Reelle Zahlen

Reelle Zahlen

In der goldenen Ära Griechenlands (bis ca. 400 v. Chr.) galten unter den Gelehrten die natürlichen Zahlen und die Lehre ihrer Verhältnisse als das Mass aller Dinge. Es gibt aber offensichtlich Dezimalbrüche, die weder abbrechend noch periodisch sind, also nicht rational.

Example 1
0.12345678910111213140.1234567891011121314\dots
Exercise 1: Irrationale Dezimalzahlen

Konstruiere einen nicht periodischen und nicht abbrechenden Dezimalbruch, der nur Nullen und Einsen enthält.

Solution

0.1010010001000010.101001000100001\dots

Intermezzo: Die nn-te Wurzel

Example 2

Wir suchen eine Zahl, die viermal mit sich selbst multipliziert 8181 ergibt:

3333=34=813 \cdot 3 \cdot 3 \cdot 3 = 3^4 = 81

Diese Zahl nennen wir die 4. Wurzel aus 81. Wir schreiben:

814=3,da 34=81\sqrt[4]{81} = 3, \quad \text{da } 3^4 = 81

Allgemein gilt: Das Wurzelziehen ist die Umkehroperation zum Potenzieren mit natürlichen Exponenten.

Definition 1: $n$-te Wurzel

Unter der nn-ten Wurzel aus einer nicht-negativen Zahl aa versteht man diejenige nicht-negative Zahl xx, deren nn-te Potenz gleich aa ist.

an=x    xn=a\sqrt[n]{a} = x \iff x^n = a

Dabei gilt: aR0a \in \R_{\geq 0}, nN,n2n \in \N, n \geq 2. aa bezeichnet man als Radikand, nn als Wurzelexponent.

Note 1

Ist der Wurzelexponent ungerade und geht es nur um den Wert einer Wurzel, so lässt man manchmal auch negative Radikanden zu. Wir sagen dann zum Beispiel: 83=2\sqrt[3]{-8}=-2.

Wurzelgesetze

Theorem 1

Für das Rechnen mit Wurzeln gelten bei gleichem Wurzelexponenten folgende Regeln (a,b0a, b \geq 0):

  1. Multiplikationsregel: anbn=abn\sqrt[n]{a} \cdot \sqrt[n]{b} = \sqrt[n]{a \cdot b}

  2. Divisionsregel: anbn=abn(b>0)\frac{\sqrt[n]{a}}{\sqrt[n]{b}} = \sqrt[n]{\frac{a}{b}} \quad (b > 0)

  3. Wurzel einer Potenz: amn=(an)m\sqrt[n]{a^m} = (\sqrt[n]{a})^m

Proof

Der Beweis erfolgt über die Rückführung auf die Potenzgesetze. Sei x=anx = \sqrt[n]{a} und y=bny = \sqrt[n]{b}, also xn=ax^n = a und yn=by^n = b. Dann gilt:

ab=xnyn=(xy)na \cdot b = x^n \cdot y^n = (x \cdot y)^n

Zieht man auf beiden Seiten die nn-te Wurzel, folgt:

abn=xy=anbn\sqrt[n]{a \cdot b} = x \cdot y = \sqrt[n]{a} \cdot \sqrt[n]{b}

Dies zeigt exemplarisch die Gültigkeit der Multiplikationsregel.

Exercise 2: Wurzelwerte bestimmen und Terme vereinfachen

Berechne oder vereinfache die folgenden Ausdrücke:

a) 643\sqrt[3]{64}

b) 25165\sqrt[5]{2} \cdot \sqrt[5]{16}

c) 54323\frac{\sqrt[3]{54}}{\sqrt[3]{2}}

d) x84\sqrt[4]{x^8} (für x0x \geq 0)

e) 28\sqrt{2} \cdot \sqrt{8}

Solution

a) 643=4\sqrt[3]{64} = 4, da 43=644^3 = 64

b) 2165=325=2\sqrt[5]{2 \cdot 16} = \sqrt[5]{32} = 2

c) 5423=273=3\sqrt[3]{\frac{54}{2}} = \sqrt[3]{27} = 3

d) (x2)44=x2\sqrt[4]{(x^2)^4} = x^2

e) 28=16=4\sqrt{2 \cdot 8} = \sqrt{16} = 4

Zurück zu nicht-rationalen Zahlen: Ein weiteres Beispiel einer nicht rationalen Zahl ist 2\sqrt{2} (dies ist diejenige positive Zahl, deren Quadrat gleich 22 ist). Mithilfe der indirekten Beweismethode lässt sich einsehen, dass 2Q\sqrt{2} \notin \Q.

