Wahrscheinlichkeit von Ergebnissen

Betrachten wir das Zufallsexperiment "Werfen einer Münze". Wenn wir das Experiment durchführen, wird das Ergebnis KK ("Kopf") mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit eintreten. Wir möchten diese Wahrscheinlichkeit mit einer Zahl zwischen 00 und 11 quantifizieren. Diese Zahl sollte umso grösser sein, je "wahrscheinlicher" ein Ergebnis eintritt. Wir nennen diese Zahl die Wahrscheinlichkeit des Ergebnisses und schreiben dafür

p(K)p(K)

Es gibt eine einfache Methode, so eine Zahl zu definieren, und zwar mit der relativen Häufigkeit.

Definition 1

Gegeben sei ein Zufallsexperiment, wobei eines der Ergebnisse EE ist. Wir wiederholen das Zufallsexperiment unter genau denselben Bedingungen NN mal, wobei NN eine extrem grosse Zahl sein sollte. Dann zählen wir, wie oft das Ergebnis EE aufgetreten ist (wir bezeichnen diese Zahl mit nn). Die Wahrscheinlichkeit von EE definieren wir dann als

p(E)=nNp(E)=\frac{n}{N}

Die rechte Seite wird auch relative Häufigkeit des Auftretens von EE genannt, wir nennen sie manchmal auch "langzeit relative Häufigkeit", um zu betonen, dass die Anzahl Wiederholungen gross sein muss.

In der Tat liegt die so definierte Wahrscheinlichkeit 00 und 11, und je grösser die relative Häufigkeit ist (also die Wahrcheinlichkeit), desto häufiger ist das Ergebnis KK aufgetreten. Wenn EE zum Beispiel jedes Mal eintritt (n=Nn=N), ist die relative Häufigkeit p(E)=n/N=N/N=1p(E)=n/N=N/N=1. Wenn das Ergebnis EE nie eintritt (n=0n=0), ist die relative Häufigkeit p(E)=0/N=0p(E)=0/N=0.

Note 1

Beachte, wir können also auch die Definition der Wahrscheinlichkeit mit Hilfe von Prozentsätzen umformulieren:Wiederholt man das Experiment NN mal, wobei NN eine grosse Zahl ist, dann ist p(o)p(o) der Prozentsatz der Experimente, in denen das Ergebnis oo eingetreten ist.

Note 2

Wir sagen oben, dass NN gross sein muss. Aber wie gross, und hängt die relative Häufigkeit nN\frac{n}{N} und somit p(E)p(E) nicht vom gewählten NN ab? Ja, das ist in der Tat der Fall. Aber nicht nur das, die relative Häufigkeit wird sich auch ändern, wenn wir NN konstant lassen.

Zum Beispiel, würden wir das Experiment N=10000N=10000 durchführen, so könnten zum Beispiel nN=0.23\frac{n}{N}=0.23 sein (dies ist eine Phantasiezahl). Würden wir das Experiment nochmals N=10000N=10000 durchführen, so ist es gut möglich, dass wir nun nN=0.27\frac{n}{N}=0.27 erhalten (ebenfalls Phantasiezahl).

Aber je grösser wir NN wählen, desto kleiner werden diese Änderungen. Wenn wir also NN extrem gross wählen, oder genauer, gegen unendlich streben lassen, so werden diese Änderung kleiner und kleiner, bis sie ignoriert werden können.

Betrachten wir den Einfluss von NN anhand einer Aufgabe.

Exercise 1

Wir betrachten das Zufallsexperiment "einmal eine Münze werfen". Wiederhole das Experiment N=20N=20 mal, und bestimme die relative Häufigkeit von Kopf (KK=.

Bestimme dann erneut die relative Häufigkeit von KK, wiederum für N=20N=20. Sind die beiden relativen Häufigkeiten gleich?

Aus der Bemerkung oben geht hervor, dass die Schwankung der relativen Häufigkeit n/Nn/N verringert werden kann, wenn wir NN grösser und grösser wählen? Die nächste Aufgabe soll diese demonstrieren.

Exercise 2

Wir betrachten das Zufallsexperiment "einmal eine Münze werfen". Wiederhole das Experiment N=10N=10 Mal und zähle, wie oft Kopf (KK) auftritt. Bestimme dann die relative Häufigkeit von Kopf, n/Nn/N.

Wiederhole das Experiment weitere 1010 Mal, so dass wir insgesamt N=20N=20 Wiederholungen haben. Bestimme die gesamte Anzahl der Vorkommen von KK, und berechne wieder die relative Häufigkeit n/Nn/N.

Fahre nun mit dieser Prozedur fort, indem immer wieder 1010 Mal wirfst, und fülle die unten stehende Tabelle aus:

N102030405060708090100nnN\begin{array}{|c|l|l|l|l|l|l|l|l|l|l|l|}\hline N & 10 & 20 & 30 & 40 & 50 & 60 & 70 & 80 & 90 & 100 \\\hline n & & & & & & & & & & \\\hline \frac{n}{N} & & & & & & & & & & \\\hline \end{array}

Skizziere auch den Graphen der berechneten relativen Häufigkeiten n/Nn/N als Funktion von NN (NN entlang der xx-Achse, n/Nn/N entlang der yy-Achse).

Beachte, wie sich die relative Häufigkeit n/Nn/N mit höheren Werten der Wiederholungen NN stabilisiert und sich einem bestimmten Wert nähert. Wir definieren diesen Wert als die Wahrscheinlichkeit des Ergebnisses KK. Wenn wir von der Wahrscheinlichkiet von KK reden, so meinen wir diese stabilisierte relative Häufigkeit.

Exercise 3

Für einen Würfel gilt p(6)=16p(6)=\frac{1}{6}. Sie werfen den Würfel 1200012 000 Mal. Mit wie vielen 66 kann man rechnen? Ist diese Zahl genau?

Solution

Da p(6)n12000=16p(6)\approx\frac{n}{12000}=\frac{1}{6} ist, folgt n120006=2000n\approx\frac{12000}{6}=2000. Dies ist nur eine Schätzung und wird schwanken. Aber da NN ziemlich gross ist, werden die Schwankungen von nn gering sein.

Hier ist unser erstes Theorem über Wahrscheinlichkeiten. Der Beweis wird als Übung gegeben.

Theorem 1

Die Summe aller Ergebniswahrscheinlichkeiten eines Zufallsexperiments ist gleich 11. Das heisst, wenn o1,o2,...,omo_1,o_2,...,o_m die möglichen Ergebnisse des Experiments sind, dann gilt

p(o1)+p(o2)+...+p(om)=1p(o_1)+p(o_2)+...+p(o_m)=1
Exercise 4

Beweise obige Aussage mit Hilfe der Definition der Wahrscheinlichkeit.

Solution

Wiederhole das Experiment NN mal, wobei NN eine sehr grosse Zahl ist. Nach der Definition der Wahrscheinlichkeit ist p(oi)p(o_i) der Prozentsatz, mit dem das Ergebnis oio_i eintritt. Addiert man die Prozentsätze für jeden Ausgang oio_i, so wird 100%100\% erhalten, da es nicht möglich ist, dass ein Experiment kein Ergebnis oder mehr als ein Ergebnis liefert.