Laplace Experiment

Wie wir gesehen haben, ist es nicht ganz einfach, die genaue Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses bei einem Zufallsexperiment zu ermitteln. Es erfordert viele Wiederholungen der Zufallsexperiments. Für einen gewissen Typ von Zufallsexperimenten können wir die Ergebniswahrscheinlichkeiten aber auch berechnen, ohne den Weg über die vielen Wiederholungen gehen zu müssen. Wir diskutieren nun diesen Typ.

Definition 1

Ein Zufallsexperiment wird Laplace Experiment genannt, falls alle möglichen Ergebnisse des Experiments die gleiche Wahrscheinlichkeit besitzt, einzutreffen. Daher, hat das Experiment mm mögliche Ergebnisse, und bezweichen wir sie mit o1,...,omo_1, ..., o_m, so gilt

p(o1)=...=p(om)p(o_1)=...=p(o_m)

Dies ist natürlich eine sehr restriktive Annahme und trifft auf die meisten Experimente nicht zu. Dennoch ist dies für einige populäre Experimente eine recht vernünftige Annahme, wie zum Beispiel

Hier folgt nun die Berechnung der Wahrscheinlichkeit,

Theorem 1

Die Wahrscheinlichkeit für jedes Ergebnis in einem Laplace Experiment mit mm möglichen Ergebnissen ist gegeben durch

p=1mp=\frac{1}{m}

Die Wahrscheinlikeit für ein Ereignis mit rr Ergebnissen ist

p=rm=Anzahl gewu¨nschte ErgebnisseAnzal mo¨gliche Ergebnissep=\frac{r}{m}=\frac{\text{Anzahl gewünschte Ergebnisse}}{\text{Anzal mögliche Ergebnisse}}

wobei hier die Anzahl der gewünschten Ergebnisse die Anzahl der Ergebnisse im Ereignis sind.

Proof

Es seien o1,...,omo_1,...,o_m die möglichen Ergebnisse des Zufallsexperiment. Da es ein Laplace experiment ist, haben alle Ergebeniise die gleiche Wahrscheinlichkeit pp einzutreten:

p=p(o1)=...=p(om)p=p(o_1)=...=p(o_m)

Da immer gilt

p(o1)+p(o2)+...+p(om)=1p(o_1)+p(o_2)+...+p(o_m)=1

folgt somit mp=1m\cdot p=1, und somit p=1mp=\frac{1}{m}.

Es sei nun E=\{o_1,...,o_r}\} das Ereignis mit den rr Ergebnissen. Es ist dann (siehe Kapitel vorher)

p(E)=p(o1)+...+p(or)=1n+...+n=r1n==rn\begin{array}{lll} p(E)&=&p(o_1)+...+p(o_r)\\ &=&\frac{1}{n}+...+\frac{}{n}\\[0.5em] &=&r \cdot \frac{1}{n}\\[0.5em] &=&=\frac{r}{n} \end{array}
Example 1

Ein fairer Würfel wird geworfen. Dies ist ein Laplace experiment und die Anzahl mögliche Erebnisse ist m=6m=6. Die Wahrscheinlichkeit für

  1. eine 44 ist somit p(4)=16p(4)=\frac{1}{6}.
  2. eine gerade Zahl ist p=36=0.5p=\frac{3}{6}=0.5, da die Anzahl gewünschten Ergebnisse r=3r=3 ist (E={2,4,6}E=\{2,4,6\}).
  3. eine Zahl grösser 22 ist p=46=0.6p=\frac{4}{6}=0.\overline{6}, da die Anzahl gewünschten Ergebnisse r=4r=4 ist (E={3,4,5,6}E=\{3,4,5,6\}).
Exercise 1

Begründe, ob es sich bei den folgenden Zufallsexperimenten um Laplace Experimente handelt. Berechne die angegebene Wahrscheinlichkeit.

  1. Du wählst zufällig einen Buchstaben aus dem Wort "MARKE" aus, p("A")=?

  2. Du wählst zufällig einen Buchstaben aus dem Wort "HALLO", p("L")=?

Solution
  1. Ja, denn zufällige Auswahl bedeutet, dass jede Position langfristig mit dem gleichen Prozentsatz ausgewählt wird. Also wird jeder Buchstabe mit dem gleichen Prozentsatz ausgewählt. Also S={M,A,R,K,E}S=\{M,A, R, K, E\} und p=1/5p=1/5.
  2. Nein. Obwohl jede Position langfristig mit dem gleichen Prozentsatz ausgewählt wird, wird LL häufiger ausgewählt als die anderen Buchstaben (da es zwei LL in dem Wort gibt). Unterscheiden wir die beiden LL künstlich (L1L_1 und L2L_2), dann ist die Wahrscheinlichkeit, ein LL zu ziehen, gegeben durch p(L1)+p(L2)=0.2+0.2=0.4p(L_1)+p(L_2)=0.2+0.2=0.4.
Exercise 2

Eine gezinkte Münze mit p(K)=0.7p(K)=0.7 wird zweimal geworfen. Ist dies ein Laplace Experiment? Argumentiere.

Solution

Nein, wenn das Experiment viele Male wiederholt wird, ist der Prozentsatz der beobachteten KKKK viel höher als der Prozentsatz der Beobachtung von ZZZZ (da HH viel öfter vorkommt als ZZ). Also haben nicht alle Ergebnisse die gleiche Wahrscheinlichkeit einzutreten, es handelt sich also nicht um ein Laplace Experiment.