Theorem 2

2\sqrt{2} ist nicht rational.

Proof

Wir zeigen mit einem Widerspruchsbeweis, dass 2\sqrt{2} nicht rational ist. Gegenannahme: Sei 2\sqrt{2} rational. Wegen 2Q\sqrt{2}\in\Q gibt es die eindeutig bestimmte Darstellung

2=pq\sqrt{2}=\frac{p}{q}

mit p,qNp,q\in\N und ggT(p,q)=1\operatorname{ggT}(p,q)=1 (vollständig gekürzt). Durch Quadrieren und Multiplizieren mit q2q^2 folgt

2q2=p22q^2=p^2

Das bedeutet, dass p2p^2 und damit pp eine gerade Zahl ist (Primfaktorzerlegung in N\N). Also setzen wir p:=2kp:=2k. Weiter ist nun

2q2=(2k)2=4k2    q2=2k22q^2=(2k)^2=4k^2\quad\implies\quad q^2 = 2k^2

Also ist q2q^2 gerade und damit qq gerade. Widerspruch zur Annahme, dass pq\frac{p}{q} vollständig gekürzt sei. Da sowohl pp als auch qq gerade sind, kann pq\frac{p}{q} sicher mit 22 gekürzt werden. Also muss das Gegenteil der Annahme gelten: 2\sqrt{2} ist irrational. (2\sqrt{2} ist irrational kommentiert)

Exercise 3: 🧩

Sei pPp\in\mathbb{P}. Zeige, dass alle Primzahlwurzeln p\sqrt{p} irrational sind.

Solution

Sei pNp\in\N, pp prim. Gegenannahme pQ\sqrt{p}\in\Q, das heisst, es existieren aZ,bNa\in\Z, b\in\N so, dass

p=ab\sqrt{p}=\frac{a}{b}

Es folgt

\begin{aligned} \sqrt{p} &= \frac{a}{b} \tag{$(\,)^2$} \\ p &= \frac{a^2}{b^2} \tag{$\cdot b^2$} \\ b^2 \cdot p &= a^2 \end{aligned}

In der Primfaktorzerlegung der Quadratzahlen a2a^2 und b2b^2 kommt jeder Primfaktor der Zerlegung sicher eine gerade Anzahl mal vor. Der Primfaktor pp jedoch kommt in der Zahl b2pb^2\cdot p eine ungerade Anzahl mal vor; im Widerspruch zur Gleichheit!

Diese und andere Tatsachen führen dazu, dass wir eine umfassendere Zahlenmenge brauchen. Wir geben hier keine formale Definition, sondern beschreiben sie folgendermassen:

Note 2

Die reellen Zahlen R\R entsprechen sämtlichen Punkten der Zahlengeraden.

Demnach ist also jede rationale Zahl auch eine reelle, d. h. QR\Q\subset\R. Wir unterscheiden noch:

Definition 2: irrational

Reelle Zahlen, die nicht rational sind, heissen irrational. Manchmal wird I\mathbb{I} oder I\irrational für die Menge der irrationalen Zahlen geschrieben.

Note 3

Offensichtlich ist QI=R\Q\cup\mathbb{I}=\R.

Im Gegensatz zu rationalen Zahlen (ratio (lat.): Verhältnis) sind irrationale nicht als Verhältnis ab\frac{a}{b} darstellbar.

Note 4

Wenn nichts anderes gesagt wird, ist die Grundmenge die Menge der reellen Zahlen:

G=R\mathbb{G} = \R
Exercise 4: Venn-Diagramm

Skizziere die Situation aller oben vorgestellten Zahlenmengen N\N, Z\Z, Q\Q, R\R und I\mathbb{I} in einem Venn-Diagramm.

