(u)+logb(v)logb(uv)=logb(u)logb(v)logb(un)=nlogb(u)\begin{align*} \log_b{(u\cdot v)} &= \log_b{(u)} + \log_b{(v)}\\ \log_b{(\dfrac{u}{v})}&=\log_b{(u)} - \log_b{(v)}\\ \log_b{(u^n)}&=n\cdot\log_b{(u)} \end{align*}
Proof

Nach Definition; Hinweis: Erinnere dich daran, dass ein Logarithmus die Inversfunktion einer Exponentialfunktion ist und daher die Gesetze ähnlich zu den Potenzgesetzen sein müssen.

Die erste Regel: Wir setzen logb(u)=:x\log_b(u)=:x und logb(v)=:y\log_b(v)=:y. Es ist u=bxu=b^x und v=byv=b^y, woraus uv=bxby=bx+yu\cdot v=b^x\cdot b^y=b^{x+y} folgt, also mit der Definition logb(uv)=x+y=logb(u)+logb(v)\log_b(u\cdot v)=x+y=\log_b(u)+\log_b(v).

Zur zweiten: Analog wie oben sieht man u÷v=bx÷by=bxyu\div v=b^x\div b^y=b^{x-y} und damit logb(u÷v)=xy=logb(u)logb(v)\log_b(u\div v)=x-y=\log_b(u)-\log_b(v).

Die dritte Aussage erhält man mit vollständiger Induktion aus der Additionsregel oder logb(un)=:xbx=un\log_b(u^n)=:x\Leftrightarrow b^x=u^n und daraus u=bxnu=b^\frac{x}{n}. Also logb(u)=xnnlogb(u)=x=logb(un)\log_b(u)=\frac{x}{n}\Leftrightarrow n\cdot\log_b(u)=x=\log_b(u^n).

Wir haben ein paar Graphen anhand von Wertetabellen oder mit Geogebra gezeichnet.

Exercise 11

Skizziere die Graphen der Funktionen f(x)=loge(x)f(x)=\log_\mathrm{e}(x) und g(x)=log1e(x)g(x)=\log_{\frac{1}{\mathrm{e}}}(x) in ein und dasselbe Koordinatensystem. Was fällt auf?

Solution

Es sei logb(x)=y\log_b{(x)} = y, also by=xb^y=x. Diese Exponentialgleichung logarithmieren wir auf beiden Seiten:

logn(by)=logn(x)\log_n{(b^y)}=\log_n{(x)}

Mit der dritten Logarithmenregel folgt dann ylogn(b)=logn(x)y=logn(x)logn(b)y\cdot\log_n{(b)}=\log_n{(x)}\Leftrightarrow y=\frac{\log_n{(x)}}{\log_n{(b)}}. Daraus folgt unmittelbar die Behauptung.

Exercise 12

Skizziere die Graphen der Funktionen f(x)=ln(x)f(x)=\ln(x) und g(x)=exg(x)=\mathrm{e}^x in ein und dasselbe Koordinatensystem. Was fällt auf? Erkläre das Ergebnis.

Solution

Wiederum überprüft man die Skizze mit Geogebra. Da ff und gg Inversfunktionen voneinander sind, sind die Graphen symmetrisch bezüglich der Achse y=xy=x.

Exercise 13

Vereinfache eln2\mathrm{e}^{\ln 2}, ln(e2)\ln(\mathrm{e}^2), eln(x)\mathrm{e}^{\ln(x)}, ln(ex)\ln(\mathrm{e}^x).

Solution

22, 22, xx, xx

Theorem 4

Graphen von Logarithmusfunktionen haben folgende Eigenschaften:

  • Sie gehen alle durch den Punkt (10)(1|0).

  • Die Graphen von f(x)=logb(x)f(x)=\log_b{(x)} und g(x)=log1b(x)g(x)=\log_{\frac{1}{b}}{(x)} sind achsensymmetrisch bezüglich der xx-Achse.

