Binomialexperiment

Bisher haben wir ein spezielles Zufallsexperiment kennengelernt, das Laplace Experiment. In diesem Kapitel lernen wir ein weiteres wichtiges Zufallsexperiment kennen, das Binomialexperiment. Dazu müssen wir aber zuerst das Bernoulli Experiment einführen:

Definition 1: Bernouilli Experiment

Ein Bernoulli Experiment ist ein normales Zufallsexperiment, das ein Ereignis EE besitzt, dessen Eintreten wir als "Erfolg" bezeichnen, was auch immer wir darunter verstehen. Wir definieren dann auch das Ereignis M=EM=E^\prime, was somit für nicht Erfolg oder "Misserfolg" steht. Es ist klar, dass gelten muss

p(M)=1p(E)p(M)=1-p(E)
Example 1

Hier sind ein paar Bernoulli Experimente.

  1. Ein Münze (fair oder gezinkt) wird geworfen. Wir definieren das Ereignis "Kopf" E={K}E=\{K\} als Erfolg, und somit ist das Ereignis M=E={Z}M=E^\prime=\{Z\} der Misserfolg ("Zahl").
  2. Ein Würfel (fair oder gezinkt) wird geworfen. Wir definieren das Ereignis E={6}E=\{6\} also Erfolg und somit ist das Ereignis M=E={1,2,3,4,5}M=E^\prime=\{1,2,3,4,5\} der Misserfolg.
  3. Ein Samen wird in die Erde gesteckt. Als Erfolg definieren wir das Ereignis E="es wa¨chst ein Pflanze aus dem Samen"E=\text{"es wächst ein Pflanze aus dem Samen"} als Erfolg und somit ist der Misserfolg gegeben durch das Ereignis M=E="die Planze wa¨chst nicht"M=E^\prime=\text{"die Planze wächst nicht"}

Das Binomialexperiment ist nun wie folgt definiert.

Definition 2: Binomialexperiment mit Parameter p und n

Gegeben sei ein Bernoulli Experiment, wobei pp die Wahrscheinlichkeit für Erfolg ist, daher p=p(E)p=p(E). Wiederholen wir das Bernoulli Experiment nn mal, wobei nn eine feste Zahl natürliche Zahl ist, also zum Beispiel n=2n=2 oder n=12n=12, so erhalten wir ein Binomialexperiment mit Parameter pp und nn. Die Zahl pp wird auch Erfolgswahrscheinlichkeit genannt, und nn ist die Anzahl Wiederholungen.

Wichtig: die Erfolgswahrscheinlichkeit pp darf sich bei den Wiederholungen nicht verändern (und somit auch nicht die Wahrscheinlichkeit für die Misserfolge).

Ein Binomialexperiment ist ein Spezialfall von einem mehrstufigen Zufallsexperiment, wobei die Stufen den Wiederholungen des Bernouilli Experiments entsprechen. Ein mehrstufiges Zufallsexperiment wird oft mit einem Wahrscheinlichkeitsbaum repräsentiert (siehe Bild unten). Hier noch ein paar weiteren Definitionen und Notationen im Zusammenhang mit Wahrscheinlichkeitsbäumen:

Exercise 1

Zeichne die Baumdiagramme für die folgenden Binomialexperimente:

  1. Für eine gezinkte Münze ist p(K)=0.9p(K)=0.9 (Erfolg) und somit p(Z)=0.1p(Z)=0.1 (Misserfolg). Die Münze werde 44-mal geworfen.

  2. Ein fairer Würfel wird 22-mal geworfen, wobei ein Erfolg eintritt, wenn eine 66 erscheint (und ansonsten ist es ein Misserfolg).

  3. Es werden 3 Blumesamen in 3 Blumentöpfe gesteckt und ein paar Monate gewartet. Die Blumentöpfe werden aufgenommen, einer nach dem anderen und überprüft, ob eine Blume gewachsen ist (Erfolg). Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Samen zur Blume gedeiht ist p=0.95p=0.95.

Solution
Exercise 2

Ein Topf enthält 5 rote Kugeln, 3 weisse Kugeln und 3 blaue Kugeln. Erfolg ist, eine rote Kugel zu ziehen. Es werden 33 Kugeln gezogen, eine nach der anderen. Entscheide, ob dies ein Binomialexperiment ist, wenn

  1. die Kugel vor dem nächsten Ziehen zurückgelegt wird
  2. die Kugel vor dem nächsten Ziehen nicht zurückgelegt wird.

Erstelle jeweils die Baumdiagramme.

Solution

Es ist nur ein Binomialexperiment, wenn mit zurücklegen gezogen wird. Nur dann bleibt die Erfolgwahrscheinlichkeit (rote Kugel ziehen) in jeder Wiederholung gleich.