Solution

Es muss NZQR\N\subset\Z\subset\Q\subset\R und I=RQ\mathbb{I}=\R\setminus\Q gelten.

Exercise 5: Zahlenmengen

Es gelten die üblichen Bezeichnungen für Zahlenmengen:

  • Natürliche Zahlen: N={1,2,3,}\N=\{1,2,3,\dots\}
  • Ganze Zahlen: Z={,2,1,0,1,2,}\Z=\{\dots,-2,-1,0,1,2,\dots\}
  • Rationale Zahlen: Q={abaZ,bN}\Q=\{\frac{a}{b} \mid a\in\Z, b\in\N\}
  • Reelle Zahlen: R\R, alle Punkte der Zahlengeraden.
  • Irrationale Zahlen: I=RQ\mathbb{I}=\R\setminus\Q.

Ermittle:

a) RQ\R\cap\Q

b) (NZ)Q(\N\cap\Z)\cup\Q

c) R(ZQ)\R\cup(\Z\cap\Q)

d) (QZ)N(\Q\setminus\Z)\cap\N

e) (RQ)Z(\R\setminus\Q)\cap\Z

f) (NZ)(QN)(\N\cup\Z)\cap(\Q\setminus\N)

g) QR\overline{\Q}\cap\R, wobei das Komplement relativ zu R\R genommen wird.

Solution

a) RQ=Q\R\cap\Q=\Q

b) (NZ)Q=NQ=Q(\N\cap\Z)\cup\Q=\N\cup\Q=\Q

c) R(ZQ)=RZ=R\R\cup(\Z\cap\Q)=\R\cup\Z=\R

d) (QZ)N=(\Q\setminus\Z)\cap\N=\emptyset, da keine natürliche Zahl nicht ganzzahlig ist.

e) (RQ)Z=(\R\setminus\Q)\cap\Z=\emptyset, da alle ganzen Zahlen rational sind.

f) (NZ)(QN)=Z(QN)=ZN={0,1,2,}(\N\cup\Z)\cap(\Q\setminus\N)=\Z\cap(\Q\setminus\N)=\Z\setminus\N=\{0,-1,-2,\dots\}

g) QR=RQ=I\overline{\Q}\cap\R=\R\setminus\Q = \mathbb{I} (Menge der irrationalen Zahlen).

Exercise 6: Konstruktion von Zahlen

Konstruiere auf einer Zahlengeraden die Punkte:

a) 5\sqrt{5}

b) 23\frac{2}{3}

c) 114-1\frac{1}{4}

d) 3-\sqrt{3}

e) 0.70.\overline{7}

Solution

a) Verwende den Satz von Pythagoras 5=12+22\sqrt{5}=\sqrt{1^2+2^2}. Das heisst, die Hypotenuse ist 5\sqrt{5} lang, wenn die Katheten 11 bzw. 22 gewählt werden.

b) Zu dieser Aufgabe wird ein ausführlicher Bericht bereitgestellt: Die Konstruktion basiert auf dem ersten Strahlensatz. Dieser besagt: Wenn zwei von einem gemeinsamen Punkt ausgehende Strahlen von zwei parallelen Geraden geschnitten werden, sind die Verhältnisse der Abschnitte auf den Strahlen gleich.

  1. Zeichne vom Punkt 00 ausgehend einen beliebigen Hilfsstrahl, der nicht auf der Zahlengeraden liegt.
  2. Nimm den Zirkel und stelle eine beliebige, feste Öffnung ein. Setze die Zirkelspitze bei Punkt 00 an und schlage einen Bogen auf dem Hilfsstrahl, um den Punkt P1P_1 zu erhalten. Fahre bei P1P_1 so fort bis zu P3P_3. Wir haben nun drei gleich lange Strecken auf dem Hilfsstrahl erzeugt: 0P1=P1P2=P2P3|0P_1| = |P_1P_2| = |P_2P_3|.
  3. Verbinde den letzten Punkt P3P_3 auf dem Hilfsstrahl mit dem Punkt 11 auf der Zahlengeraden. Zeichne nun eine Parallele zu der eben erstellten Strecke (P3P_3 zu 11), die durch den Punkt P2P_2 verläuft. Der Schnittpunkt dieser Parallelen mit der Zahlengeraden ist der gesuchte Punkt.

