Direkte Proportionalität

Wann sich zwei Grössen xx und yy proportional zueinander verhalten, sollte schon bekannt sein, wir wiederholen es hier aber nochmals kurz anhand eines Beispiels:

Example 1

Gegeben seien gleich schwere Steine von 0.5kg0.5kg. Wir packen einige dieser Steinen in einen Sack und wiegen ihn. Es sei xx die Anzahl Steine und yy das Gewicht des Sacks (wir nehmen an, der leere Sack ist extrem leicht und wiegt 00 kg). Wir können dann die folgende Tabelle aufstellen:

Anzahl SteinexGesamtgewichty10.52152.50.50.2500\begin{array}{c|c} \text{Anzahl Steine}\, x & \text{Gesamtgewicht}\, y \\ \hline 1 & 0.5\\ 2 & 1\\ 5 & 2.5 \\ 0.5 & 0.25 \\ 0 & 0 \end{array}

Wir sehen, je grösser xx (Anzahl Steine), desto grösser yy (das Gewicht). Aber es gilt sogar mehr: Verdoppeln wir xx, dann verdoppelt sich auch yy, halbieren wir xx, dann halbiert sich auch yy, multiplizieren wir xx mit 33, so multipliziert sich yy ebenfalls mit 33, und so weiter. Daraus folgt auch, dass wenn wir x=0x=0 Steine auswählen, wir das Gewicht y=0y=0 bekommen.

Wir können die Grössen xx und yy auch als Input und Output einer Funktion ff auffassen, so dass die obigen Tabelle gerade die Wertetabelle der Funktion ist.

Input xfRegel ?Output y\begin{array}{cl} \text{Input }x & \\ \large\downarrow & \\ \boxed{\large f} & \text{Regel ?}\\ \large\downarrow & \\ \text{Output }y & \\ \end{array}

Wenn wir den Graph von ff zeichnen (mit Hilfe der Wertetabelle) so sehen wir, dass der Graph einen Gerade bildet.

Es ist also eine lineare Funktion, f(x)=ax+bf(x)=ax+b. Da die Gerade durch den Nullpunkt geht, muss gelten b=0b=0, und mit dem Steigungsdreieck finden wir schnell heraus, dass die Steigung gilt a=0.5a=0.5. Die Funktionsgleichung ist also

f(x)=0.5xf(x)=0.5x

Im Kontext von Proportionalität wird die Steigung a=0.5a=0.5 Proportionalitätskonstante genannt. Dass wir eine direkte Proportionalität als lineare Funktion mit b=0b=0 auffassen können gilt nicht nur für dieses Beispiel, sondern immer, wie leicht einzusehen ist. Fassen wir zusammen:

Theorem 1

Gegeben seien zwei Grössen xx (z.B. Anzahl Steine) und yy (z.B. Gewicht im Sack), welche wir als Input und Output einer Funktion ff auffassen können. Falls

  • die Funktionsgleichung linear ist, daher f(x)=ax+bf(x)=ax+b, und
  • für den yy-Achsenabschnitt b=0b=0 gilt (daher der Graph geht durch den Koordinatennullpunkt (00)(0|0))

so sind die Grössen xx und yy direkt proportional. Die Steigung aa wird Proportionalitätskonstante genannt. Wir haben also

f(x)=Proportionalita¨tskonstantexf(x)=\text{Proportionalitätskonstante} \cdot x

oder

y=Proportionalita¨tskonstantexy = \text{Proportionalitätskonstante} \cdot x

Es gilt:

  • Wird der Input xx mit einer beliebigen Zahl multipliziert, so wird der dazugehörige Output mit der gleichen Zahl multipliziert.
  • Die Proportionalitätskonstante kann mit Hilfe des Steigungsdreiecks gefunden werden. Am einfachsten wählt man ein Steigungsdreieck, das beim Koordinatennullpunkt (00)(0|0) beginnt. Es wird dann noch ein anderer Punkt auf dem Graphen gebraucht.
Exercise 1
  1. Eine Spaziergängerin wandert so, dass die zurückgelegte Distanz (direkt) proportional zur Wanderzeit ist. Daher, bei doppelter Wanderzeit verdoppelt sich auch die Distanz, und so weiter. Zur Zeit t=3t=3 Stunden Wanderzeit ist die zurückgelegte Distanz s=2kms=2 km

    1. Bestimme die Funktionsgleichung, wenn die Zeit tt der Input und die Distanz ss als Output einer Funktion ff interpretiert wird. Bestimme auch die Proportionalitätskonstante.
    2. Bestimme die Funktionsgleichung, wenn die Distanz ss der Input und die Zeit tt als Output einer Funktion gg interpretiert wird. Bestimme auch die Proportionalitätskonstante.
  2. Das Wachstum eines Baumes wird beobachtet und das Alters des Baumes in Jahren (tt) wie auch die Baumhöhe in Meter (hh) gemessen. Folgenden Messungen werden gemacht:

    th3658\begin{array}{c|c} t & h \\ \hline 3 & 6\\ 5 & 8 \end{array}

    Wächst der Baum proportional zur Zeit? Falls ja, bestimme die Proportionalitätskonstante. Falls nein, bestimme die Höhe des Baums zur Zeit t=8t=8 so, dass das Wachstum proportional wird. Was ist dann die Proportionalitätskonstante?

  3. Die Wassermenge (in Liter) in einem Becken sei proportional zur Regendauer (in Stunden), wobei die Proportionalitätskonstante 33 Liter pro Stunde beträgt. Wie viel Liter hat es im Becken nach 1010 Stunden Regen?

Solution
  1. Da Input und Output von ff und gg proportional sind, sind beide Funktionen ff und gg linear mit yy-Achsenabschnitt b=0b=0. Um die Steigung zu bestimmen, wählen wir das Steigungsdreieck zwischen den Punkten (00)(0|0) und AA:
    1. A(32)A(3|2), also a=ΔyΔx=23a=\frac{\Delta y}{\Delta x}=\frac{2}{3}. Die Funktionsgleichung ist also f(x)=23xf(x)=\frac{2}{3}x und die Proportionalitätskonstante ist 23=0.6\frac{2}{3}=0.\overline{6}.
    2. A(23)A(2|3), also a=ΔyΔx=32=1.5a=\frac{\Delta y}{\Delta x}=\frac{3}{2}=1.5. Die Funktionsgleichung ist also f(x)=1.5xf(x)=1.5x und die Proportionalitätskonstante ist 1.51.5.
  2. Bestimme den Multiplikationsfaktor, um von t=3t=3 auf t=5t=5 zu kommen. Dieser Faktor ist 5/35/3, da 353=53\cdot\frac{5}{3}=5. Falls die Daten proportional sind, muss dann ebenfalls gelten, dass 653=86\cdot \frac{5}{3}=8, was aber nicht der Fall ist, es ist 1010. Für proportionale Daten müsste also gelten, dass zur Zeit t=5t=5 die Höhe h=10mh=10m ist. Die Funktionsgleichung wäre dann f(x)=2xf(x)=2x (bestimme zum Beispiel das Steigungsdreieck zwischen (00)(0|0) und A(36)A(3|6)), die Proportionalitätskonstante ist also 22.
  3. Es ist f(x)=3xf(x)=3x wobei der Input xx die Zeit und der Output yy die Anzahl Liter ist. Nach 1010 Stunden hat es also f(10)=310=30f(10)= 3\cdot 10=30 Liter im Becken.