Proof

Wir betrachten eine beliebige Logarithmusfunktion f(x)=logb(x)f(x)=\log_b(x). Es gilt f(1)=logb(1)f(1)=\log_b(1) genau dann, wenn bf(1)=1b^{f(1)}=1, d. h. f(1)=0f(1)=0, und der erste Punkt ist bewiesen.

Um den zweiten Punkt zu verifizieren, betrachten wir:

g(x)=log1b(x)=logb1(x)=logb(x)logb(b1)=logb(x)logb(b)=logb(x)=f(x)\begin{align*} g(x)&=\log_{\frac{1}{b}}(x)=\log_{b^{-1}}(x)=\frac{\log_b (x)}{\log_b (b^{-1})} = \frac{\log_b (x)}{-\log_b (b)} = -\log_{b}(x)\\ &= -f(x) \end{align*}

Also sind die Graphen von f(x)f(x) und g(x)g(x) symmetrisch bezüglich der xx-Achse.

Exercise 14

Gegeben sei die natürliche Exponentialfunktion:

f(x)=exf(x)=\mathrm{e}^x

a) Zeichne den Graphen von ff und spiegle diesen an der Winkelhalbierenden durch den 1. und 3. Quadranten. Überlege, dass durch die Spiegelung der Graph einer neuen Funktion gg entsteht.

b) Bestimme die Funktionswerte von gg an den Stellen e\mathrm{e}, e2\mathrm{e}^2, e1\mathrm{e}^{-1} und e\sqrt{\mathrm{e}}.

Solution

a) Check mit Geogebra.

b) Anhand der Spiegelung sieht man: g(e)=1g(\mathrm{e})=1, g(e2)=2g(\mathrm{e}^2)=2, g(e1)=1g(\mathrm{e}^{-1})=-1 und g(e)=12g(\sqrt{\mathrm{e}})=\frac{1}{2}.

Schliesslich halten wir noch fest:

Theorem 5

Jede Logarithmusfunktion ist die Inverse einer Exponentialfunktion und umgekehrt.

Proof

Wir bestimmen die Inversfunktion einer beliebigen Exponentialfunktion:

y=bxx=logb(y)y=b^x\quad \Leftrightarrow\quad x=\log_b(y)

Variablen umbenennen und die Inversfunktion mit f1f^{-1} bezeichnen: f1(x)=logb(x).f^{-1}(x)=\log_b(x). Die Umkehrung gilt ebenfalls, weil wir ausschliesslich Identitäten und Äquivalenzen verwendet haben.

Weitere Anwendungen

Logarithmen kann man benutzen, um Zahlen zu berechnen, welche ausserhalb der Kapazität des Taschenrechners liegen.

Example 3

Wir wollen x=24000x=2^{4000} berechnen. Eingetippt in den Taschenrechner erhalten wir leider nur die obere Kapazitätsgrenze; das Gerät ist überfordert. Wir helfen der Rechenmaschine etwas nach:

log(x)=log(24000)=4000log(2)=1204.1199\log(x)=\log(2^{4000})=4000\cdot\log(2)= 1204.1199

Das bedeutet:

x=101204.1199=101204+0.1199=100.1199101204=1.318101204x=10^{1204.1199}=10^{1204+0.1199}=10^{0.1199}\cdot 10^{1204}=1.318\cdot 10^{1204}
Exercise 15

Berechne 9(99)9^{(9^9)}.

Solution

99=3874204899^9=387\,420\,489, log(9387420489)=387420489log(9)369693099.63157\log(9^{387\,420\,489})=387\,420\,489\log(9)\approx 369\,693\,099.63157 und damit 99910369693099.631574.28103696930999^{9^9}\approx 10^{369\,693\,099.63157}\approx 4.28\cdot 10^{369\,693\,099}.

Exercise 16

Der pH-Wert ist ein Mass für die H3_3O+^+-Konzentration einer Lösung. Es gilt:

pH=log(H)\mathrm{pH} = -\log{(H)}

wobei HH die Konzentration von H3_3O+^+ in mol/l\unit{mol/l} bezeichnet.

a) Für Tomaten ist H=6.3105mol/lH=6.3\cdot 10^{-5}\,\unit{mol/l}, für Milch H=4107mol/lH=4\cdot 10^{-7}\,\unit{mol/l}. Berechne die zugehörigen pH-Werte.

b) Welchen pH-Wert hat eine Lösung mit H=1  mol/lH=\qty{1}{mol/l}?