c) Trage auf der Zahlengeraden nach links ab und konstruiere ein Viertel analog zu einem Drittel.

d) 3=12+(2)2\sqrt{3}=\sqrt{1^2+(\sqrt{2})^2} und 2=12+12\sqrt{2}=\sqrt{1^2+1^2} werden ebenfalls mit dem Pythagoras konstruiert.

e) Da 0.7=790.\overline{7}=\frac{7}{9} gilt, werden Neuntel so wie oben die Drittel konstruiert.

Exercise 7: 🧩

Mithilfe des Satzes von Pythagoras kann jede natürlichzahlige Wurzel konstruiert werden. Erkläre, wie das funktioniert.

Solution

Betrachte folgendes Bild und begründe kurz rechnerisch, dass diese "Spirale" so fortgesetzt werden könnte.

Intervalle

Oft müssen Bereiche auf der Zahlengeraden angegeben werden. Daher hat man einen Namen und eine kurze Schreibweise für diese Mengen vereinbart.

Definition 3: Intervall

Seien a,bRa,b\in\R und aba\le b. Die Menge

[a,b]:={xRaxb}[a,b] := \{x\in\R\mid a\le x\le b\}

heisst abgeschlossenes Intervall, und die Menge

(a,b):={xRa<x<b}(a,b) := \{x\in\R\mid a< x< b\}

heisst offenes Intervall.

Note 5

Statt (a,b)(a,b) wird manchmal auch ]a,b[]a,b[ geschrieben.

Exercise 8: Intervalle skizzieren

Skizziere die Intervalle:

a) [1,1][-1,1]

b) (0,1)(0,1)

c) (,0)(-\infty,0)

d) (1,1)\overline{(-1,1)}

e) [2,1)(1,2][-2,-1)\cup(1,2]

Solution
Exercise 9: Intervalle notieren

Notiere die Intervalle:

Solution

a) (0,2)(0,2)

b) [0,1][0,1]

c) [0,)[0,\infty)

d) [0,1)[0,1)

e) [2,1)[0,1)[-2,-1)\cup[0,1)

Überabzählbarkeit von R
Definition 4

Eine Menge MM heisst abzählbar, wenn es eine Bijektion f:NMf:\N\to M gibt, also wenn sich die Elemente von MM in eine (endlose) Liste

m1,m2,m3,m_1, m_2, m_3, \dots

bringen lassen, sodass jedes Element von MM genau einmal vorkommt.

Eine Menge heisst überabzählbar, wenn sie nicht abzählbar ist, also grösser als jede abzählbare Menge.

Theorem 3

Das Intervall (0,1)(0,1) ist überabzählbar. Damit ist auch R\R überabzählbar.

Proof

Angenommen, (0,1)(0,1) sei abzählbar. Dann gäbe es eine Liste aller Zahlen aus (0,1)(0,1):

x1,x2,x3,x_1, x_2, x_3, \dots

Jede Zahl xix_i wird als Dezimalbruch ohne unendliche 9er-Enden geschrieben. Die Ziffern werden in einer Tabelle notiert:

x1=0.a11a12a13a14x2=0.a21a22a23a24x3=0.a31a32a33a34\begin{array}{ccl} x_1 &=& 0.\, a_{11}a_{12}a_{13}a_{14}\dots\\ x_2 &=& 0.\, a_{21}a_{22}a_{23}a_{24}\dots\\ x_3 &=& 0.\, a_{31}a_{32}a_{33}a_{34}\dots\\ \vdots \end{array}

mit aij{0,1,,9}a_{ij}\in\{0,1,\dots,9\}.

