Lineare Optimierung
Planungspolygone
Unter Optimierung versteht man die Festlegung eines bestimmten Programms, mit dessen Hilfe der günstigste Wert für ein vorgegebenes Ziel erreicht wird. Dabei spielen Restriktionen (Nebenbedingungen), die sich oft durch Ungleichungen ausdrücken lassen, eine wichtige Rolle.
Wir betrachten hier verhältnismässig einfache Probleme, die sich mit graphischen Methoden lösen lassen: Von einer Funktion (genannt Zielfunktion) werden extremale Werte bestimmt, wobei die Nebenbedingungen (lineare Ungleichungen) zu beachten sind. Diese Bedingungen ergeben, graphisch in einem Koordinatensystem dargestellt, das sogenannte Planungspolygon.
Eine Fabrik stellt die beiden Modelle "analog" und "digital" eines Taschenradios her. Jedes Radio der Analogausführung bringt einen Gewinn von Fr.15.-, das der Digitalausführung Fr.45.-. Die Tagesproduktion der Firma unterliegt den folgenden Einschränkungen: Von der Analogausführung können höchstens , von der Digitalausführung höchstens , von beiden zusammen höchstens Stück hergestellt werden. In der Analogausführung wird eine Verstärkerstufe, in der Digitalausführung werden zwei Verstärkerstufen eingebaut. Pro Tag stehen aber höchstens Verstärkerstufen zur Verfügung.
Wie viele Analog- bzw. Digitalradios soll die Firma pro Tag herstellen, wenn ihr Gewinn möglichst gross sein soll? Werden die Anzahl der pro Tag hergestellten Analoggeräte mit und die Anzahl der Digitalgeräte mit bezeichnet, so können die erwähnten Nebenbedingungen (Restriktionen) als ein Ungleichungssystem formuliert werden:
Ausserdem gelten noch die Bedingungen
da ja die Anzahlen und nicht negativ sein können.
Zunächst wird das Planungspolygon, die Lösungsmenge des Ungleichungssystems, erstellt:

Für den Gewinn der Firma in Abhängigkeit von und hat man den Funktionsterm
heisst Zielfunktion und ist eine affine Funktion mit 2 Variablen. Alle Paare , die die obigen Bedingungen erfüllen, stellen zulässige Lösungen des Problems dar. Gesucht wird aber dasjenige Paar ( sind natürliche Zahlen), für das der Gewinn maximal wird. Durch Umformen des Zielfunktionsterms erhält man
eine affine Funktionsschar. Die entsprechende Graphen sind parallele Geraden mit den -Achsenabschnitten . Gesucht ist ein Punktepaar , das einerseits das Ungleichungssystem erfüllt, und für das andererseits der -Achsenabschnitt und damit auch möglichst gross wird. Man erhält die Lösung , indem man eine Gerade der Geradenschar, etwa die durch die Punkte und , , auswählt, und sie solange längs der -Achse nach oben verschiebt, bis sie mit der Begrenzungslinie des Planungspolygons nur noch einen Punkt oder eine Strecke gemeinsam hat.

Wie aus der Zeichnung abzulesen ist, entpuppt sich das Paar als optimale Lösung des Problems. Die Firma erzielt einen maximalen Gewinn, wenn sie pro Tag Analogradios und Digitalradios herstellt. Den entsprechenden Gewinn berechnet man mit Hilfe der Zielfunktion:
Die optimale Lösung kann auch rechnerisch ermittelt werden, indem man den Schnittpunkt der beiden entsprechenden Geraden berechnet (Lösen eines Gleichungssystems mit Unbekannten).
Maximiere die Zielfunktion
unter den Nebenbedingungen
Solution
Zeichne die Einschränkungen in einem Koordinatensystem und bestimme die zulässige Region (Planungspolygon).
Bestimme die Eckpunkte der zulässigen Region: , , .
Berechne den Wert der Zielfunktion an jedem Eckpunkt:
- Für :
- Für :
- Für :
Der maximale Wert der Zielfunktion tritt bei auf. Damit ist die Lösung: Maximale Zielfunktion: , optimaler Punkt: .
Ein landwirtschaftlicher Weidebetrieb hat sich auf die Haltung von Kühen und Jungvieh spezialisiert. In den Ställen des Betriebs können höchstens Kühe und Stück Jungvieh gehalten werden. Für die Ernährung einer Kuh sind , für ein Jungvieh Weideland nötig. Insgesamt hat der Betrieb Weideland. Für die Pflege der Kühe und des Jungviehs stehen drei Arbeiter zur Verfügung, die insgesamt Arbeitsstunden im Jahr leisten. Für eine Kuh sind Arbeitsstunden, für ein Stück Jungvieh je Jahr notwendig. Der Gewinn bei einer Kuh beträgt , bei einem Jungvieh im Jahr.
Wie viele Kühe und wie viel Stück Jungvieh muss der Betrieb halten, damit der Gesamtgewinn möglichst gross wird?
Solution
Die Zielfunktion ist und die Bedingungen
Das Planungspolygon sieht so aus:

soll möglichst gross werden. Der Punkt, der noch im Planungspolygon liegt und maximiert muss der Schnittpunkt der Geraden und sein, da die Steigung zwischen den Steigungen und liegt. Aus folgt und damit . Also resultiert optimaler Gewinn, wenn man Kühe und Rinder hält.