Solution

a) Tomaten 4.24.2, Milch 6.46.4

b) 00

Exercise 17

Die Lautstärke LL eines Geräuschs von der Intensität II ist definiert durch

L=10log(II0)dBL=10\cdot\log\left(\frac{I}{I_0}\right)\,\unit{dB}

dB steht für Dezibel, nach dem amerikanischen Ingenieur Graham Bell (1847–1922), dem Erfinder des Telefons. I0I_0 bedeutet die Intensität eines Geräuschs, das vom menschlichen Ohr gerade noch wahrgenommen werden kann.

a) Die Geräuschintensität normaler Unterhaltung ist etwa eine Million Mal so gross wie I0I_0. Welchem Dezibel-Wert entspricht das?

b) Eine Intensitätszunahme von 10  dB\qty{10}{dB} empfindet das menschliche Ohr als Verdoppelung der Lautstärke. Welcher Intensitätszunahme in Prozent entspricht dies?

c) Ein Düsenflugzeug entwickelt beim Start eine Intensität von 1013I010^{13}I_0. Dezibel-Werte von mehr als 90  dB\qty{90}{dB} gelten als gehörschädigend; ist es die angegebene Intensität?

Solution

a) L=10log(II0)=10log(106I0I0)=10log(106)=60  dBL=10\cdot\log\left(\frac{I}{I_0}\right)=10\cdot\log\left(\frac{10^6\cdot I_0}{I_0}\right)=10\cdot\log(10^6)=\qty{60}{dB}

b) ΔL=10=10log(I2I0)10log(I1I0)\Delta L=10=10\log(\frac{I_2}{I_0})-10\log(\frac{I_1}{I_0}), also 1=log(I2I0)log(I1I0)=log(I2I1)1=\log(\frac{I_2}{I_0})-\log(\frac{I_1}{I_0})=\log(\frac{I_2}{I_1}) und nach Definition 10=I2I110=\frac{I_2}{I_1}. Somit gilt I2=10I1I_2=10\cdot I_1, d. h. eine Verzehnfachung der Intensität!

c) L=130  dBL=\qty{130}{dB}, ja.

Exercise 18

Die Stärke von Erdbeben RR gibt man durch Werte der sogenannten Richter-Skala an. Diese ist definiert durch

R=log(BB0),R=\log\left(\frac{B}{B_0}\right),

wobei B0B_0 die Intensität eines gerade noch wahrnehmbaren Bebens bezeichnet.

a) Das Beben von San Francisco im Jahr 1906 hatte eine Intensität von B=B0108.25B=B_0\cdot 10^{8.25}. Welchem Wert auf der Richter-Skala entspricht dies?

b) Welche Intensitätsänderung bedeutet eine Zunahme von 11 auf der Richter-Skala?

Solution

a) R=8.25R=8.25
b) ΔR=1=log(B2B0)log(B1B0)=log(B2B1)\Delta R=1=\log(\frac{B_2}{B_0})-\log(\frac{B_1}{B_0})=\log(\frac{B_2}{B_1}), woraus B2=10B1B_2=10\cdot B_1 folgt, also das Zehnfache.

Gleichungen mit einer Variable im Exponenten

Die Lösung unseres Ausgangsproblems, die Bestimmung von Variablen in Exponenten, soll an einem Beispiel vorgeführt werden.

Example 4

Wir lösen die Gleichung

6x1=106^{x-1}=10

nach xx auf. Dies können wir auf zwei Arten tun.