Wir konstruieren nun eine neue Zahl y(0,1)y\in(0,1) Ziffer für Ziffer entlang der Diagonale:

y=0.b1b2b3,bi:={1,falls aii1,2,falls aii=1.y=0.b_1 b_2 b_3\dots,\qquad b_i := \begin{cases} 1,& \text{falls } a_{ii}\neq 1,\\ 2,& \text{falls } a_{ii}=1. \end{cases}

Dann unterscheidet sich yy von x1x_1 in der 1. Ziffer, von x2x_2 in der 2. Ziffer, allgemein von xix_i in der ii-ten Ziffer. Also ist yy nicht in der Liste x1,x2,x_1,x_2,\dots enthalten — Widerspruch zur Annahme, dass die Liste vollständig sei. Also ist (0,1)(0,1) nicht abzählbar, sondern überabzählbar.

Da (0,1)R(0,1)\subset\R gilt, ist auch R\R überabzählbar.

Wurzelziehen mit Heron

Das Heron-Verfahren

Das Heron-Verfahren ist eine iterative Methode, um die Quadratwurzel einer Zahl aa numerisch (näherungsweise) zu berechnen.

Angenommen, wir suchen die Wurzel aus aa — also a\sqrt{a}. Das ist geometrisch gesehen die Seitenlänge xx eines Quadrats, das die Fläche aa hat, denn xx=ax \cdot x = a. Das Verfahren basiert auf folgenden Überlegungen:

  1. Rate einen Startwert x0x_0.
  2. Berechne a/x0a/x_0, da x0(a/x0)=ax_0 \cdot (a/x_0) = a.
  3. Ist x0x_0 genau die Wurzel a\sqrt{a}, dann ist a/x0a/x_0 ebenfalls a\sqrt{a}. Ist x0x_0 aber zu klein, ist a/x0a/x_0 zu gross (und umgekehrt). Die wahre Wurzel a\sqrt{a} liegt genau zwischen diesen beiden Werten.
  4. Eine bessere Schätzung x1x_1 ist daher der Mittelwert der beiden Rechteckseiten x0x_0 und a/x0a/x_0.
  5. Wiederholung: x1x_1 ist jetzt der neue Startwert. Der Vorgang wird wiederholt, bis das Rechteck "quadratisch genug" ist (d. h., xnx_n und a/xna/x_n fast gleich sind).

Das Heron-Verfahren zum Schätzwert x0x_0 wird iterativ formuliert:

xn+1=12(xn+axn)x_{n+1} = \frac{1}{2} \left( x_n + \frac{a}{x_n} \right)

Wiederhole diesen Schritt, bis die gewünschte Genauigkeit erreicht ist.

Example 3

Wir wollen 9\sqrt{9} berechnen und wählen absichtlich einen schlechten Startwert x0=1x_0 = 1.

x1=12(x0+9x0)=12(1+91)=5x_1 = \frac{1}{2} \left( x_0 + \frac{9}{x_0} \right) = \frac{1}{2} \left( 1 + \frac{9}{1} \right) = 5x2=12(x1+9x1)=12(5+95)=12(5+1.8)=3.4x_2 = \frac{1}{2} \left( x_1 + \frac{9}{x_1} \right) = \frac{1}{2} \left( 5 + \frac{9}{5} \right) = \frac{1}{2} (5 + 1.8) = 3.4x3=12(x2+9x2)=12(3.4+93.4)12(3.4+2.647)3.0235x_3 = \frac{1}{2} \left( x_2 + \frac{9}{x_2} \right) = \frac{1}{2} \left( 3.4 + \frac{9}{3.4} \right) \approx \frac{1}{2} (3.4 + 2.647) \approx 3.0235x4=12(x3+9x3)12(3.0235+93.0235)12(3.0235+2.976)3.00015x_4 = \frac{1}{2} \left( x_3 + \frac{9}{x_3} \right) \approx \frac{1}{2} \left( 3.0235 + \frac{9}{3.0235} \right) \approx \frac{1}{2} (3.0235 + 2.976) \approx 3.00015

Wie wir sehen, nähert sich der Wert extrem schnell der korrekten Lösung 3 an — die Anzahl der korrekten Nachkommastellen verdoppelt sich bei jedem Schritt (quadratische Konvergenz).

Exercise 10: Aufgabe 1: Perfektes Quadrat

Berechne 64\sqrt{64} mit dem Heron-Verfahren.

  • Verwende den Startwert x0=2x_0 = 2.