  1. Mit Logarithmieren auf beiden Seiten:
log6x1=log10(x1)log6=1x1=1log6x=1log6+12.285\begin{align*} \log{6^{x-1}}&=\log{10} \tag{Regel (3)}\\ (x-1)\cdot\log{6}&= 1 \tag{$\div\log{6}$}\\ x-1 &= \frac{1}{\log{6}} \tag{$+1$}\\ x &= \frac{1}{\log{6}} + 1 \approx 2.285 \end{align*}
  1. Mit der Definition:
6x1=10x1=log610x1=log10log6x=1log6+1\begin{align*} 6^{x-1}=10\quad \Leftrightarrow\quad x-1 &= \log_6{10}\\ x-1 &= \frac{\log{10}}{\log{6}} \tag{$+1$}\\ x &= \frac{1}{\log{6}} + 1 \end{align*}

Kontrolle:

62.2851106^{2.285-1} \approx 10\quad\checkmark
Exercise 19

Löse nach xx auf:

20001.025x=37502000\cdot 1.025^x = 3750
Solution20001.025x=37501.025x=37502000x=log1.025(158)x25.5\begin{align*} 2000\cdot 1.025^x &= 3750\tag{$\div 2000$}\\ 1.025^x &= \frac{3750}{2000}\\ x &= \log_{1.025}(\frac{15}{8})\\ x &\approx 25.5 \end{align*}
Exercise 20

Stelle drei Gleichungen auf, bei denen die Variable im Exponenten vorkommt. Löse diese und überprüfe deine Resultate durch Einsetzen in die ursprüngliche Gleichung.

Solution

Kontrolliere, indem du in das Anfangsproblem einsetzt.

Exercise 21

Nach UNO-Angaben lebten 1988 auf der Erde 5113 Millionen Menschen; die jährliche Wachstumsrate betrug 1.7%. Wann wird unter der Annahme, dass diese Zuwachsrate konstant bleibt, jedem Menschen nur noch ein Stehplatz von 0.25  m2\qty{0.25}{m^2} zur Verfügung stehen? (Die Landfläche beträgt 29% der Erdoberfläche.)

Solution

Mit dem Startwert f0=5.113109f_0=5.113\cdot 10^9 im Jahr 1988 haben wir die Funktion für die Anzahl Menschen ff nach tt Jahren: f(t)=5.1131091.017tf(t)=5.113\cdot 10^9\cdot 1.017^t. Für die Fläche verwenden wir den mittleren Erdradius 6370  km\qty{6370}{km} und berechnen die Landfläche O=4π637000020.291.41014O=4\pi\cdot 6\,370\,000^2\cdot 0.29\approx 1.4\cdot 10^{14}. Wir setzen:

4O=f(t)4Of0=1.017tt=log1.017(4Of0)\begin{align*} 4\cdot O &= f(t)\\ \frac{4O}{f_0} &= 1.017^t\\ t &= \log_{1.017}(\frac{4O}{f_0}) \end{align*}

und erhalten damit t691.6t\approx 691.6, also etwa im Jahr 2680.

Exercise 22

Beim radioaktiven Zerfall wird meistens die sogenannte Halbwertszeit angegeben. Die Halbwertszeit ist die Zeit, in der die Hälfte der zu Beginn vorhandenen Atome zerfällt.

Für Uran239^{239} beträgt die Halbwertszeit T1/2=23.5  minT_{\mathrm{1/2}}=\qty{23.5}{min}. Stelle die Gleichung der Zerfallsfunktion auf, wenn zu Beginn N0N_0 Atome vorhanden sind.

Solution

Bezeichne N(t)N(t) die Anzahl Atome zum Zeitpunkt tt. Es ist N(t)=N0btN(t)=N_0\cdot b^t. Wir schliessen aus der Halbwertszeit, dass N02=N0b23.5\frac{N_0}{2}=N_0\cdot b^{23.5} gilt. Es folgt:

N02=N0b23.512=b23.5b=1223.5b0.971\begin{align*} \frac{N_0}{2} &= N_0\cdot b^{23.5}\tag{$\div N_0$}\\ \frac{1}{2} &= b^{23.5}\\ b &= \sqrt[23.5]{\frac{1}{2}}\\ b &\approx 0.971 \end{align*}N(t)=N0(12)t23.5N(t)=N_0\cdot(\frac{1}{2})^\frac{t}{23.5}
Exercise 23