  • Führe 4 Iterationsschritte durch (berechne x1,x2,x3x_1, x_2, x_3 und x4x_4).

Solution

Wir verwenden a=64a=64 und x0=2x_0 = 2. Die Formel lautet: xn+1=12(xn+64xn)x_{n+1} = \frac{1}{2} \left( x_n + \frac{64}{x_n} \right)

  1. x1x_1: x1=12(2+642)=12(2+32)=17x_1 = \frac{1}{2} \left( 2 + \frac{64}{2} \right) = \frac{1}{2} (2 + 32) = 17

  2. x2x_2: x2=12(17+6417)12(17+3.7647)10.3824x_2 = \frac{1}{2} \left( 17 + \frac{64}{17} \right) \approx \frac{1}{2} (17 + 3.7647) \approx 10.3824

  3. x3x_3: x3=12(10.3824+6410.3824)12(10.3824+6.1643)8.2734x_3 = \frac{1}{2} \left( 10.3824 + \frac{64}{10.3824} \right) \approx \frac{1}{2} (10.3824 + 6.1643) \approx 8.2734

  4. x4x_4: x4=12(8.2734+648.2734)12(8.2734+7.7358)8.0046x_4 = \frac{1}{2} \left( 8.2734 + \frac{64}{8.2734} \right) \approx \frac{1}{2} (8.2734 + 7.7358) \approx 8.0046

Exercise 11: Aufgabe 2: Bekannte Konstante

Approximiere 2\sqrt{2}.

  • Verwende den Startwert x0=1x_0 = 1.

  • Führe 3 Iterationsschritte durch (berechne x1,x2x_1, x_2 und x3x_3). Runde deine Ergebnisse auf 5 Nachkommastellen.

Solution

Wir verwenden a=2a=2 und x0=1x_0 = 1. Die Formel lautet: xn+1=12(xn+2xn)x_{n+1} = \frac{1}{2} \left( x_n + \frac{2}{x_n} \right)

  1. x1x_1: x1=12(1+21)=12(3)=1.50000x_1 = \frac{1}{2} \left( 1 + \frac{2}{1} \right) = \frac{1}{2} (3) = 1.50000

  2. x2x_2: x2=12(1.5+21.5)=12(1.5+1.33333)1.41667x_2 = \frac{1}{2} \left( 1.5 + \frac{2}{1.5} \right) = \frac{1}{2} (1.5 + 1.33333\dots) \approx 1.41667

  3. x3x_3: x3=12(1.41667+21.41667)12(1.41667+1.41176)1.41422x_3 = \frac{1}{2} \left( 1.41667 + \frac{2}{1.41667} \right) \approx \frac{1}{2} (1.41667 + 1.41176) \approx 1.41422

(Der wahre Wert von 2\sqrt{2} ist ca. 1.414213561.41421356\dots)

Exercise 12: Aufgabe 3: Sinnvoller Startwert

Approximiere 40\sqrt{40}.

  • Wähle selbst einen sinnvollen ganzzahligen Startwert x0x_0. (Tipp: 36=6\sqrt{36} = 6 und 49=7\sqrt{49} = 7)

  • Führe 3 Iterationsschritte durch.

Solution

Wir verwenden a=40a=40. Ein sinnvoller Startwert ist x0=6x_0 = 6 (da 62=366^2 = 36 nahe an 40 liegt). Die Formel lautet: xn+1=12(xn+40xn)x_{n+1} = \frac{1}{2} \left( x_n + \frac{40}{x_n} \right)

  1. x1x_1: x1=12(6+406)=12(6+6.666)6.3334x_1 = \frac{1}{2} \left( 6 + \frac{40}{6} \right) = \frac{1}{2} (6 + 6.666\dots) \approx 6.3334

  2. x2x_2: x2=12(6.3334+406.3334)12(6.3334+6.3157)6.3246x_2 = \frac{1}{2} \left( 6.3334 + \frac{40}{6.3334} \right) \approx \frac{1}{2} (6.3334 + 6.3157) \approx 6.3246

  3. x3x_3: x3=12(6.3246+406.3246)12(6.3246+6.3245)6.3246x_3 = \frac{1}{2} \left( 6.3246 + \frac{40}{6.3246} \right) \approx \frac{1}{2} (6.3246 + 6.3245) \approx 6.3246

(Das Ergebnis ist bereits nach 3 Schritten sehr stabil.)