In lebenden Organismen besteht Kohlenstoff aus stabilen Atomkernen sowie einem Anteil (3108%3\cdot 10^{-8}\%) aus radioaktiven Atomkernen C14_{14}, die durch kosmische Strahlung entstehen. Sobald ein organischer Stoff stirbt, nimmt der C14_{14}-Anteil mit einer Halbwertszeit von 5736 Jahren exponentiell ab.

a) Im Jahre 1960 stellte man in der Leinwand einer altägyptischen Königsmumie einen C14_{14}-Anteil von 1.75108%1.75\cdot 10^{-8}\% fest. Datiere auf hundert Jahre genau.

b) 1950 wurden in der Höhle von Lascaux (Frankreich) Holzkohlereste mit einem C14_{14}-Anteil von 0.435108%0.435\cdot 10^{-8}\% gefunden. Berechne das Alter dieser Holzkohle.

Solution

Für die Zerfallsfunktion ermitteln wir den Faktor aus der Halbwertszeit:

N02=N0b573612=b5736b=125736b0.999879\begin{align*} \frac{N_0}{2} &= N_0\cdot b^{5736}\tag{$\div N_0$}\\ \frac{1}{2} &= b^{5736}\\ b &= \sqrt[5736]{\frac{1}{2}}\\ b &\approx 0.999879 \end{align*}

und es folgt N(t)=31080.5t5736N(t)=3\cdot 10^{-8}\cdot 0.5^\frac{t}{5736}. Wir lösen:

1.75108=31080.5t57361.753=0.5t5736t5736=log0.5(1.753)t4460\begin{align*} 1.75\cdot 10^{-8} &= 3\cdot 10^{-8}\cdot 0.5^\frac{t}{5736}\\ \frac{1.75}{3} &= 0.5^\frac{t}{5736}\\ \frac{t}{5736} &= \log_{0.5}(\frac{1.75}{3})\\ t &\approx 4460 \end{align*}
Exercise 24

In der Informationstheorie versteht man unter dem Informationsgehalt HH eines Ereignisses mit der Wahrscheinlichkeit pp den Logarithmus von 1p\frac{1}{p} zur Basis 2.

H=log2(1p)(Einheit: 1 bit)H = \log_2(\frac{1}{p})\quad\text{(Einheit: 1 bit)}

Welche Wahrscheinlichkeit gehört zum Informationsgehalt 0,1,0.5,5,10.20, 1, 0.5, 5, 10.2 bit? Eine Münze (Kopf oder Zahl) wird viermal nacheinander geworfen. Berechne den Informationsgehalt der Ereignisse:

a) nie Kopf,

b) genau einmal Kopf,

c) genau zweimal Kopf,

d) genau dreimal Kopf,

e) viermal Kopf.

Solution

Zu H=0H=0 gehört die Wahrscheinlichkeit p=1p=1, zu H=1H=1 gehört p=12p=\frac{1}{2}, zu H=0.5H=0.5 gehört p=22p=\frac{\sqrt{2}}{2}, zu H=5H=5 gehört p=132p=\frac{1}{32}, zu H=10.2H=10.2 gehört p0.00085p\approx 0.00085.

a) p=116p=\frac{1}{16} und damit H=4H=4.

b) p=4116=14p=4\cdot\frac{1}{16}=\frac{1}{4}, also H=2H=2.

c) p=616=38p=\frac{6}{16}=\frac{3}{8}. Somit H1.415H\approx 1.415.

d) H=2H=2.

e) H=4H=4.

Logarithmische Skala

Manchmal verwendet man bei der Darstellung von Funktionen die logarithmische Skala. Dabei bedeutet eine Einheit eine Zehnerpotenz. Als Illustration soll die Funktion f(x)=10xf(x)=10^x einerseits im üblichen Koordinatensystem und andererseits im Koordinatensystem mit logarithmischer y-Achse dienen. Die logarithmisch eingeteilte Achse beginnt bei 11.