Exercise 13: Aufgabe 4: Genauigkeitsziel

Berechne 10\sqrt{10} mit dem Startwert x0=3x_0 = 3.

  • Führe die Iteration so lange durch, bis sich die ersten 3 Nachkommastellen deines Ergebnisses nicht mehr ändern (d. h., xnx_n und xn+1x_{n+1} sind auf 3 Stellen gerundet identisch).

  • Wie viele Schritte hast du benötigt?

Solution

Wir verwenden a=10a=10 und x0=3x_0 = 3. Die Formel lautet: xn+1=12(xn+10xn)x_{n+1} = \frac{1}{2} \left( x_n + \frac{10}{x_n} \right)

  1. x1x_1: x1=12(3+103)12(3+3.3333)3.1667x_1 = \frac{1}{2} \left( 3 + \frac{10}{3} \right) \approx \frac{1}{2} (3 + 3.3333) \approx 3.1667 (Gerundet auf 3 Nachkommastellen: 3.167)

  2. x2x_2: x2=12(3.1667+103.1667)12(3.1667+3.1578)3.1623x_2 = \frac{1}{2} \left( 3.1667 + \frac{10}{3.1667} \right) \approx \frac{1}{2} (3.1667 + 3.1578) \approx 3.1623 (Gerundet auf 3 Nachkommastellen: 3.162)

  3. x3x_3: x3=12(3.1623+103.1623)12(3.1623+3.1622)3.1623x_3 = \frac{1}{2} \left( 3.1623 + \frac{10}{3.1623} \right) \approx \frac{1}{2} (3.1623 + 3.1622) \approx 3.1623 (Gerundet auf 3 Nachkommastellen: 3.162)

Vergleich: x2x_2 (3.162) und x3x_3 (3.162) sind auf 3 Nachkommastellen identisch. Wir stoppen nach der Berechnung von x3x_3. Es waren 3 Iterationsschritte nötig.

Höhere Dimensionen

Der Vollständigkeit halber wird hier noch die Definition der Produktmenge (auch kartesisches Produkt genannt) angefügt, da sie einen formalen Zugang zu mehrdimensionalen Punkten gibt.

Definition 5: Produktmenge

Seien A\mathbb{A} und B\mathbb{B} Mengen. Dann verstehen wir unter dem kartesischen Produkt der Mengen A\mathbb{A} und B\mathbb{B} die Menge

A×B:={(xy)xA und yB}\mathbb{A}\times\mathbb{B} := \{(x|y) \mid x\in\mathbb{A}\text{ und }y\in\mathbb{B}\}
Note 6

Bei der Produktmenge A×B\mathbb{A}\times\mathbb{B} handelt es sich also um alle Zahlenpaare/Koordinaten (xy)(x|y), sodass xAx\in\mathbb{A} und yBy\in\mathbb{B} ist.

Example 4

Seien A={1,2}\mathbb{A}=\{1,2\} und B={a,b}\mathbb{B}=\{a,b\}. Dann ist

A×B={(1a),(1b),(2a),(2b)}\mathbb{A}\times\mathbb{B} = \{(1|a),(1|b),(2|a),(2|b)\}
Exercise 14: Kartesisches Produkt

Beschreibe die Menge geometrisch und skizziere sie:

a) N×N\N\times\N

b) R×R=:R2\R\times\R =: \R^2

c) Z×Q\Z\times\Q

d) R×N\R\times\N

e) R0+×R\R^+_0\times\R

f) R×R×R=:R3\R\times\R\times\R =: \R^3

Solution

a) Die Menge aller natürlichen Gitterpunkte

b) Die xyxy-Ebene

c) Durch ganzzahlige xx-Werte gehende Parallelen zur yy-Achse

d) Durch natürlichzahlige yy-Werte gehende Parallelen zur xx-Achse

e) Die rechte Halbebene

f) Der 3D-Raum